24. Januar 2014

Konsum in Kinderköpfen

"Na, was hat dir das Christkind gebracht?"
"Das sind aber hübsche Schuhe!"
"Zeigst du der Tante dein neues T-Shirt?"

Hab ich schon oft gehört, als ich bei Familien mit Kindern zu Gast war. Das Kind wurde dazu angehalten, die neuesten Klamotten oder Spielsachen zu präsentieren, und erntete dafür Bewunderung: "Das ist aber hübsch!" "Was für ein tolles Spielzeug!" "Wie süß!"

Wird damit nicht den Kindern vermittelt, dass man nach den Dingen die man besitzt beurteilt wird? Dass man aufgrund von Gegenständen die Bewunderung anderer erntet?

Das geschieht bestimmt unbewusst, und ich habe mich bis jetzt nicht einmal getraut, die Eltern darauf hinzuweisen. Nichts schlimmeres, als jemand der einem sagt was man für "Fehler in der Erziehung" begeht - und dann hat diejenige nicht einmal Kinder??

Anderes Beispiel: in meinen Augen ist ein Kaufmannsladen eigentlich ein sehr schönes Geschenk. Man glaubt ja gar nicht, was es da alles für Zubehör gibt: Karton-Miniaturen von echten Supermarkt-Artikeln! Mini-Pizzas, Suppenwürze und Waschmittel im klar erkennbaren Markendesign. Der beste Weg, sich schon früh seine zukünftigen Konsumenten zu holen! Mir ist ganz schleht geworden.

Darf man Eltern auf sowas hinweisen? Vor allem wenn sie sich selbst nicht so viele Gedanken über Konsumverhalten gemacht haben? Ich hab mir jedenfalls vorgenommen, kleine Mädchen und Jungs nicht mehr zu ermuntern, ihre Sachen vorzuführen. Stattdessen werde ich Dinge sagen wie:
"Kennst du ein lustiges Lied?"
"Du kannst aber schon toll turnen!"
"Kannst du tanzen?"
"Zeichnest du was für mich?"
"Hilfst du der Mutti schon beim Kochen? Du bist aber fleißig!"

Kommentare:

  1. Guter Gedanke! Sehr subversiv! Mir ist das noch gar nicht so aufgefallen, aber jetzt wo dus sagst... Was macht das mit Kindern, wenn sie für Dinge gelobt werden, für die sie nix tun mussten? Also ich mein ich bin die letzte, die mit kapitalistischer leistungsgeiler Arbeitsmoral daher kommt, aber angenommen, Kinder lernen, dass sie nix tun müssen und ihnen alles zufliegt. Loben für Besitz (anstatt für Schaffen und Kreativität) ist ja nur ein Aspekt einer gesamtgesellschaftlichen Haltung. Passt ja gut rein in eine materialistische Denkweise, wo sich Identitäten über den Konsum bilden. Sogar unsere Identität als konsumkritische Erwachsene bildet sich über Konsum (über Nicht-Konsum nämlich).
    Kinder sind ja auch ein ganz wichtiger Marketingfaktor, weil sie ganz oft bestimmen, was ihre Eltern kaufen. Der Goldene Windbeutel von abgespeist.de ist 2013 an Produkte gegangen, die extra an Kinder gerichtet sind (ihnen aber überhaupt gar nix gutes tun).

    Auch nicht von anderen Eltern lasst man sich gern sagen, wie man seine Kinder erziehen soll. Deswegen find ich deinen Ansatz super! Werd das jetzt auch machen :) Wobei meine Neffen und Nichten eigentlich alle sehr stark für ihre Basteleien usw. gelobt werden. Bei denen seh ich eher das Problem, dass sie unglaublich viel Spielzeug haben und von der Menge oft überfordert sind. Ich würd so gern ausmisten :( Aber meine Schwester erwürgt mich sicher, wenn ich mit dem Thema komm... Keine Ahnung, wie ich das subversiv machen könnte.

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    1. Erwähnte Kinder werden von den Eltern bestimmt auch für ihre Basteleien und sonstige Leistungen gelobt, ohne Frage. Was mir halt aufgefallen ist, ist die Repräsentation Außenstehenden gegenüber.

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  2. Guter Gedankenanstoß, dass muss ich mir merken. Wobei ich bei leistungsbezogenem Lob sehr brav bin und meine Patenkinder immer ermutige und lobe für ihre Zeichnungen, Lesekunst usw. Das finde ich sehr wichtig für das Selbstbewusstsein und Interesse an so Sachen wie Lesen. Ich als Leseratte will sowas immer gerne fördern ;)
    Bei dem Kaufmannsladen fände ich es eher furchtbar, dass sie da so ungesundes Zeug wie Pizza und Schokoriegel dabei haben. Nur Obst und Gemüse wäre ja toll.

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    1. Das hört sich sehr schön an. Ich möchte Kinder auch gerne zum Lesen bringen :)

      Zum Kaufmannsladen kann man sich ja auch eine andere Ausstattung besorgen. Oder den Laden gleich selbst basteln! Ein paar Hölzer zusammenschrauben und Sachen aus dem Haushalt reinstellen.

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  3. Hallo Materialfehler, ein denkwürdiger Artikel, vielleicht ertappe ich mich manchmal selber dabei so was zu machen, obwohl ich absolut gegen zu viel Konsum bin. Da denkt man gar nicht drüber nach, vielleicht solltest du doch die Eltern dezent drauf hinweisen. Ich hatte mir auch ganz fest vorgenommen, dass es bei uns kein Spielzeug im Überfluss geben soll, aber es ist echt schwer, die schenkende Verwandtschaft im Zaum zu halten. Vielleicht geht es deiner Schwester ja genauso.

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