29. Oktober 2014

Vorräte und Ausmisten tanzen im Kreis

Ich: Hallo, ich heiße materialfehler und habe ein kleines Problem mit Vorräten.
Gruppe: Hallo, materialfehler!

Ich habs ja schon seit einigen Jahren mit dem Minimalismus, und vorher eigentlich auch schon. Da gibts viele Gründe, zum Beispiel meine Überforderung mit zu viel Auswahl (hirnblubb vorm Marmeladenregal stehen) oder dass ich einfach gern viel Platz hab.

In regelmäßigen Abständen bilde ich mir jedoch ein, dass Vorräte mein Leben vereinfachen.

  • Durch Vorräte muss ich weniger oft einkaufen gehen.
  • Wenn ich bei jedem Einkauf zusätzlich Zeugs kaufe, das nicht am Zettel steht, lässt sich dieses Problem auch reduzieren, indem man die Zahl der Einkäufe reduziert.
  • Größere Packungen sind nachhaltiger.
  • Ich habe einen Speisekammernfetisch. Hübsche Aufbewahrungsgläser mit Nudeln, Mehl, Getreide, eingemachtem Obst und Gemüse, Marmelade, Hülsenfrüchte, Kekse, Nüsse, Kräuter, Tee, Gewürze, ...
  • der -10% Gutschein vom dm zahlt sich bei einem großen Einkauf natürlich so richtig aus (ich kauf dort hauptsächlich Lebensmittel)
  • Unterschwellige, etwas irrationale Sorge, dass ich als Innenstadtkind, das noch nicht mal einen Balkon hat, bei einem Zusammenbruch der Wirtschaft gleich als erste verhunger (Danke liebe panikmachende Autarkie-Seiten im Netz!). Nicht lachen!


Das Ergebnis sind dann 2kg Haferflocken, 2kg Hirse und 2kg Buchweizen in einem 1,5 Personenhaushalt, in dem die halbe Person a) nicht frühstückt und b) meinen Frühstücksgatsch voll abartig findet - und wo die ganze Person in letzter Zeit dann doch viel lieber Vollkorntoast mit Mandelmus und Bananenscheiben oder mit Bohnenaufstrich und Paprikastreifen zum Frühstück isst.
Oder: braunen Zucker, Birkenzucker, Stevia, Ahornsirup, Agavensirup und Honig. In einem Haushalt, wo fast nie gebacken wird und auch sonst irgendwie kein Zuckerzeug verbraucht wird. Von meinen roten Linsen, Berglinsen, schwarzen Linsen, Kichererbsen ganz, Kichererbsen halbiert, Käferbohnen, Kidneybohnen möchte ich eigentlich lieber schweigen. Zumal mein Appetit sich sowieso nie nach den Einweichzeiten richten will und ich dann erst wieder mit halbverhungertem starren Blick kurz vor Ladenschluss mit Dosenkichererbsen bei der Kassa steh.
Bei Kosmetik ist es ähnlich. Experimente und Prozente und realitätsferner Enthusiasmus. Zwei Haushalte zu haben ist da auch nicht hilfreich (der Moment wenn du beim Freund das Badezimmerkastl aufmachst, um *schielt nach links* *schielt nach rechts* eine von deinen gehamsterten Flaschen dort reinzustellen, weil du geglaubt hast, da ist nix mehr und feststellst: verdammte Scheiße, warum hab ich hier FÜNF HALBVOLLE SCHAMPOOS STEHEN?!).

Wie du siehst, gibts da ein kleines Problem im Vorratsschrank-Realitäts-Kontinuum.
Ich fühle mich von zu viel Vorräten dann wieder erdrückt und irgendwie gelähmt. Und schon geht das fröhliche verkaufen, an Freunde verteilen und im Haus aussetzen wieder von vorne los. Und das spart mir echt kein Geld, obwohl das eine der ursprünglichen Intentionen war...

Das läuft dann immer so ab:

  • Zeug nervt. Ausmisten. Verschenken.
  • Ruhe genießen.
  • eingebildete Sparsamkeit: Hamstern.
  • mit Genuss Vorratsschrank einräumen
  • zunehmende Unruhe
  • nervt
  • ausmisten
  • Ruhe.
  • Angst vorm totalen Atomkrieg
  • hamstern
  • Vorratsschrank bestaunen
  • Überforderung
  • NERVT
  • ...

Gehts dir auch so? Oder hast du ein anderes dreckiges Minimalistengeheimnis?


Kommentare:

  1. Mit Essensvorräten geht es mir auch so. Ich probiere gerne herum - exotische Gewürze, Sobanudeln, Amaranth der mir gekocht doch nicht schmeckt, Bonitoflocken die vor sich hin fischeln...
    Wenn es ums Aufbrauchen geht, muss ich mich wirklich auf eines dieser vergessenen Lebensmittel konzentrieren. Dann schaffe ich es dass es bald weggekocht ist. Diese Speiserundtour ist dann exotisch genug, um meinen Gaumen wieder eine zeitlang zu befriedigen. Bis ich im Netz wieder ein ganz ausgefallenes rohveganes Superfood-Rezept finde :)

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    1. Ja, das ist bei mir auch voll das Problem. Ich muss dann aber leider immer bemerken, dass ich bestimmte Gerichte/Landesküchen einfach nicht gut hinbekomme oder zu selten Lust drauf hab, dass ichs dann doch wieder ins Restaurant auslager. Bei mir sind das Japanisch (außer Avocadomaki, das krieg ich daheim schon hin) und Waffeln (Waffeleisen verschenkt).

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  2. Speisekammernfetisch wird mein Wort der Woche :D großartig. Den hab ich übrigens auch. Deine Überlegungen kann ich sehr gut nachvollziehen, gerade was die Lebensmittel angeht. Ich horte vor allem Gewürze. Die lieb ich pur und in diversen Mischungen. Irgendwie hab ich aber so viele, dass ich dann davor stehe, wie du vorm Marmeladenglas im Supermarkt und am Ende wirds dann Salz, Pfeffer, Oregano und so ein türkisches Bröselgewürz, das bei mir fast überall dran kommt. Hm. Lösung hab ich grad keine, weil weggeben möcht ich die Gewürze auch nicht. Vielleicht beim Speiseplan erstellen gleich ein paar Gewürzkombis dazu schreiben zu den Gerichten, vl hilft das gegen die Lähmung.
    Das Notfallszenario hab ich zum Glück schon wieder verdrängt. Vor einiger Zeit hab ich das Buch "Apokalypse jetzt" gelesen und einen leichten Rappel an "ich muss vorsorgen" bekommen. Hab ich zum Glück aber aus den Augen verloren und nie umgesetzt.
    Im Bad hab ich dafür schon einen ziemlichen Siegeszug zu vermelden. Hab wirklich konsequent alle Resterl (5 Shampoos auch hier) aufgebraucht und kaufe jetzt nichts mehr nach. Hab da die "plus 1" Regel eingeführt: ganz ohne Vorrat mag ich nicht, riesen Vorrat find ich blöd. Ich hab also jetzt immer genau 1 auf Vorrat. 1 Shampoo in Benutzung und 1 als Vorrat im Schrank

    mein dreckiges Minimalisten Geheimnis sind meine Perlen zum Schmuckbasteln. Davon habe ich ein ganzes Nachtkastl voll, obwohl das Basteln nur so ein mal im Monat maximal vorkommt

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    1. Ich hab den Rappel "Ich muss vorsorgen" leider schon umgesetzt... Zu viel Autarkieblogs gelesen, zu viele Weltuntergangsbücher gelesen. Man wird dann voll hysterisch, hab ich bemerkt :D

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    2. Hihi, nach meinem Kommentar hatte ich noch mal den Drang das Buch erneut auszuleihen, wahrscheinlich sollte ichs lassen ;)

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  3. Mir gehts bisweilen ähnlich. Dann raffe ich mich wieder auf, sag doch, die Sache mit der Schminke machst Du jetzt mal, strolche zigmal zu DM und Co. hamster alles mögliche, zu Hause interessiert mich das Zeug dann meistens überhaupt nicht mehr. Dann sehe ich wieder was auf Instagram, Facebook weiss der Kuckuck wo, glaube DAS ist es jetzt, der heilige Gral, das BRAUCST Du unbedingt. Tja, spiel wieder von vorne. Und irgendwann kommt die Phase wo ich sage, ach l**** mich doch alle und ich verschenke oder kloppe das Zeug gleich in die Tonne, weils schlecht geworden ist. Joa.

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    1. Ja, voll. Da hilft dann nix anderes als sich mal auf den Boden der Realität zu setzen und sich einzugestehen, dass Schminken eher nicht die persönliche Priorität ist. Lieber dafür dann bei den wenigen Sachen, die man wirklich nutzt, auf bessere Qualität achten. Außer bei Wimperntusche, das Zeug trocknet sowieso schneller ein als man schnuppdiwupp sagen kann.
      Irgendwie muss man sich dazu zwingen, mit dem was man hat zufrieden zu sein. Nicht umsonst sind diverse Achtsamkeits-Projekte in diversen Blogs so beliebt. Nicht Opfer des Kapitalismus und Wirtschaftswachstumszwang zu werden - auch die Suche nach dem Gral ist eine Form von geplanter Obsoleszenz.

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    2. Kali von The nife en l'air (in der Blogleiste rechts verlinkt) schreibt sehr viel über dieses Thema und macht grade eine Shopping Fast. Klick dich mal rein!

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    3. Da hast Du absolut recht! Meistens schaffe ich das auch und es wird je länger je besser. Von dem her denke ich schon, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Es ist halt einfacher, wenn man weiss, dass ma regelmässig zu DM und Co. kann und so nicht hamstern MUSS (auch wenn man nie muss, aber ich mag das Zeug echt nicht mehr in der Schweiz kaufen und da das xfache bezahlen).
      Danke für den Lesetipp!

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