8. November 2015

Konsumauszeit: Woche 1


Meine erste Tat diese Woche war, am ersten November mit meinen Neffen und meiner Nichte intensiv und völlig konsumfrei in einer alten Burgruine Laubrascheln zu gehen.

Ruine Schaumburg in Oberösterreich. Foto von mir. (So ganz zufrieden bin ich mit der Handykamera ja nicht...)


Dann hab ich noch am selben Abend eine Liste angefangen mit Zeugs, das ich im Dezember dann kaufen muss oder möchte. Ähm ja. Natürlich hat man dann 4 Wochen Zeit, um über diese Kaufvorhaben zu reflektieren, aber auch aufgeschobener Konsum ist Konsum.
Und dann hab ich 250 Euro abgehoben. Jede Woche tu ich 50€ ins Geldbörsel. Weitere 50€ sind Notfallgeld.
Das war also meine Vorbereitung für dieses Monat.

Ok, ich hab auch eine Inventur gemacht von den Vorräten an Essen, die da sind und mir lose im Kopf ein paar Rezeptideen ausgedacht. Zwar hab ich die Vorräte sogar auf eine Liste geschrieben, aber den Zettel danach wieder weggeworfen. Ich brauch keine Inventarliste.

Die Brauch es auf Challenge wurde zwar von der Küchenrenovierung gedanklich und blogglich jäh unterbrochen, geht aber in dieser Konsumauszeit automatisch weiter. Da ich den gesamten Oktober keinen Herd hatte, war es nicht weit her mit dem Vorräte aufbrauchen.

Die Suche nach einem Wintermantel war zwar erfolglos (weder Schnitte, noch Stile stehen/passen mir, ich war ziemlich sehr grantig) - aber dafür hab ichs dann doch beim Änderungsschneider versucht. Der mal geschaut und mir den fehlerhaften Part für einen Zehner ausgetauscht hat. Man darf nicht so pessimistisch sein.

Trotzdem bin ich nach wie vor am Zweifeln, ob das wirklich so der gute Zeitpunkt für das Projekt ist. Wie Pia von Malmini hier auch schreibt, ist der unbedachte Zwischendurchkonsum für mich schon so lange kein Thema mehr. In den ersten zwei Semestern in Wien, wo ich plötzlich so viel Taschengeld gehabt hab wie nie zuvor, war ich schon noch gern shoppen. Es war was Neues, Tolles, Glitzerndes, Glänzendes, die Einkaufsstraße gleich ums Eck zu haben und Goth-Klamotten, hierzulande auch Gruftigwand genannt, nicht mehr bestellen zu müssen.
Aber Shoppen gehen ermüdet mich unglaublich. Überstimulation, Menschen, Herumrennen, Anprobieren, Kassastehen, drinnen heiß, draußen kalt, schlechte Luft, Augenbrennen... Es war der nervige Mittel zum Zweck, schöne oder notwendige Sachen zu besitzen. Und wie ich dann 2009 begonnen hab, radikal auszumisten - bin ich denn blöd dass ich mir wieder Zeug kauf?
Konsumauszeit? Im Gegenteil. Ich hab mich in den letzten Monaten zwingen müssen, endlich Gewand kaufen zu gehen, weils so bitter nötig ist. Jetzt falle ich nur in den alten Modus zurück. (Wobei zugegeben eines schon hart für mich ist: nicht Essen gehen.)

Es ist eigentlich absurd, wieso brauchen Minimalisten eine Konsumauszeit? Das fragt sich auch jemand auf Twitter. Ich brauch die eigentlich nicht und sicher die anderen im Grunde auch nicht wirklich. Aber es ist ein Projekt, das weite Kreise ziehen kann und Nichtminimalisten zum Nachdenken und Experimentieren anregt. (Nachtrag: lies mal, was Karo dazu denkt!)
Und ich spar mir meine Küche wieder rein. Auch fein.

Jedenfalls diese Sachen, die ich benötige (Gewand), gibts im Dezember auch noch. Hoffentlich. Vielleicht meine Farben dann sogar in größerer Menge? Im Oktober hab ich schon einige Kleidungsstücke gekauft, die ich eh erst in das Konzept meines Kleiderschrankinhalts integrieren muss. Das könnte ich dieses Monat machen. So eine Art "shop your closet". Hmmm.... ja, ok, ich bleib also auch in Woche 2 noch bei der Konsumauszeit. Die bei mir ja ein Sparmonat ist.

Und der Sparmonat ist so lala gegangen. Zuerst hab ich gedacht, ich schaffs tatsächlich mit den 50€ diese Woche. Aber dann ist mir einmal Fortgehen und eine dringend benötigte Massage für meinen renovierungsgeplagten Problemrücken dazwischengekommen und somit sinds 85€ für diese Woche, 30€ davon für Lebensmittel (Fortgehen exklusive).

Naja. Machst du auch mit und wenn ja, wie ist es bei dir so gelaufen?

Kommentare:

  1. Huhu!
    Manchmal glaube ich, dass dieses Argument mit "ach, der November ist ja voll blöd, so viele Geburtstage und Weihnachtsgeschenke, hach wie soll man das schaffen!" auch nur ne Ausrede ist, die man sich selbst bastelt, damit man sich irgendwie rausreden kann. Und eigentlich ist es doch DIE Herausforderung. Man könnte nämlich auch einfach mal mutig sein und sagen: "Du, ich hab kein Geburtstagsgeschenk für dich, weil ich gerade #konsumauszeit mache und nix kaufen darf und ich zum Basteln zu ungeschickt bin" - was würde dann passieren? Würde uns das Geburtstagskind zum Teufel jagen? Wäre das Kind total beleidigt in der Ecke? Viel eher ist es doch: WIR können es nicht aushalten. Weil wir so von diesem Kram geprägt sind, dass wir ohne Materiellem keine Verankerung mehr haben. Oder?
    Für mich ist es total schwer mich an die #konsumauszeit zu halten, WEIL ich durch dieses Label jetzt plötzlich überall Sachen sehe, die ich glaube brauchen zu müssen. Oder halt einfach haben will. Diese Kleinigkeiten-Kauf-Nix-Challenge (keinen Nagellack, kein Büromaterialzeugs) ist mir schon so in Fleisch und Blut übergegangen, dass es gar kein Problem mehr war, nur jetzt sehe ich überall schon wieder so schöne Sachen für meinen Kalender...
    Das ist wirklich merkwürdig...

    In diesem Sinne - als gute Wisssenschaftler auf in Woche 2!

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    1. Kommt aufs Geburtstagskind an. In meiner Umgebung schenkt man sich ja fast nix mehr. Außer mal einfach-so Geschenke, weils sie grade gut passen. Also kann ichs leider nicht testen.
      Ich hab eigentlich für November einige Käufe geplant gehabt, um sie nicht im Dezember kaufen zu müssen, wenn da draußen die Hölle los ist. Aber wenn man sich was verbietet, dann wirds immer gleich viel interessanter. Ich mein, ich sag nur Kekse. Keksekeksekekse ich hätt so gern jetzt Kekse, aber lieber nicht, sonst werd ich den DIplomarbeitsspeck nie los. Hach, Kekse...

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  2. Ich denke, du bringst es hiermit ganz gut auf den Punkt: "Natürlich hat man dann 4 Wochen Zeit, um über diese Kaufvorhaben zu reflektieren, aber auch aufgeschobener Konsum ist Konsum."
    Wozu den November wegen der Konsumauszeit die Füße stillhalten und dann im Dezember direkt "zuschlagen"? Zumal du dir mit der Kleidung einen Stock zwischen die Füße werfen kannst, wenn es doof läuft. Frieren ist in Bezug auf den Wintermantel ja auch keine Option.
    Letztendlich will ich darauf hinaus: Es gibt sinnvolle Herausforderungen und es gibt Dinge, die einem das Leben nur unnötig schwer machen. Oder als Beispiel: Ich fange kein zeitaufwändiges Fitnessprogramm mitten in einer Prüfungsphase an, sondern besser danach.
    Wenn du keinen Sparmonat machen würdest/müsstest, würde ich die Konsumauszeit diesen Monat eher als "Leben schwer machen" sehen.

    Liebe Grüße,
    K

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    1. Ja, ich hab mir auch ganz ehrlich gedacht, ob ich mir das Leben nicht grad unnötig schwer mach? Ob das jetzt nicht sinnloses "Will auuuuch mitspielen!" war.
      Aber auch das kann ein Fazit sein, das ich aus diesem Experiment zieh. Dass es immer drauf ankommt.
      Ich behalte mir auch vor, das Experiment jederzeit abzubrechen, kann nämlich sehr wohl passieren. Wie ich auf Twitter schon geschrieben hab, mein Motto für diese Konsumauszeit ist: "Schau ma moi, donn seng mas scho" (Schauen wir mal, dann sehen wir es schon - sehr österreichische Grundhaltung.).

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    2. Dann hast du da was dazugelernt, das ist auch immer was wert.
      Ich merke beim Studium momentan wieder, dass "ich will das aber auch noch machen" niiicht unbedingt die beste Strategie ist.

      Liebe Grüße,
      K

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  3. Ich bin auch dabei, schon seit Ende August -.-" dafür dann wenigstens mit nicht ganz so strengen Spielregeln, das ist wohl eher das, was dein normaler Minimalismus ist. Außerhalb von Essen/Gebrauchsartikeln hab ich nur ein Care-Paket für eine Freundin (zählt das aus Ausfall?! war auch nur Essen ;) ), ein Kleidungsstück (gebraucht aufgetaucht, Freundin färbt mit meiner Wunschfarbe einfach so für mich mit, Gelegenheit kommt nie wieder), ein Weihnachtsgeschenk für die Schwiegerfamilie (muss ich eh und dann kauf ich lieber bei 25% Rabatt) und Bastel-Kleinkram zum Wichteln gekauft. Und meinem Vater eine Ersatztastatur aus seinem unendlichen Fundus aus den Rippen geleiert, weil bei meiner alten nur noch die Hälfte der Tasten wollte. Bis Weihnachten stehen dann auch nur noch die Geschenke für die Schwiegerfamilie an. Geschenkt bekomme ich noch eine Handtasche, wegen der ich schon seit August mit meiner Mutter diskutiere, damit ich etwas zu Farbe und Stil passendes bekomme - das zieht sich aber mindestens, bis du mal Zeit und Motivation hattest, unter den Kibbe-Post zu gucken und mir da einen Rat zu geben. ;)

    Ich finde auch, dass du es dir ziemlich schwer machst. Wenn du wirklich kaufen musst, und dir dann genau im Zeitraum wo du könntest eine Beschränkung auferlegst ist das schon gekonnt. Aber so lange du dich da nicht zu sehr drauf versteifst und das ein Versuch und kein Zwang ist, bin ich sehr auf deine Berichte gespannt.

    Frau Dingdong, ich würde mir bei so einem "ich kauf nix und bastel auch nicht" irgendwie verarscht vorkommen. Sorry. Ich hab mit vielen Leuten die Vereinbarung nichts zu schenken und auch kein Problem, wenn man sich nicht trifft und das dann unter den Tisch fällt oder mal nur ich dran denke oder sonstwas. Aber wenn ich denn dann feier und da jemand ohne Geschenk (egal ob es irgendwas gekostet hat oder nicht, ich freu mich auch über einen Gutschein in der Richtung "wenn du nächstesmal barfuß durch den Wald gehst, komm ich mit, auch wenns mir peinlich ist" das braucht kein Basteln, kein Geld, nur Papier und Stift, wenn auch das nicht vorhanden ist, eine Email, und Mut) kommt, würde ich mir ziemlich ignoriert vorkommen. Konsumauszeit hin oder her, ich würde davon ausgehen, dass ich es der Person nichtmal wert bin, sich Gedanken zu machen. Wobei ich zugeben muss, dass da so oft Kram bei rumkommt (Gedanken machen und so, ne?! Gedankenlos in den Laden rennen, ist auch doof und wenn bitte wenigstens Essen, das steht nicht rum), dass ich mittlerweile Lösungen bevorzuge, dass mir keiner was schenken braucht, aber jeder sich alkoholisches Zeug selbst mitbringt oder sowas in der Art. Funktioniert auch nicht immer so wirklich, aber letztes mal haben alle für eine Orchidee zusammengelegt, die war und ist immer noch toll.
    Hm, klargeworden, dass ich den Gedanken dahinter mag?

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    1. Weißt du, ihr seids mir jetzt aber auch nicht so wirklich behilflich beim Durchhalten lol

      Uff, ich schau mal zu Kibbe rüber, in welchem Ausmaß ich da jetzt einen Kopf dafür hab. Nie wieder Renovieren.

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    2. Hab dir geantwortet wegen der Handtasche, ich weiß aber nicht, ob dich die Antwort freut xD

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  4. Danke. Ob du es glaubst oder nicht, es freut mich. Damit hast du eine Alternative (zwar meinen Favoriten aber was solls) rausgekegelt und das Thema ist hoffentlich endlich durch!

    Denk dran, auch ein Minimalist muss nicht nackt rumlaufen, lieber vorher Klamotten kaufen ;)

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  5. Sehr schöner Bericht!! Schade, dass überall die Luft schon so schlecht ist. Mein CO2 Sensor zeigt mir hier auch schlimme Werte an... LG

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