28. Dezember 2014

Ein weiteres Jahr Minimalismus - wir blicken zurück (7)

Dass es doch so viele Bereiche gibt, wo einem Minimalismus was bringen kann! Heute haben wir uns u.a. von diesem Adventskalenderbeitrag von Frau Dingdong inspirieren lassen.

Heute geht es um Arbeitsplatz, Kreativität und mentales Gerümpel.



Arbeitsplatz

lunalesca: E-Mail und Schreibtisch gleichermaßen ins Verderben stürzen lassen. Die Unterlagen rund um den Schreibtisch habe ich mittlerweile wieder geordnet, die Aufgaben in digitale Listen so halbwegs übersichtlich eingetragen. Das Postfach muss ich noch groß ausmisten. Immer wieder verschiebe ich da ein paar E-Mails - alles auf einmal wäre mir zu heavy. Insgesamt bin ich stolz, dass ich ziemlich papierfrei arbeite - und das, was ich notiere, landet meistens auf der Rückseite von alten Unterlagen.

materialfehler: Mein Hauptarbeitsplatz war dieses Jahr aber meine Diplomarbeit (schon wieder) und auch hier litt ich wieder unter Eisenminimalismus und Motivationsminimalismus und Effizienzminimalismus. Also, ihr merkt schon, dass es für mich immer guten und schlechten Minimalismus gibt. Guter Minimalismus hilft mir aber dabei, den Fokus nicht zu verlieren und Arbeitsweisen zu überdenken. Die produktiven Tage sind immer die, wo ich rund um mich penible Ordnung hab und sogar mein Bett mach und das Modem verräume, vorzugsweise ins Regal von meinem Freund, also 20min Fußweg entfernt.


Kreativität

lunalesca: Wenn stressig, läuft das Notprogramm an, das in geraden Bahnen denkt und Befehle ausführt. Eigentlich bin ich gerne kreativ, das konnte ich dieses Jahr leider nicht besonders ausleben. Auch der Kochlöffel steht still - einzig bei den Smoothie-Rezepten lasse ich meiner Fantasie freien Lauf.

materialfehler: Meiner Kreativität tut Minimalismus eindeutig gut. Dieses Jahr hab ichs beim Kochen bemerkt. Ich hab schon hier geschrieben, dass zu viele Vorräte mir die Lust am Kochen nehmen. Ich merke auch bei Kleidung, dass ich mich durch Vorentscheidungen einschränken muss. Ich bin leider insgesamt nicht sehr kreativ. Ich kann nur schwer Melodien erfinden (immer wenn ich denk, Ha! Das hab ich jetzt erfunden! ...klingts dann doch ähnlich wie dies oder das) und das Variieren muss ich mir erarbeiten. Improvisation ist ein Horror für mich. Aber vielleicht wäre das mal ein Punkt, an dem ich 2015 arbeiten könnte und vielleicht hilft mir Minimalismus ja auch irgendwie dabei.


Mentales Gerümpel

Sorgen und Ängste und alles, was im Halbdunkel so dahingurgelt.

lunalesca: Dieses Jahr war ich ziemlich fertig wegen einem Projekt in der Arbeit, das ziemlich aus dem Ruder geraten ist. Mir ging es deshalb mental echt nicht gut. Rückblickend kann ich jedoch sagen, dass ich dadurch gelernt habe, dass die Welt auch nicht untergeht, wenn der Karren mal in den Dreck fährt. Es bringt da auch nicht viel, ewig herum zu überlegen wer warum daran schuld ist. Die Devise lautet viel mehr, den Wagen wieder "auf Schiene" zu bringen.

materialfehler: Mein Studium hilft mir eigentlich nicht wirklich gegen mentales Gerümpel. Egal welches Seminarthema, letzten Endes bleibt trotz häufigem innovativen Enthusiasmus unterschwellig der schale Beigeschmack von "wir werden die Kurve bei Klimawandel/Biodiversitätsverlust/Bodenerosion/Umweltvergiftung/etc. eh nie kratzen, weil auf uns eh keiner hört". Es hat sich bei mir schon ein richtiger Zynismus eingeschlichen, das geb ich zu. Für mich ist das Wissen, was alles schief läuft (und was richtig läuft, läuft meist viel zu langsam und verhalten), durchaus eine Bürde. Vor allem dieses unterschwellige Gefühl, trotz allen guten Kleinigkeiten doch insgesamt der Welt bei der langsamen Apokalypse zuzusehen - der diesjährige Klimagipfel war ja auch wieder nur der Gipfel der laschen Unfähigkeit. Wie ich damit umgehen soll, weiß ich nicht so recht. Ich habe mit Enthusiasmus dieses Studium angefangen und werde es mit leichtem Missmut beenden. Das ist das mentale Gerümpel, mit dem ich 2015 umgehen lernen muss.


Bist du in der Arbeit auch schnell mal ineffizient oder hast du das dieses Jahr gut unter Kontrolle gehabt? Und was hilft dir bei der Kreativität mehr - Ordnung oder Chaos? Was ist dein mentales Gerümpel und wie gehst du damit um?

Kommentare:

  1. Materialfehler, deinen Unmut über diese Unfähigkeit, all das, was in der Welt schief läuft, einfach zu ändern, kann ich total gut nachvollziehen. 6 Tage die Woche bin ich im motivierten Weltverbesserungsmodus, aber wenn ich am siebten zu lange über die WIndmühlen nachdenke, gegen die ich ankämpfe, entwickle ich auch sehr schnell so einen ausgewachsenen "Weltschmerz" und möchte am liebsten frustriert losweinen. Da bin ich irgendwie froh, dass mein Studium nicht in diesem Bereich liegt - obwohl ich oft darüber nachgedacht habe, damit später mal in so eine Richtung zu gehen.

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    1. Andererseits sollte man sich immer auch im Klaren sein, dass man mit einer Ausbildung in die Öko-Richtung immer noch mehr ausrichten kann, als wenn man sich in eine öko-ferne Richtung bildet. Als ökologisch denkender Mensch hat man den Frust sowieso immer. Ich weiß nur nicht, was das Wirksamste ist. Ins Ökolobbying einsteigen? In die Politik gehen? In die Wirtschaft gehen? Vielleicht gar konservative Gruppierungen unterwandern und von innen aushöhlen äh ökologisieren?
      Was studierst du?

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  2. Aloha!

    Früher habe ich an das kreative Chaos geglaubt, aber mittlerweile merke ich, dass ich doch eher Ordnung brauche, um kreativ zu sein. Chaos nimmt einen Teil meiner Energie in Beschlag und die fehlt dann bei der Kreativität.
    Mentales Gerümpel ist für mich das nachtragend sein, das nicht verzeihen können. Da arbeite ich dran. Aber auch der ganze emotionale Müll, den andere bei mir abladen - ich mache leider viel zu oft anderer Probleme zu meinen eigenen.

    LG

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    1. Ja, damithab ich auch lange gekämpft: sich zu viele Sorgen über die Probleme anderer zu machen. Aber seit ich mir das problem bewusst gemacht hab, kann ich immer wieder durchschnaufen und mich zurück nehmen und mirdenken: nicht mein Problem. Zuerst mal zuhörenu d dann erst fragen, ob Rat erwünscht ist.

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