16. November 2013

Kosmetik, minimalistisch: Duft


Ich habe mir versehentlich das Duften abgewöhnt.

Als ich mit 17 Neurodermitis bekam, musste ich auf duftfreies Allergikerwaschmittel umsteigen. Schon nach ein paar Monaten fand ich Waschmittelgeruch seltsam. Mit 19 stieg ich auf Naturkosmetikprodukte um, die meist milder und natürlicher beduftet werden und fand bald den Geruch konventioneller Produkte nicht mehr gut. Vor zwei Jahren habe ich schließlich einige Monate lang das Waschen mit Lavaerde (die ja nach nichts riecht) ausprobiert.

Seither ekelt es mich vor fast allen Düften in Kosmetik. Oft wird mir sogar übel oder ich bekomme Kopfschmerzen, wenn ich die Gerüche längere Zeit in Gesichtsnähe habe.

Zum Glück gibt es parfümfreie Produkte zu kaufen. Beispiele für Firmen, die solche Produktlinien anbieten sind Balea, Alverde, Seba med, Logona und Lavera - und im Internet findet man noch viel mehr.

Es ist aber nicht nur das Fehlen des Geruchs, das mich entzückt. Parfümfreie Kosmetik erhellt mein Herz auch durch das reduzierte Produktangebot (meist gibt es ein Schampoo, eine Tagescreme usw), das oft puristische Design und die meist kurzen Inhaltsstofflisten (da im Zielpublikum Allergiker und sehr sensible Häute sitzen).

Parfümfreie Kosmetik: Kein Duft, wenige schlichte Inhaltsstoffe, cleanes Design und eine überschaubare Produktpalette - puristisches Herz, was begehrst du mehr?

Übrigens ist auch meine selbstgemachte Kosmetik parfümfrei. Meist verwende ich sogar extra desodorierte oder raffinierte Öle und Fette. Kokosöl beispielsweise riecht mir nativ schon zu stark, so sensibel ist meine Nase geworden!

Ich frage mich, warum eigentlich immer alles nach etwas riechen muss. Scheinbar ist es nicht erlaubt, wenn Dinge und Personen einfach nach Mensch, nach Wiese, nach Holz oder nach Regen riechen. Ironischerweise imitieren Raumsprays, Duftkerzen und Kosmetik meist "die Natur" in ihren Gerüchen. Eigentlich absurd, oder?

Ich habe in einem Buch etwas gelesen, das mich sehr nachdenklich gemacht hat. Es ging in diesem Abschnitt um einen Briten, der in den 1950ern als Kind in einem afrikanischen Stamm sozialisiert und plötzlich eingefangen und zurück nach Großbritannien gebracht wurde.

Now he had to bathe with soap, "an offensive smell" which was alien and disorienting and distanced him from "the smell of being". "Once you start using soap," he said woefully, "you lose your sense of smell. You can't smell what grass it is. You can't smell what time of the day it is. Finally," said Tony after a pause, "you adapt." (Susie Orbach: Bodies, S. 29)

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