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28. Dezember 2015

Neuer Kalender, neues Glück?

Das mit dem Bedürfnis nach Neubeginn, das versteh ich. Menschen brauchen Neustarts, in Religionen sind die nicht ohne Grund institutionalisiert.

Aber das mit Silvester?
Ein neues Jahr dann zu feiern, wenn zB Bäume zum Blühen anfangen, ist nachvollziehbar. Aber mitten im Winter? Wenn der einzige Unterschied zum alten Jahr ist, dass am ersten Jänner alles neblig vom Knallersmog ist und die ganzen Raketenhülsen die Gehsteige und Wiesen verdrecken und alle genervt sind, weil ich Silvesterverweigerer am ersten Jänner um 8 in der Früh gutgelaunt herumhopse?

Vielleicht liegts daran, dass mein Weltbild sehr viel fließender ist, abstrakter und intuitiver. Quantifizierbare Ziele mögen in einigen Fällen und für einige Personen sinnvoll sein, sind aber letzendlich auch nur beliebige Punkte auf einer Linie.
Wie will man persönliches Wachstum überhaupt messen? Ich bin doch kein Mehlsack auf einer Waage.
Und schließlich laufen doch alle konkreten und oft quantifizierbaren Ziele eh auf diese abstrakten Sachen wie Gesundheit, Wohlbefinden, Zufriedenheit, Wissen und Können hinaus.
Klar, ich hab Ziele im Leben, manche davon sogar quantifiziert. Aber ich orientiere mich nicht am Datum.

Sind Jahresrückblick und Jahresmotto eigentlich Bloggerkrankheiten? Ich kenn sonst keinen der das macht. Ich versteh den Sinn dahinter. Ich habs die letzten beiden Jahre ausprobiert, weil ich die Idee so für sich gut finde.

Aber das bin nicht ich.

Zahlt sich denn ein Rückblick überhaupt wirklich so aus? Wie viel hab ich davon tatsächlich mitnehmen können? Der heftigste Fail war ja dieser Monsterrückblick 2014, der sich als Minimalismusadventkalender getarnt und fast unseren Blog zum Einsturz gebracht hat. So viel Arbeit, aber neue Gedanken waren für mich nicht dabei - ich bin ein Mensch der eh dauernd reflektiert und deswegen keine extra Gelegenheit dafür braucht.
Bevor die Jahresmottoitis in all den Blogs ausgebrochen ist, hab ich mich auch ohne Mottos, Vorsätze und Rückblicke entfalten und weiterentwickeln können.


Daher, von mir keinen Rückblick, keinen Ausblick, kein Motto. Alles fließt, alles entspannt ;)

5. Dezember 2015

Ode an die Technik von Gestern

Ich liebe Technik von Gestern.


Dabei rede ich nicht von Vorgestern. Ich red nicht von Waschrumpeln und anderem mühseligen Zeug. (Auch wenn es durchaus sehr geniale Low Tech Sachen von vorgestern gibt, die auch heute noch kaum verändert rocken)
Ich rede von Technik, die nicht am allerneuesten Stand der Möglichkeiten ist, nicht fancyfancyblingbling, aber trotzdem solide ihren Dienst tut.

Ich rede von meinem sechseinhalb Jahre alten mp3-Player, der 60 Stunden Akkulaufzeit hat (jetzt vielleicht noch 50) und ein kleines Display, das genau das anzeigt, was es anzeigen soll: Text. Er kann Formate wie .ogg und .flac abspielen, aber auch jene von Apple. Obwohl er theoretisch auch Flash-Videos abspielen kann, ist er kein fancy Mediencenter - man sieht ja auf diesen Videos fast nix.
Was soll ich mit all den heutigen, die müde 15-20h Akkulaufzeit haben, meist nur wenige Formate abspielen können, aber dafür lauter Features draufhaben, die ich alle nicht brauch? Ausnahmen, die ich mir tatsächlich kaufen würde, gibt es kaum, welche die ich mit gutem Gefühl kaufen würde, derzeit keine.

Ich rede von meinem alten E-Bookreader, der noch Tasten hat und nicht mit Wischerei bedient wird. Er tut was er soll: Ich kann damit ebooks lesen und mir Onlineartikel draufschicken um sie offline lesbar zu machen. Er schont meine Augen, er ist mobil. Ich kann die Bedeutung mir unbekannter englischer Wörter abrufen.
Ein Upgrade auf Wischbarkeit ist für mich einfach nicht sinnvoll. Statt klicken wische ich. Statt mit dem curser schnell zu dem Wort zu klicken, das ich doch mal nachschlagen will, tapse ich drauf, nur minimal schneller und ich bin sowieso immer zu faul um irgendwas nachzuschlagen. Es bringt nichts.

Oh und meine Akustikgitarre. Sie ist 30 Jahre alt, gehört glaub ich eigentlich meiner Schwester und ist nur echt mit Quackquack. (Die langsam unkenntlich ausgeblichen sind :( Leute, da oben am Foto sind Enten drauf, ok? Mami-Ente und zwei Baby-Enten.)
Klar war ich mir mit 15 viel zu cool für sowas Spießiges wie Akustikgitarren oder - noch schlimmer: ein Klavier. Aber meine e-Gitarre hab ich seit 10 Jahren nicht mehr angegriffen. Ich hab irgendwann eingesehen, dass ich beim Musikmachen ein Akustikgitarrenmädchen bin und aus mir niemals ein Punkrockbalg oder eine Metalbraut wird. Ich hab auch nie wirklich die ganzen Effekte am Effektgerät genutzt (ein ziemlich fettes Teil) und grade rockige Verzerrungen brauchen eine gewisse Lautstärke, die ich meinen Nachbarn nicht antun kann. Ich spiel auch einfach viel lieber clean. Ich mag keine Powerchords (das sind so abgespeckte Akkorde, die man verwenden muss, wenn man stark verzerrt, weil sonst der Klang völlig übersteuert) und ich zupfe viel lieber hübsche Folk-Muster mit den Fingern.
Eine Akustikgitarre ist mobil, kein Gekabel nervt, man braucht keine Zusatzgeräte (außer einem Capo und einem Stimmgerät, beides sehr platzsparend), sie hat einen schönen Klang und sie ist leichter als die elektrifizierte Version.

Was genau mich an leicht veralteter Technik begeistert?

Als INFJ, Teil eines Menschenschlags der extrem zukunftsfokussiert denkt, irritiert es mich manchmal ein bisschen, wie sehr ich teilweise an altem Zeug hänge. Wie wenig mich oft die aktuelle(re) Version überzeugt.

Aber es sind teilweise pragmatische Gründe: das ältere Zeugs ist meistens besser verarbeitet (weil in unserer Konsumkultur ja schnell was Neues gekauft werden muss, wegen Wirtschaftswachstum, und weil wir immer mehr für immer weniger Geld haben wollen), es ist oft besser durchdacht (weil sich durchgesetzt hat was funktioniert) und - es ist meistens schon da und muss nicht neu gekauft, neu produziert werden.

Und dann sind es ideologische Gründe. Ich sehe die Zukunft weit weniger high tech, als sich die meisten das wohl so ausmalen (hab ja hier schon drüber geschrieben). Wir werden uns im postfossilen Zeitalter oft wieder auf "alten Kram" besinnen müssen. Muskelkraft als Energiequelle, teilweise De-Maschinisierung. Handkurbel statt Elektro beim Kuchenteigmixen? Vielleicht. Wo wir elektrische oder gar fossile Energie verwenden wird wieder stärker durchdacht werden. Es wird auch wichtig werden, dass Geräte und Produkte an Komplexität verlieren, sodass es uns wieder leichter möglich sein wird, selbst zu reparieren. (Oder überhaupt zu reparieren...)

Ich bin mit (kunst)handwerklich geschickten und begeisterten DIY-Eltern aufgewachsen, meine Mutter lebt den Quality-over-Quantity-Gedanken. Auch das hinterlässt natürlich seine Spuren.

Ich hab übrigens schon mal darüber sinniert: Technik-Leapfrogging.
Die Beispiele, wo alles grade etwas aus den Fugen läuft, häufen sich. Letztens hat dieser Artikel seine Kreise durch die Onlinewelt gezogen, wo Apple für schlechtes Design kritisiert wird (also eines, wo die Verwendbarkeit eines Geräts stark leidet). Ist zwar länger, zahlt sich aber echt aus zu lesen!


Was ist deine liebste "veraltete" Technik?

17. November 2015

materialfehler hat ein Smartphone - die ersten 2 Monate

Angefangen hats mit diesem Tweet:


das "neue" und das alte Mobiltelefon

Oder eigentlich hats vorher noch angefangen.

Bis zum Sommer 2015 habe ich nie das Bedürfnis gehabt, ein Wischtelefon zu besitzen. Ganz im Gegenteil, ich wollte ganz dringend keines haben. Es konnte nix, das ich nicht lieber mit dem Laptop oder Tablet machen wollte.
Generell bin ich immer so, dass ich neue Dinge und Entwicklungen erstmal beobachte, so auch bei den Tablets. Seit 2013 hab ich deswegen eines (ein gebrauchtes), weil ich einen sehr fetten Stapel an Papers für Uni und Diplomarbeit mobil bei mir tragen konnte und die Textmarkerfunktion war auch genial. Bildschirmgröße mit 10 Zoll auch optimal für mich, und ich brauch die Tablet/Smartphone-Funktionen ja unterwegs kaum.

Diesen Sommer gab es einige Situationen, wo ich mobiles Internet dringend gebraucht hätte. Da hätte ich allerdings auch eine Simkarte in das Tablet stecken können, vielleicht prepaid oder sowas. Trotzdem hab ich das Gefühl gehabt, jetzt doch wirklich ein Smartphone zu benötigen. Weil mein Freund so nett ist, hat er mir sein Reservehandy geschenkt, ein iPhone4 von 2011. Für 30€ repariert und schon hat man also ein Smartphone.

Die ersten Tage waren irgendwie witzig, weil ich eine unglaubliche Aggression auf das Ding gehabt hab, wenn ichs nur angeschaut hab. Dabei hat es mir gar nix getan, es war nicht lästig und gar nix. Aber die Simkarte wurde kleiner geknipst, damit sie in das Smartphone passt und so war kein Weg zurück zu meinem alten tollen Handy, das NIX kann, außer telefonieren, smsen und bei einer SMS Miau machen (Es kann miau machen!!! Damit hab ich immer alle Katzenmuttis um mich herum ganz nervös gemacht).
Es war irgendwie fast ein kleiner Kulturschock.

Der Unterschied zum alten Tastenhandy hat sich im Alltag gar nicht so stark bemerkbar gemacht, weil ich bereits ein Tablet gehabt hab und sich so die Nutzung nur aufgeteilt hat.

Meine Plusse und Minusse

Der Plural schaut geschrieben sehr seltsam aus, deswegen bleibt das so.

Was ich am Smartphone gut finde
  • Im Gegensatz zum Tablet lockt mich die intensive Internetnutzung auf dem Mikro-Bildschirm (3,5 Zoll) so überhaupt nicht. Es wird das notwendigste nachgeschaut, das wars. Dadurch verleitet es mich auch nicht dazu, beim kurzen Emailschecken einfach mal weiterzusurfen. Mir kommt vor, die Zeit die ich online verbringe, ist etwas zurückgegangen. Aber ich kann mir das auch einbilden.
  • Ich kann die meiste Zeit meinen Laptop, und nun auch mein Tablet, einfach verräumen. Dadurch liegt weniger Zeug und Gekabel herum.
  • Normalerweise plapper ich so viel, dass auch meine Chatmitteilungen gerne halbe Romane werden. Das finde ich nicht immer so gut. Durch die nervige Mikrotastatur, die trotzdem das halbe Display verdeckt, halte ich mich ganz automatisch kurz. Kürzer jedenfalls. (Kommentar vom Freund: "Oder so.")
  • Dass es alt und klobig ist <3 Ich liebe alte und klobige Technik einfach!
  • Es ist durch die Größe viel mobiler als mein 10'' Tablet. Ich mags nicht, Zeug mit mir rumschleppen zu müssen, das sich so schwer anhängt.
  • Wenn ich Leute besuche, v.a. über Nacht, hab ich mein eigenes Internetgerät dabei. War schon öfters angenehm.
  • Ich finde es gut, dass mein Wischtelefon klein und etwas klobig ist und deswegen gut in meiner Hand liegt.

Was ich am Tastenhandy gut finde
  • Dass es Miau machen kann. Wichtiges Feature.
  • Dass der Akku 2 Wochen hält.
  • Dass man damit wirklich nur telefonieren und smsen und die Uhrzeit ablesen kann. Radio hat es glaub ich auch, aber sonst nix, auch keine Kamera.
  • Es ist äußerst robust. Beim Smartphone hab ich immer Angst, aber das Tastenhandy schmeiß ich einfach in die Tasche. 
  • Es ist sehr leicht und liegt dank Klobigkeit gut in meiner Hand.


Negatives zum Wischtelefon
  • Ich habe jetzt drei Geräte (Laptop, Tablet, Smartphone), deren Funktionen sich so stark überlappen, dass ich nach wie vor nicht sicher bin, wie sie sich rechtfertigen.
  • Man muss es natürlich oft aufladen. 
  • Mein Wischtelefon ist ziemlich schwer, weil es scheinbar aus Metall und Glas ist. Ist zwar super wegen Verarbeitung und Haltbarkeit, aber halt auf Dauer nicht so fein zum Halten.
  • Es hat sich nicht als All-in-one-Lösung herausgestellt. Natürlich hab ich alle Funktionen ausprobiert. Aber:
    • Ich bin mit meinem Papierkalender sehr viel schneller beim Eintragen und Nachschauen.
    • Auch Notizen mach ich mir lieber im Notizbuch oder am Laptop. Wozu kann ich bitte Maschinschreiben. 
    • Vermutlich wird sich auch die To-Do-Listen-App nicht gegenüber einer analogen Version durchsetzen.
    • Die Kamera macht mir keine Freude, wenn die Fotos schön werden sollen, oder halbwegs farbgetreu. Ständig wird überbelichtet oder unterbelichtet und man kann überhaupt nix einstellen. Mir diese Foto-Apps anzuschauen ist mir zu mühsam.
    • Musik hab ich gar nicht erst drauf, weil mich iTunes als Linux-Userin und die eingeengten Datei-Endungen schon am Tablet so genervt haben. Und weil ein Smartphone eh auch so schon so viel Saft zieht, verschwende ich den nicht auch noch zum Musikhören. Mein Audioplayer kann flac und ogg und alle Appleformate gleich mit und außerdem hat er 60h Akkuzeit. Nimm DAS, schwächliches Kanonenhalteseil Smartphone.
    • Spiele interessieren mich auf dem 3,5''-Display echt nicht. Hab ein paar ausprobiert. WTF.
    • Das Tablet hat sich schon als nicht besonders angenehm für die Augen herausgestellt, was ebooks angeht. Das gleiche, nur in winzig... nö.
    • Sobald mein Lichtwecker repariert (oder ersetzt :( ) ist, hat auch die Weckfunktion eher ausgedient. Ich mag auch so ein strahlendes Teil nicht die ganze Nacht in Kopfhöhe haben. Den Flugzeugmodus vergesse ich ständig, auszuschalten, und dann maulen die Leute wieder, dass ich "nie" erreichbar bin. 
  • Zuerst wollte ich bei den positiven Seiten schreiben, dass es mir umso leichter fällt, mit Freunden Kontakt zu halten. Aber jetzt bin ich mir nicht mehr sicher. Muss ich denn beim Einkaufen oder Arbeiten Chatmitteilungen beantworten, oder kann das auch warten bis ich daheim bin? Statt dass man sich eine Stunde auf einen Menschen konzentriert, um mit ihm zu plaudern, zerfasert das Gespräch. 
  • Ob ich das wirklich brauche, dass ich überall mein eigenes Internetgerät dabei hab (bei Übernachtungen zb), das weiß ich eigentlich nicht. Ich mein, ich könnte auch ein Buch dabei haben. Ich muss ja nicht unbedingt abends im Bett chatten und Artikel lesen, wenn die Gastgeberin schon früher ins Bett musste. 
  • Und dann ärgert mich einfach sehr vieles bei Apple: geplante Obsoleszenz auf Softwareebene, Bevormundung, schlechtes Design (wurde das nicht früher mal in höchsten Tönen gelobt?). Aber ich hätte auch nie ein Apple-Produkt gekauft, iPhone und iPad sind zufällig zu mir gekommen.


Was hat sich durch das Wischtelefon verändert?

Gar nicht so viel, wie ich zuerst gedacht hab.

Viele Funktionen haben sich wie gesagt nicht durchgesetzt.
Einige Funktionen sind ident mit jenen vom Tablet. Statt dass ich zB übers Tablet chatte, tippe ich halt kurze Chatnachrichten am Handy.
Es gibt nur zwei Dinge, die jetzt neu sind, und zwar nur unterwegs (daheim hab ich ja eine Alternative): Ich nutze selten die "Navigation" (Adressen, Öffis, Öffnungszeiten, Stadtplan) und ich schreib manchmal eine kurze Chatmitteilung wenn ich wo warte.
Zu so einem Zombie, der überall am Handy herumwischen muss, sogar wenn er sich mit Freundein trifft, bin ich zum Glück nicht geworden. Anfangs hab ich zwar unterwegs schon bei jeder Gelegenheit herumgewischt, neues Spielzeug und so, aber das hat sich schnell wieder verlaufen.
Was mir nicht so recht in den Kram passt, ist dass ich jetzt 3 Geräte hab mit stark überschneidenden Funktionen. Unterwegs Adressen nachzuschlagen ist zwar ungemein praktisch, aber selten in Gebrauch. Und der einzige Bereich wo mir ein Smartphone wirklich etwas bringt. Keine Ahnung, ob ich beim Smartphone wirklich bleiben werde, so auf Dauer gesehen (im Sinne von, wenn das Ding mal kaputt wird).
Aber irgendwie mag ich das Wischding auch und ich bin froh, dass ich das jetzt testen und beobachten darf. Ich finde es auch interessant, wieder mal zu beobachten, dass die neuen Versionen gar nicht immer den alten überlegen sind, wenn man genau hinschaut.

Was sind deine Erfahrungen mit Tastenhandies und Smartphones?

12. November 2015

#Konsumauszeit - ich bin draußen

Leute, ich bin draußen.

Weil ich es gestern auf Twitter gesagt hab und das eine Erklärung braucht, kommen halt heute mal zwei Postings an einem Tag. Soll passieren.

Dieser hübsche Kerl hier in Nachtblau hat den Ausschlag gegeben:



Ich finde nicht so einfach BHs in meiner Größe (ich brauche Unterbrustweite 60, in 70 kann ich hinten ein Mascherl reinmachen), meistens muss ich bestellen. Da lass ich mir doch so einen Fund nicht so einfach durch die Lappen gehen.


aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Meine Konsumauszeit ist keine Pause, sondern nur aufgeschobener Konsum. Unbedachter Konsum ist derzeit eh nicht drin und da bin ich auch nicht mehr so anfällig, dass es mich stören würde.
Ich hab eine kurze Liste an Dingen, die ich brauch. Zum Beispiel eine Prägemaschine, mit der man Buchstaben in schwarze Klebestreifen reinprägt, und damit Sachen beschriften kann. Meine Sammlung an ähnlich aussehenden Pulvern in Gläsern ist gewachsen und ich möchte nicht Geschirrspülersalz mit Natron verwechseln oder die Zitronensäure mit Badesalz. Natürlich könnte ich erstmal die öden Etiketten zum händischen Beschriften verwenden - aber nur, um sie dann eh drei Wochen später durch die Prägeetiketten zu ersetzen?
Den aufgeschobenen Konsum möchte ich außerdem nicht im Dezember nachholen müssen, wenn alle Welt wahnsinnig wird.

Morgen geh ich mir daher die Prägemaschine kaufen und hol mir vielleicht noch einen BH. Ich werde die ganzen Flohmärkte genießen, die die sich jetzt im Herbst häufen und ja, ich werde mir Gewand kaufen, und wenn ich was finde, auch in den normalen Geschäften. 


Sinn der Konsumauszeit für mich

Ich hab halt mal mitgemacht. Mit der Option im Hinterkopf, das Projekt auch wieder sein zu lassen. Mir war von Anfang an klar, dass das eigentlich eine Schnapsidee ist. Ich muss derzeit sowieso sparen, unbedachter Konsum ist von vornherein nicht drin. Und das schon seit längerer Zeit. Shoppen ist absolut nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Die Sachen aus meiner Liste brauch ich tatsächlich. Ok, Essen gehen muss ich mir verkneifen, aber das reicht für mich einfach nicht aus, um jetzt gleich eine Konsumauszeit draus zu machen. Das ist einfach zu wenig.
Es gibt andere Bereiche, wo ich für mich sinnvollere Projekte draus machen kann und vielleicht auch drüber blogge, wir werden sehen. 


Ja, mehr gibts einfach nicht zu sagen. Für mich hat die Konsumauszeit grade einfach echt keinen Sinn. Aber ich beobachte die anderen Blogger weiterhin und lass mich inspirieren.



Was denkst du drüber?

Das neue Biedermeier

In Kommentaren zu Frau Dingdongs Gedanken zu Minimalismus und Konsumauszeit fragte Nanne, was Sabrina und ich mit dem Rückzug ins Private, den wir wahrnehmen, meinen.
Statt das nur in einen Kommentar zu packen, hab ich gedacht, ich antworte gleich hier im Blog.

Das mit dem neuen Biedermeier nehme ich schon seit Jahren so wahr. Generell. Was im 19. Jh. die starke Zensur ist heute die Verunsicherung und Überforderung mit Wirtschaftskrise, politischen Problemen, diversen Umbrüchen.
Was im Biedermeier der Rückzug ins traute Heim, die Picknicks, die Romantisierung des Landlebens und vergangener Zeiten (Mittelalter), die Naturgedichte waren, sind heute ebenfalls der Rückzug ins traute Heim (allein die schiere Unmenge an Einrichtungsblogs!), die Romantisierung vergangener Zeiten (Mitte des 20. Jahrhunderts: (Ur-)Omas Zeiten) und des Landlebens (Stadtflucht junger Familien, Auflagenzahlen von Magazinen wie "Landlust" - die häufig nur verträumt konsumiert werden, deren Inhalt aber nie umgesetzt wird).
Auch den Minimalismus in der heutigen Ausprägung seh ich darin verortet. Klar, es ist auch nur eine Frage der Zeit gewesen, bis immer mehr Menschen mit dem Überkonsum überfordert sind, völlig übersättigt. Aber die derzeitig vorherrschende Ausprägung vom Minimalismus bleibt hauptsächlich auf der Ebene von Besitztümern, von Zeug. Das traute Heim wird entrümpelt. Der Fokus bleibt biedermeierlich im Dunstkreis von "ich, meine Familie, mein engster Vertrautenkreis".
Auf der Strecke bleibt die Interaktion mit der Außenwelt. Politisches und gesellschaftliches Engagement.

Was denkst du drüber?

4. November 2015

Was kommt nach dem Minimalismus?

Was passiert, wenn das Wohlfühlniveau im Besitz erreicht ist? Wenn man ziemlich gut darin geworden ist, giftigen Beziehungen, Gegenständen, Verpflichtungen und Gewohnheiten aus dem Weg zu gehen? Wenn der Fokus erfolgreich vom Konsum weggeschoben worden ist?

Dann kommt das, wofür du ausgemistet hast: Zeit und Platz - in Wohnung, Terminkalender, Kopf und Herz. Neue und alte Hobbies, Ideen, Gedanken, Perspektiven, Jobs, Gefühle, Aufgaben.
Dann geht das Leben weiter. Nur mit einem veränderten Fokus.

Minimalismus ist nicht das Ziel, sondern Mittel zum Zweck. Irgendwann ist er einfach kein so großes Thema mehr, auch wenn natürlich die Grundhaltung bleibt. Kann gut sein, dass ich daher irgendwann in den nächsten Wochen oder Monaten umziehe. Neuer Blogname, aber Materialfehlerthemen. Ja, mal schauen.

Was kommt für dich nach dem Minimalismus?

19. Oktober 2015

Greenpunk und Peak Everything

Frau Dingdong hat heute oder gestern einen Artikel über Amish-Futurismus verlinkt (hier gehts zum Artikel) - und schon hab ich wieder ein Bussi von meiner Muse auf der Wange, so ein nasses schlabbriges wie von einem überschwänglichen Zweijährigen.

Ich kenn natürlich die Amischen, aber ich hab vergessen, wie inspirierend sie zum Thema Konsumkritik sind, auch wenn ich mit Religion und religiösem Leben null anfangen kann, und auch einiges kritisch seh.

Entgegen allen futuristischen Settings in Dystopien und Sci-fi-Serien sehe ich persönlich die Zukunft sehr viel mehr Low Tech als den Filmemachern und Spieleentwicklern Spaß machen würde.
Low Tech, das sind schlaue Gerätschaften, die ohne Strom o.ä. auskommen. Fahrräder sind Low Tech, ein Mixer mit Handkurbel ist Low Tech, zwei Tonkrüge mit Erde dazwischen zur Aufbewahrung von Gemüse sind Low Tech, und Segelschiffe auch.
Niemand sagt, dass diese Sachen optisch daherkommen müssen wie aus dem 18. Jahrhundert, auch wenn das manch einer schick finden kann (ich zB :D). Niemand sagt, dass das Zeug nicht beim Nachbarn ausm 3D Drucker kommen darf.
Und niemand sagt, dass Segelschiffe einen zurück ins Mittelalter katapultieren. Moderne Segelschiffe sind erstens schick und modern anzusehen und zweitens den Motorenschiffen weit überlegen (kein Motor, kein Tank, dadurch schneller, wendiger und mehr Ladefläche). Wirf mal die Suchmaschine an, da gibts ganz abgefahrene Sachen, teilweise wirklich mit Segeln, teilweise mit Turbinen. Im Netzkonstrukteur-Blog gibts ein paar so geniale Technologien, wo Strom aus riesigen Grashalmen gewonnen wird. Äh, ich schweife ab.

Aber die Realität ist trotz allem, dass uns die Rohstoffe alle enorm ausgehen. Peak Oil ist bekannt - dass uns das Erdöl verpufft. Keine Sau würde sich für die kompliziert und teuer zu bewirtschaftenden Teersandfelder interessieren, wenn die Kacke nicht schon am Dampfen wär. Unsere Gesellschaft basiert so dermaßen auf Erdöl, dass uns das volle Ausmaß noch gar nicht bewusst ist.
Energie ist ein ganz zentrales Element im Funktionieren einer gesellschaftlichen Ordnung, aber es wird eigentlich nie angesprochen, auch die Wissenschaft ist meist auf dem Energie-Auge blind.


Unsere Geschichte geht ja nämlich so:


Pflanzen wandeln Sonnenenergie in essbare Kalorien um. Tiere essen Pflanzen und nehmen damit indirekt Sonnenenergie auf - sie eignen sich die Energie die sie zum lustig Herumspringen brauchen also an, indem sie prima Biomasse jausnen. Jäger/Sammler-Gesellschaften brauchen zum Leben auch Biomasse: Pflanzen, Tiere, Holz. Nicht alles wird für Energie gebraucht (indem man es in Bauchspeck oder Lagerfeuer umwandelt), sondern auch für Häuschen und Pfeile.

Die Agrargesellschaft (neolithische Revolution) geht einen Schritt weiter, sie eignet sich nicht nur frei herumliegende Biomasse an, sie erhöht die für sie verfügbare Energie, indem sie Natur kolonisiert. So nennt man das, wenn man Nutztiere züchtet und Ackerbau betreibt, also Ökosysteme gezielt so verändert, dass der Ertrag steigt. Wenn man das geschickt macht, hat man eine kleine Überproduktion, sodass 5% der Bevölkerung nicht in der Landwirtschaft tätig sein muss.

Der große Sprung kommt durch die industrielle Revolution, wo plötzlich durch fossile Energieträger, also Kohle und später Erdöl, dermaßen große Mengen an Energie zur Verfügung stehen, wie niemals zuvor (und mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals danach...). Eine Gesellschaft kann sich nur innerhalb der energetischen Grenzen entwickeln - und die sind abhängig vom Boden, wo unser Bohnenaufstrich sozusagen rauswächst. Wirds mit dem eigenen Boden eng, holt man sichs von woanders (Kolonialismus). Fossile Energieträger haben also ein ganz wesentliches Problem (kurzzeitig) gelöst - Party!

Der wesentliche Punkt ist, Energie war immer der zentrale begrenzende Faktor und man muss alle gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen auch auf dem Hintergrund der verfügbaren Energie(träger) betrachten (leider wird das auch in der Wissenschaft meistens ignoriert).


Und der ganze Rest...


Aber das mit der Energie ist ja noch nicht alles. Der ganze Rest geht uns aus. Um die Ernährung von 7, 8 oder 10 Milliarden Menschen zu gewährleisten, brauchen wir zum Beispiel Düngemittel. Ohne die Grüne Revolution wäre die heutige Lebensmittelproduktion ja gar nicht möglich. Düngemittel kommt aber nicht aus dem Nichts. Ja ok, mit dem Haber-Bosch-Verfahren kann man sich Ammoniak sozusagen aus der Luft ziehen (allerdings nur mit enormen Energieeinsatz, und die geht uns ja bekanntlich aus). Aber sonst können wir uns Phosphor nur aus dem Berg holen - und auch das geht uns aus.
Die fruchtbaren Böden gehen uns aus. Erstens historisch bedingt - die ersten Siedlungen waren natürlich dort, wo was gut wächst. Wenn Siedlungen sich räumlich ausdehnen (urban sprawl), schlucken sie dann blöderweise genau diesen fruchtbaren Boden. Zweitens natürlich die Übersäuerung und Bodenerosion. Boden ist eine endliche Ressource. Was weg ist, ist weg. Puff. Die Humusschicht braucht viele hundert Jahre, um sich wieder aufzubauen und bis dahin muss man sie natürlich komplett in Ruhe lassen. Außer es hat sich eine Wüste gebildet, dann ist es eher mal zu spät, tät ich sagen.
Viele Metalle gehen uns aus - allen voran die Seltenen Erden. Die sind nicht in dem Sinne selten, sondern nur meistens in so Minimengen vertreten, dass man unglaublich viel mehr Geld in den Abbau stecken müsste, als rausschauen würde. Es gibt ein paar Orte, wo die konzentrierter vorkommen, und die leeren sich grade fleißig. Ist halt blöd, dass Photovoltaik zB ohne Seltene Erden nicht geht.
Die Liste ginge noch weiter. Trinkwasser zum Beispiel, ganz schirches Problem. Ach, wirf einfach mal die Suchmaschine an und such nach "Peak Everything". Halte Frustkekse bereit. Bio, wenn geht.



Peak Everything vs. heutige Gesellschaft


All diese Ressourcen sind viel wichtiger und grundlegender für unsere heutige Gesellschaft, als wir uns das im Alltag bedenken.
Dass wir eine Dienstleistungsgesellschaft haben, wo nur noch 2-5% der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeiten muss, das geht nur mit Erdöl. Weil wir so die menschliche Arbeit im physikalischen Sinne nicht mehr brauchen. Es ist eine einfache Rechnung: Je mehr Überproduktion von landwirtschaftlichen Produkten, desto komplexer kann eine Gesellschaft sein. Agrarische Gesellschaften sind wenig komplex. Bei 5% nichtlandwirtschaftlicher Bevölkerung ist da nur eine kleine Adelsschicht drin. Entweder man beutet andere Völker aus (Kolonialismus) und kommt so zu mehr Rohstoffen, oder man ersetzt irgendwie Arbeitskraft durch zB. Erdöl. Man darf gespannt sein, wie sich das weiterentwickeln wird. Zurück ins Mittelalter ist keine Option, allein schon deswegen, weil die Uhr, tickitacki, immer nur nach vorne geht. Was aber alles an der Ressource Erdöl hängt, darfst du dir selber mit einem Mindmap malen, ein richtig dichtes Netz aus Ernährung, Transport, Globalisierung, Komplexität, Arbeitszeitreduktion, Hobbies, Lebensstile, Verteilungsgerechtigkeit, Dienstleistungen, Medizin, gobale Gerechtigkeit, Arbeitsmobilität, Infrastruktur und Raumplanung... Und alle Linien haben Pfeile, oft in beide Richtungen. Wie werden sich Infrastrukturen entwickeln, wenn das Pendeln zum Arbeitsplatz nicht mehr möglich ist? Wie werden sich unsere Konsummuster ändern müssen, wenn die energiehungrigen Industrien umdenken mussten? Wie wird das tägliche Leben in Familien aussehen? Welche Produkte werden wir nutzen? Lass dich in deinen Gedanken treiben. Besorg dir für das Mindmap besser ein Blatt in A1-Größe und schreib klein...
Und nein, Erdöl lässt sich niemals durch Strom aus Wasser/Wind/etc. ersetzen. Nicht in der Menge, wie wir die Energie grade verbraten. Aber das weißt du ja.


Raumschiffe und Marsbesiedelung? Eh niedlich.


Inmitten so einer Realität muss ich leider bei den ganzen Weltraumfantasien herzlich lachen. Die Verfügbarkeit von Energie ist ein wesentlicher Faktor, auch was an gesellschaftlichen Geschmacksrichtungen verfügbar ist. Woher soll die Energie kommen für bemannte Raumfahrt wie in Star Trek? Atomkraft? Klar, es gibt Leute, die fest an die kalte Fusion glauben. Aber wir sollten doch aus der Geschichte über die Risikospirale (Begriff von Ulrich Beck, wenn mich nicht alles täuscht) gelernt haben. Jede neue Technologie soll in Wahrheit ja die Risiken und Probleme der alten Technologie lösen, aber bringt nur wieder neue Risiken in die Welt. Die Atomkraft wurde in Zeiten vom sauren Regen, der ja durch die Emissionen aus Kohlekraftwerken verursacht wurde, gefeiert. Bis uns mal ganz dezent ein Atomkraftwerk um die Ohren geflogen ist. Nö, ich glaube nicht an die kalte Fusion.
Ich glaube an Greenpunk.
So wie Steampunk ein vergangenes Energie- und Technikregime (Kohle/Dampf und Mechanik) in die Zukunft projiziert, projiziere ich mit meinem voll cool ganz alleine ausgedachten Prinzip des Greenpunk ein auf Biomasse basierendes Regime in die Zukunft. Nur halt ohne die ganzen uncoolen Sachen wie Patriarchat, Feudalismus, Pest und sowas. Und wirklich nix spricht gegen 3D Drucker. Aber halt das mit dem High Tech mal mit mehr Abstand sehen. Weil sonst ist man nur traurig und maulig, wenn wir wieder auf ein Energiemengenniveau von, keine Ahnung, 1920 oder so, zurückfallen.

Deswegen bin ich Minimalistin.
Es gibt ja so viele Gründe, reduziert zu leben, wie es reduziert Lebende gibt. Einer meiner beiden Hauptgründe ist Peak Everything. Er ist bereits Realität. Aber während andere noch mit Scheuklappen jedes Jahr auf die Malediven fliegen (solang es die noch gibt), bereite ich mich mental auf ein postfossiles Leben vor.
Und deswegen hab ich irgendwie auch immer nur ein müdes Lächeln für all diese High-Tech-Romantik übrig. Ich sag: Low Tech ist die Zukunft. Greenpunk :D

Deine Meinung?

30. August 2015

Die Brauch es auf! Challenge (und das Kapital)

Jetzt, wo ich einerseits ziemlich ziemlich pleite bin (Monatsende, argl), andererseits ja meine Küche komplett renovieren und somit ausräumen muss, hab ich endlich auch die Motivation für die Brauch es auf! - Challenge, zu der Apfelmädchen und sadfsh in ihrem Blog aufgerufen haben.

Mein kleines Problem mit Vorräten hat sich zum Glück schon gelöst, aber es gibt trotzdem einiges zum Aufbrauchen, auch weil das Zeug ja nicht ewig hält und es teilweise schon sehr lange da rumsteht.

Angestaubtes Glas mit halben Kichererbsen - das Maskottchen meines Aufbrauchens, quasi

Aber eigentlich ist es gar nicht so schlecht bestellt um das Essenszeug für einen 1,5-Personenhaushalt. Es war sicherlich ein Vorteil, dass ich im Juli keinen Kopf zum Kochen gehabt hab und im August so selten daheim war.
Statt meiner Inventarsliste gibts jetzt lieber Überblicksfotos. Seht ihr, wie leer meine Vorratsgläser schon sind? :) Die waren früher mal alle bummvoll.



Hier bekommt ihr auch einen Einblick in meine Retro-Küche, hier der original 70er Boden/Wand-Belag. (Mehr dann bei den Vorher/Nachher-Fotos. Noch ist die Sache mit dem Kostenvoranschlag und der Kücheneinrichtungsplanung am Laufen. Ab Mitte/Ende Semptember kommen dann die 3-4 Dreck&Staub-Wochen. Es wird ja einiges aufgestemmt und rausgerissen. Fürcht mich eh schon ein bissl.)

Viele Sachen sind wohl nicht so schwer aufzubrauchen zu sein. Die Kichererbsen verschwinden nach und nach in Curries. Bei Buchweizenmehl wirds schon schwieriger. Ich mach zwar manchmal Galettes (das sind Crêpes aus Buchweizenmehl, sind deftig gefüllt, aber mir schmeckts auch süß mit Obst und Ahornsirup), aber da geht nicht wirklich viel von dem Zeug weiter. Vielleicht werd ich Brownies machen mit halb Buchweizenmehl, halb Dinkel-Vollkornmehl? (Sollte ich schnell machen, bevor ich 3 Wochen lang keine Küche hab...) Wofür verwendet ihr denn Buchweizenmehl?
Und auch ein Sorgenkind: Weizengraspulver. Ich verwends bis jetzt für grüne Smoothies für Faule, aber ich mags nicht nur dafür verwenden. Ich probier mal, obs in Porridge schmeckt. Wofür verwendest du es denn?

Ich bin echt gespannt, wie weit ich es schaffe, die Sachen aufzubrauchen. Wie kreativ ich werde, um so wenig wie möglich neu zu kaufen. Der Startschuss ist heute und ich werde alles dokumentieren, was ich bis zum Beginn der Renovierung neu kaufen musste und was ich alles aufgebraucht hab. Es wäre irgendwie schön, mit der neuen Küche dann auch die Bevorratung neu zu beginnen.

Ja und dann muss ich noch was gestehen, was mir sehr peinlich ist. Ich hab jetzt besser verstanden, warum Menschen in westlichen Ländern dazu tendieren, Essen wegzuwerfen. Weil ich im Juni und Juli echt viel Essen weggeworfen hab :( Ich war so gestresst mit dem Uniabschluss, dass ich keine Zeit/Nerven zum Kochen gehabt hab und viele Sachen einfach übersehen hab. In der extremen Hitze sind mir die Bananen auch sofort braun geworden. Normalerweise back ich dann damit Kuchen, aber so hab ich die Dinger teilweise büschelweise wegwerfen müssen. Ich versteh jetzt, dass gestresste Menschen, also Leute mit 40h-Job und Kindern zum Beispiel, einfach keinen Kopf für Aufbrauchen und Restlessen haben. Ich hab das auch nicht gehabt. Meine Kreativität war völlig von meiner Haupttätigkeit verbraucht, ich hab den Überblick über meine Vorräte verloren und alles, was nicht schnell zubereitet war, vergammelte.
Die Kombination aus wenig Geld und viel Stress hat bei mir auch dazu geführt, dass ich viele doppelt und dreifach plastikverpackte Sachen im Diskonter gekauft hab. Mit dem Rad zum Markt fahren war einfach nicht drin. Die vielen Plastikfolien und Bioplastikdoserln (vom Biobestellinder) im Mistkübel waren mir sogar ziemlich sehr wurscht. Meine Konzentration lag einfach woanders. Bei mir war das jetzt natürlich erstmal nur kurzzeitig. Aber für andere Leute ist das vielleicht dauerhaft. Ich denk da vor allem an Alleinerziehende. Man kommt nach einem 8-10 Stunden Tag erschöpft nach Hause, muss dann noch den Haushalt erledigen, Kochen, die Hausaufgaben von den Kindern kontrollieren, schauen was die nächsten Tage so ansteht, möchte vielleicht auch noch einen kleinen Funken Freizeit haben (aus Erschöpfung meist vorm Fernseher verbracht). Am Wochenende muss man sich um die Oma kümmern, mit den Kindern was unternehmen oder Mama/Papa-Taxi für sie spielen, ihnen beim Lernen helfen. Will sich vielleicht in der minimalen Zeit, die übrig bleibt, auch mal mit Freunden treffen. Kinder werden zu unpassendsten Zeiten krank oder bauen Mist (man darf unerwartet die Nacht im Krankenhaus verbringen). Der Chef macht Stress, das Projekt muss fertig werden, Überstunden. Wo bitte hat man da Geld, Zeit oder den Kopf, um sich Gedanken um Lebensmittelverschwendung zu machen, Müllvermeidung, DIY? Man kauft einmal die Woche Lebensmittel ein, das muss huschhusch gehen. Und natürlich wird bei so einem Einkaufsrhythmus mal was schlecht. Kind 1 bleibt spontan bei einem Freund zum Mittagessen, Kind 2 will plötzlich Lebensmittel X partout nicht mehr essen, man hat sich vertan oder im Stress zu viel gekauft. Im Tiefkühler vom Wocheneinkauf kein Platz, isst mans selbst wird man dick, also wegschmeißen.
Wer viel Stress hat im Leben, viele Unsicherheiten, sucht dann die Sicherheit auch in vielen Vorräten. Und da hat das Sicherheitsgefühl mehr Gewicht als das Risiko, ein paar Sachen wegwerfen zu müssen. Wer wenig Geld hat, hamstert bei Angeboten. Wer viele Vorräte hat, verliert den Überblick und kauft manches doppelt. Und auch so steigt das Risiko, dass was gammlig wird.
Lauter so Sachen.

Ich glaube, Nachhaltigkeit ist eine Sache von kulturellem und finanziellem und zeitlichem Kapital und das ist ja extrem ungleich verteilt. Wer kann sich Bio leisten? Wer hat das Wissen, wie man Ressourcen spart? Wer hat das Bewusstsein um die Endlichkeit der Ressourcen? Wer versteht tatsächlich, was das 2-Grad-Ziel bedeutet? (Für "Normalos" klingen 2 Grad ja nach nix, es wird in den Medien ja die Bedeutung oft nicht kommuniziert) Wer hat die Zeit, Marmelade selbst einzukochen?

Naja. Jedenfalls brauche ich heute gleich mal die Cashews auf. Wer errät, was das hier wird?


Was sind deine Gedanken dazu?

16. August 2015

Weil es glitzert.

Warum kann man manchmal Dinge, die man nicht verwendet, die keinen emotionalen Wert haben, die keinem Zweck dienen (auch nicht, dass sie einen Raum verschönern), nicht loslassen?

Beispiel: Meine (kleine) Nagellackparade.

Nicht am Bild: 5 eingetrocknete Lacke, die ich schon im Juli weggeschmissen hab und zwei, die ich am Treffen Frau DingDong geschenkt hab, die mir vorher nicht verraten hat, dass sie ja eigentlich Nagellackkaufverbot hat haha! Dieses Früchtchen. Aber ok, geschenkt ist ja nicht gekauft.


Es ist komplett absurd. Ich schmink mich fast nie. Ich trag nie Nagellack. Ich hass den Geruch sowohl von Lack, als auch vom Entferner. Wenn der Lack mal oben ist, will ich ihn sofort wieder runtertun. Er fühlt sich nicht nur seltsam verklebt am Nagel an, er irritiert mich auch optisch und ich fühl mich irgendwie auch wenn der Lack schon trocken ist so, als dürfte ich jetzt alles nur ganz vorsichtig mit spitzen Fingern angreifen. So sehr mir Nagellack an manch anderen Händen gefällt, an mir wirkts so seltsam. Oder zumindest finde ich das - und das ist ja, was letztendlich zählt. Mir muss es gefallen. Und mir gefällts an mir selbst nicht.

Und trotzdem fällt es mir so schwer, diese schönen bunten und glitzernden Flascherln loszulassen. Was ich bitte schön schon losgelassen hab, sogar wenn andere mir schlechtes Gewissen einreden wollten. Und jetzt habe ich einige Monate mit diesen Lacken gekämpft und auch jetzt hängt mein Herz noch so dran, dass ich sie nur in liebevolle Hände abgeben will, anstatt einfach wie vieles andere im Stiegenhaus auszusetzen...

Ursprünglich hab ich ein paar von diesen Lacken gekauft, um mir bunte Stricknadelforken für meine Haare zu machen (will wer eine Anleitung?). Eigentlich waren sie also gar nicht für die Nägel gedacht, aber dann bin ich auf die Idee gekommen, dass Nagellack eine der wenigen Möglichkeiten ist, um an Farben zu kommen, die mir stehen. Bei Klamotten schauen die diversen Wintertypen  (ich gurke ja irgendwo zwischen Deep Winter und True Winter herum) seit vielen Monaten schon durch die Finger, außer man will ausschließlich Schwarz anziehen.

Ich bin wirklich enttäuscht, dass es sich nicht als Möglichkeit für mich herausgestellt hat. Und die Stricknadelforken sieht man ja auch nicht wirklich, die sind nur am Hinterkopf.
Diesen Horrorsommer (sowohl auf Twitter, als auch hier hab ich ja ausreichend gejammert) hab ich mir außerdem meine Haare abgeschnitten, sie sind jetzt erstmal schulterlang (also die Spitzen stupfen an den Schultern an) und es würde noch 2 Jahre dauern, bis ich wieder Stricknadelforken tragen könnte und bis dahin sind die Lacke eh eingetrocknet und wer weiß ob ich dann so einen DIY-Look überhaupt noch wirklich tragen kann/will oder nicht doch lieber erwachseneren Haarschmuck wähle. Vielleicht bleib ich aber auch noch länger kurzhaarig. Also kein Grund, die Lacke aufzuheben. Genausowenig wo ich mich doch so seltsam und überhaupt nicht wie ich selbst mit bunten Nägeln fühle, weder Hände noch Füße. (Und Nagellack ist ja auch wirklich weder gesund noch öko.)

Es ist sehr sehr seltsam. Und es ist sicher, weil sie glitzern. Oder so schön bunt sind. Anders kann ichs mir nicht erklären. Ich bin kein sentimentaler Mensch und ich hab langjährige Ausmisterfahrung.
Also weg mit den Lacken, verdammt! Kanns ja echt nicht sein.

Oder sollte ich den Nagellack doch noch irgendwie außerhalb von den Nägeln aufbrauchen? Auf pinterest findet man unheimlich viel. Vielleicht verbrauch ich also noch ein bissl Lack und setz ihn erst dann aus. (Jaja. Und dann doch nix damit machen und er steht weiterhin herum. Man möge mich fest beißen.)

Was sind denn deine völlig irrationalen doofen "Anhängsel"?

4. Juli 2015

Minimalism TAG

Manche Dinge brauchen länger bei mir. Der Minimalism TAG geistert schon seit über einem Jahr durchs Netz, aber ich hab halt erst jetzt Lust bekommen, diese Fragen zu beantworten. Schändlicherweise weiß ich gar nicht, wer damit eigentlich angefangen hat. Die Idee hab ich jedenfalls von The Nife.


1. What drew you to minimalism?

Es gibt ja so die Geschichten von den geläuterten Hoardern und Messies. War bei mir nicht so, bei weitem nicht. Ich war aber auch nicht die geborene Minimalistin. Nachdem ich mit Studienbeginn aus Mutters Quality-over-Quantity-Fittichen draußen war, hab ich mir auch erst mal mein Zimmer vollgeramscht, will meinen, dekoriert.
Minimalismus als Lebensphilosophie habe ich irgendwann zwischen 2006 und 2009 aufgeschnappt. Interessant fand ich das Konzept vor allem in Kombination mit Kritik an Konsum- und Leistungsgesellschaft. Angezogen hat mich vor allem auch die Ästhetik heller reduzierter Räume. Von Umsetzung war aber erst die Rede, als ich 2009 durch eine längere Reise nicht nur philosophisch das Gewicht meines Besitzes bemerkt hab. Ich hab so minimalistisch gepackt gehabt wie noch nie und trotzdem war die Hälfte nutzloser Ballast. Ich glaub, sogar schon am ersten Tag der Ankunft zu Hause fing mein radikales Ausmisten an.
Meine erste Faszination war tatsächlich, wie bei den meisten Leuten, materiell: Weniger Zeug = weniger Putzen, mehr Platz, mehr Geld, mehr Zeit, mehr Qualität, weniger schleppen.


 2. How did you start the decluttering process?


Radikal. Mit wildem Enthusiasmus und durchaus einiger Aggression wurde alles rausgehauen, was ich nicht will und nicht brauch. Ich war wie besessen, hab auf Essen und Trinken vergessen. Die Entscheidung stand, das Klumpert muss weg. Mit Aktionen wie "jeden Tag ein Ding weniger" wäre ich nie glücklich geworden. Hat ja keinen Effekt, kein Drama. (So zizerlweis* Entrümpeln würd ich auch niemandem empfehlen, weil die "Erleuchtung" dann wegbleibt, den man hat, wenn man ein Wochenende lang kräftig ausmistet und das Ergebnis so richtig sieht. Zizerlweis ist unsichtbar und motiviert nicht.)
Der Wahnsinn ging schubweise über 2 Jahre und bei jedem Schub bin ich meinen kompletten Besitz durchgegangen. Das Ausmisten war bei mir ein Prozess, eine ständige Neuevaluation. Manche Dinge hatte der Kopf beschlossen, aber das Herz war erst in der nächsten Runde bereit. Andere Dinge mussten erst ob ihrer tatsächlichen Verwendung beobachtet werden.
Seit etwa 3 Jahren würde ich sagen, dass der Ausmistprozess vorbei ist. Klar gibt es immer wieder mal Dinge wie Fehlkäufe, die in den Freundeskreis wandern, aber das sind großteils Aufbrauchsachen (Kosmetik, Lebensmittel). Es hat sich ein stabiles Besitzlevel eingependelt.

Viel interessanter hätte ich an dieser Stelle die Frage gefunden: What happened after the decluttering process? Ich glaub, die meisten Leute haben eigentlich gar nicht so das Problem damit, mit dem Ausmisten anzufangen. Es ist eher so, dass während und nach dem großen Entrümpeln viele Entwicklungen losgetreten werden. Ich habe gelernt, Besitz und Beziehungen nicht als selbstverständlich anzusehen. Meine Wunschvorstellungen und mein Fantasy Self einem Realitycheck zu unterziehen.


 3. Have you ever counted all your things? If so, how many things do you own?


Besitz zählen finden viele doof, aber es kann schon sehr erleuchtend sein, das zum Beispiel in der Anfangsphase einmal zu machen. Ich bin kein Zahlenmensch, aber ich hab aus Interesse und Prokrastination tatsächlich schon zweimal das Volumen meines Besitzes dokumentiert. Ich wollte wissen, wie viele Umzugsschachteln ich eigentlich bräuchte und hab mir tatsächlich die Mühe gemacht, das direkt auszutesten. Es war interessant, aber bissl mühsam und die Zahl der Umzugskartons, vor allem je nach Besitzbereich war nicht immer mit meinem persönlichen Empfinden übereinstimmend.
Wie viel ich jetzt grade besitze? Hm, ich würde sagen, tetrislike eingeschlichtet würde alles in meinen Kleiderschrank (150x60x220) passen, plus Möbel, Fahrrad und Instrumente. Ja, und was sagt das jetzt aus? Sagt das jetzt was über die Herkunft, die Qualität, den ökologischen Fußabdruck aus, die Bedeutung die mein Besitz für mich hat? Wie viel lagere ich bewusst und unbewusst aus? Was zählt zu persönlichem Besitz?
Ohne Bezugssystem sind das leere Zahlen. Aber so ein Bezug ist hergestellt, wenn man zum Beispiel mit Fotos oder Inventarlisten einen motivierenden Vorher/Nachher-Vergleich anstellt. Dann liegt aber die Aussagekraft allein innerhalb dieses Bezugsystems. Man sieht, wie viel man ausgemistet hat. Wie viel mehr der Platz geworden ist. Nicht mehr und nicht weniger.


 4. What are your tips for dealing with the desire for more?


Der Wunsch nach Mehr bedeutet, dass es keinen tatsächlichen Mangel gibt, den es zu beenden gilt, sondern dass man darüber hinaus mehr haben will, oder? Aber noch keine Sucht.
Ich denke, bei dem Wunsch nach Mehr geht es um zwei Dinge. Einerseits ist Konsum oft der Versuch, Bedürfnisse materiell zu befriedigen, die immateriell befriedigt werden wollen. Andererseits ist Kaufen zwar nicht immer eine Sucht, aber eine Gewohnheit, die erstmal durchbrochen werden muss.
Vermutlich ist das Effektivste, zeitlich abgesteckter kalter Entzug. Eigentlich egal um welche suchtähnliche Gewohnheit es geht, sei es Internetberieselung oder Shoppen oder nach dem Essen Naschen, ich finde kalten Entzug die effektivste Methode, um sich des Ausmaßes der Gewohnheit bewusst zu werden und zwangsläufig (gute!) Ersatzhandlungen finden zu müssen. Nach dem Durchbrechen der Gewohnheit ist man auch besser fähig, sie in einem sinnvolleren Maß wieder einzuführen (oder in manchen Fällen es sogar überhaupt sein zu lassen). Die Dauer des Entzugs richtet sich v.a. nach der Häufigkeit der Gewohnheit. Wer jeden Tag viele Stunden vor Katzengifs hängt, dem reichen vermutlich schon 7 Tage, wer jede Woche Shoppen geht, sollte lieber 3 Monate einplanen. Weil sich alte Gewohnheiten gerne wieder einschleichen, kann es sinnvoll sein, die üblichen Verdächtigen immer wieder mal zu pausieren.
Klar kann man auch irgendwie schrittweise reduzieren, aber ich bin ein Fan von ein bisschen Drama, weil man Dinge nicht so klar wahrnimmt, wenn sie sich nur ein bissi verändern. Es ist aber ungefährliches Drama, weil es ein abgesteckter und nicht übermäßig langer Zeitrahmen ist (in 3 Monaten zerschleißt einem ja nicht gleich die gesamte Jeansabteilung seines Kleiderkastens). Dafür lieber öfter.
Ich hab keine shopping fast machen müssen. Was mir die Augen geöffnet hat, war der Aufwand in unserer Überflussgesellschaft, das angeschaffte Zeug wieder loszuwerden: Geld (wegen Wertverlust), Zeit, Nerven. Da überlegt man sich echt dreimal, ob man sich wieder was kauft. Außerdem versuche ich es lieber erstmal "ohne" (zB: bei der neuen Sportart reicht sicher auch das erstmal oder überhaupt, was man eh daheim hat). Manchmal schreib ichs mir auch auf eine Liste und warte, ob ich etwas in zwei Wochen, zwei Monaten immer noch haben will. Ich war aber auch nie so wirklich kaufwütig. Nichtessbares einkaufen zu müssen nervt mich eher, all die Eindrücke, die Menschen, die Zwangsbeschallung, der Überfluss, in dem es dann trotzdem nicht gibt was man sucht... Ich kenn den Wunsch nach Mehr von mir selbst irgendwie nicht so. Ich kenn aber das Problem der suchtähnlichen Internetberieselung und weiß daher, von was ich oben beim kalten Entzug schreibe.
Gibt es den Wunsch nach Mehr auch im nichtmateriellen Bereich? Ich wüsste jetzt nicht, wo. Das ist doch eine ziemlich konsumistische, kapitalistische Geschichte oder? Oder fällt dir was ein? Etwas, das weder nur Beseitigung eines Mangels ist (Liebe, Bewegung, ...), noch schon tatsächliche Sucht (Spielsucht, Sexsucht...).


 5. How do you deal with non-minimalists in your life?

Ich rede über das Thema eigentlich nur, wenn es aufkommt und dann auch nur sehr subjektiv. Zum Beispiel erzähle ich dann, dass mich zu viel Besitz einfach nervt, weil man das alles ja auch blöd putzen muss. Leuchtet den Leuten immer ein. Das Thema Minimalismus kommt in letzter Zeit (wenngleich auch nicht unter diesem Namen) in Gesprächen mit Freunden, Bekannten, Fremden immer häufiger vor. Ganz viele Menschen sind ziemlich gefrustet von Überfluss, Konsumzwang, Zeitnot.
Mein Umfeld ist generell sehr minimalismusfreundlich. Manche lassen sich inspirieren, manche akzeptieren einfach nur meinen kleinen Tick. Ich werde sogar immer wieder mal als Ausmisthilfe gebraucht, selbst wenn ich nur mit meinem Teehäferl auf der Couch sitz und zuschau.
Ausgesprochene Nichtminimalisten lass ich einfach mit dem Thema in Ruhe. Jedem das seine.


 6. Do you have any guilty pleasures where minimalism doesn't apply?

Nein. Denn wenn mir etwas wichtig ist oder ich es einfach mag, dann ist es ja kein guilty pleasure. Alles was ich besitze, verwende und (oder) mag ich. Es kommt auch immer auf den Bereich an, beim Kleiderschrank zB ist extremer Minimalismus nicht sinnvoll für mich (Kleidung zerschleißt mir schneller als ich befriedigend nachkaufen kann). In anderen Bereichen hilft mir dagegen wiederum Extremminimalismus. Und es gibt durchaus noch den einen oder anderen Gegenstand, den mein Herz nicht gehen lassen will, und das darf auch so sein. Ausmisten um des Ausmistens Willen bringt ja keinem was. Minimalismus ist kein Selbstzweck sondern ein Hilfsmittel und soll das Leben erleichtern.


Jetzt bist du dran! Ich bin neugierig, wie du diese Fragen beantwortest. Gerne auch in deinem Blog, lass mir doch dann ein pingback da! Beantworte alle Fragen, oder pick dir was raus! Wie tickst du beim Minimalismus - fühlst du dich als Minimalist, oder schnupperst du in das Konzept nur rein?



* zizerlweis ist zizerlweis halt. Ja ich weiß auch nicht wie ihr Deutschen dazu sagts. Das österreichische Wörterbuch sagt: "nach und nach, in kleinen Stücken", aber das trifft nicht ganz die Bedeutung. Diese kleinen Stücke sind bei zizerlweis wirklich miniminimini. Es hat auch so einen gewissen Nervcharakter und Ungeduld dabei. So wie wenn kleine Kinder in aller Ruhe zizerlweis Buchstabe für Buchstabe aus der Suppe klauben und du eigentlich echt dringend wohin musst. Dieser wichtige Teil der Wortbedeutung geht bei "Stück für Stück" verloren und deswegen steht oben auch zizerlweis.

13. Februar 2015

Netzgedanken

Diese Woche gabs auf Ö1 eine Sendereihe zur Frage, "Was macht das Netz mit uns?" (den Link zum 7-Tage-Nachhören findest du rechts in der Twitter-Leiste) .

Erstens


Ich weiß, was es mit mir macht. Es zerstreut mich. Im wahrsten Sinne des Wortes. Meine Konzentration, Motivation, Energie zerstreut es. In tausend flatternde Teile. Da kurz was nachschauen, dort kurz was tippen. Automatisch 10 Tabs offen.
Ich weiß aber auch, was das Netz mit mir macht, wenn es nicht da ist. Der Tag ist konzentriert und motiviert und sehr befriedigend (selbst wenn er faul mit Buch auf der Couch verbracht wird).
Egal wie lang ich in einem Buch (oder Ebookreader) lese, ich fühl mich danach frisch und konzentriert. Egal wie lang ich im Netz verbringe, ich fühl mich danach irgendwie Matsch.

Und SCHWAPP! Gefangen im Netz. Quelle


Was ich nicht verstehe ist, warum das Netz das mit mir macht. Das konnte mir auch die Radioserie nicht wirklich erklären. Und gehts eigentlich allen so, oder nur mir und noch ein paar anderen?
Aber wenn ich mich so umschaue, dann kann eh gefühlt keine Sau mit dem Netz sinnvoll umgehen. Alle hängen sie permanent drin, zu einem nicht kleinen Teil für ihren persönlichen Geschmack zu viel. Klar gibt es auch ein Dorf von unbeugsamen Technik-Noobs wie meine 66jährige Mutter, die tatsächlich nur alle paar Tage mal ein Wörterbuch oder Wikipedia aufruft oder sich das neue Chorlied auf Youtube anhört. Die Frage ist: Was können wir anderen von denen lernen?

Zweitens


Mir ist es schon länger bewusst, dass ich mehr Zeit im Netz verbringe, als ich das möchte (oder es mir gut tut). Mindestens seit 2009, als ich durchaus mit Genugtuung aus Facebook, studiVZ und myspace ausgetreten bin, sowie meinen Account in einem intensiv genutzten Forum gelöscht habe. Sich von Social Media abzumelden ist ja ein sehr effektiver Schritt.
Irgendwann 2011 oder 2012 hab ich intensive Internetferien einlegen können. Dank Leechblock/Stayfocusd waren mir - MUAHAHAHA -  666 Stunden lang (ich weiß ich bin kindisch) nur mein Email-account, eine Wörterbuchseite und das Programm von Ö1 zugänglich. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase hab ich diese Internetferien fürchterlich genossen. Nach Ablauf wusste ich gar nicht so recht, wo ich jetzt eigentlich hinschauen soll.
Kalter Entzug funktioniert bei mir immer wunderbar, besonders hilfreich waren die regelmäßigen kurzen Internetferien in den letzten 9 Monaten. Jedes Sabbatical hat unnütze Netzgewohnheiten durchbrochen und mir meine Prioritäten noch stärker klargemacht.

In den letzten Wochen war meine Lösung ja die, dass mein Modem bei meinem Freund im Regal wohnt. Das ist dann aber auch nicht das Optimalste. Denn so wird die Zeit, die wir miteinander verbringen, zu einem zu großen Teil von mir alleine mit dem endlich-wieder-Internet verbraten. Ich schäme mich, aber so war es eben. Die andere Alternative war, auf die Uni zu gehen. Dort ist es mir aber peinlich, zu viel Zeit oder überhaupt auf zB pinterest zu verbringen. Und Bankgeschäfte etc. will ich über das unsichere Uninetzwerk auch nicht erledigen. Außerdem ist die Luft dort auf der Bib so schlecht, dass mein Kopf immer nur Watte ist und ich eh nix arbeiten oder langmächtig recherchieren könnte.

Manchmal bin ich grantig und würde am Liebsten das Netz überhaupt komplett ausmisten, Internetanschluss abmelden und basta. Aber: Kein Internet ist auch keine Lösung. Auch abgesehen von manchen äußeren Zwängen: Es gibt Dinge, die mich im Netz tatsächlich bereichern oder mir weiterhelfen. Es gibt eine Handvoll Blogs, die ich gerne lese, Radiosendungen zum Nachhören, die ich sonst immer verpasse und sowieso die praktischen Sachen (Emails, Onlinebanking, Rezepte, Fahrpläne). Nur - für diese Dinge brauche ich nicht täglich online sein. Einmal die Woche ein paar Stunden sind für mich genau die richtige Menge.
Leider weiß das meine Sucht noch nicht.( Ist es eine Sucht? Ich bin doch aber so glücklich, wenn ich offline bin.) Derzeit kann ich irgendwie nur entweder - oder. Entweder online, aber dann die ganze Zeit oder offline, aber das dann dafür mindestens tagelang komplett. Mir fehlt beim Netz der Mittelweg. Es muss doch irgendwie gehen, das blöde Netz nur für die Vorteile zu nutzen, und die Nachteile alle dezent fallen zu lassen!

Bis jetzt hat es mir geholfen, browserfreier zu werden und bestimmte Internetinhalte offline oder über geschlossenere "Plattformen" zu nutzen. Konkret, meine Emails über die app am Tablet abrufen, Artikel nur noch über den (echt empfehlenswerten!) Offlinereader Readability lesen, Blogs per Email abonnieren. Die Gefahr des Weitersurfens über den Browser, entweder durch automatisches Taböffnen oder Links, wird vermindert und es fühlt sich auch nicht so wie Surfen an, wie Internetberieselung.
Was ich schon gut abgehakt hab, das sind Internetverpflichtungen. Das ist für mich alles, wo man sich aus irgendeinem Grund irgendwie verpflichtet fühlt, regelmäßig und über längere Zeit hinweg zu lesen oder teilzunehmen. Einen Blog oder Forum zu haben, Admin zu sein, einen Thread betreuen, ja sogar nur zu kommentieren oder lesen. Kann Spaß machen und bereichern, kann aber auch nerven. Für mich waren das früher besonders Foren. Der Blog hier wäre auch fast zur nervigen Verpflichtung geworden, aber zum Glück lernt man ja.
Eine andere Strategie, die ich parallel zu den Internetferien angewendet habe, war das Ersatzprogramm. Warum versinke ich überhaupt in die Internetberieselung, welche Seiten rufe ich auf? Befriedigt mich das tatsächlich, oder würde mich was anderes eigentlich glücklicher machen? Zwangsläufig braucht man natürlich während der Internetferien ein Ersatzprogramm, man will ja nicht auf Ewig die Wohnung putzen. Unterhaltung, Entspannung, Sozialkontakte, Wissen findet man auch hier: Büchereien, Kabarett und Theater, Spieleabende, Freunde treffen, Musik hören, selber Musik machen (statt Youtube, hm?), Vorträge und Kurse besuchen, Radio und Zeitung, sich was von anderen Leuten zeigen oder erklären lassen. Und statt Katzengifs anzuschauen kann man auch Haustiere von Freunden oder Tierheimbewohner intensiv anschmusen. Statt Internetzeitung zu lesen hör ich selber eigentlich lieber die Radionachrichten auf Ö1. Die reichen mir wirklich. Alles kurz und knackig und passieren tut eh immer nur negativer Müll. Das reicht auch 5min. Wenn ich ganz autoaggressiv drauf bin, auch mal das Mittagsjournal. Mein persönliches Ersatzprogramm sind aber vor allem Bücher und Musik.

Und überhaupt.


Alle sind im Netz. Es ist selbstverständlich. Es kann ja auch tolle Sachen. Demokratisches Verbreiten von Wissen zum Beispiel. Aber was, wenn die tollen Sachen nur 10% vom Netz ausmachen? Aber was, wenn es uns zu 90% der Zeit nur im Weg steht?
Warum häng ich dann wieder drin, verdammt, nur weil das blöde Modem wieder da ist?

Ich muss mir auch immer wieder vor Augen halten, was meine Motivation dafür ist, das Internet nur noch sehr eingeschränkt zu nutzen.
Zum einen vermisse ich die Zeit, wo ich 16 war und das Internet ein kostbares Gut, das mit Minutentaktung zeitlich begrenzt war. Krrrchz dongidong und so. Ich hatte damals irgendwie alle für mich relevanten Vorteile des Internets, aber gleichzeitig einfach auch so viel Freizeit und Motivation für Hobbies. Zum anderen passt es gerade gut in meine jetzige Phase der Internetnutzung. Ich habe das Gefühl, die Zeit der großen Entdeckungen ist vorbei. Diese Zeit war für mich 2006-2009:  Kritik an Konsum/ Leistung/ Wachstum/etc., alternative Verhütungsmethoden/ Kosmetik/ Menstruationsprodukte/ Ernährung, Einfaches Leben, Minimalismus, Linux. Es war eine Zeit, wo jeder Besuch im Netz meinen Horizont erweitert hat und meine Synapsen fröhliche Funken sprühen ließ. Jetzt grade... Gelangweiltes Stirnfransen-in-die-Höh-Pusten. Alles schon gesehn, alles schon gehört. So fühlt sich das an, und dabei komm ich nur einfach nicht aus meiner Internetblase raus.
Aber muss ich das? Ich will gar nicht. Ich bin gesättigt. Ich bin ernüchtert. Ist vielleicht gar das gesamte Netz eine Blase?

Und du? Was sind deine Netzgedanken?


PS: Apfelmädchen denkt grad über Datenschutz nach und ob sie all die Onlinedienste überhaupt braucht.

14. Januar 2015

Zweitausendfünfzehn

Das Jahr ist jung (so jung, dass es übermütig ist. 20 Grad letztens, echt jetzt?), aber diese Gedanken heute sind älter - über die Feiertage konnte, gedankenverloren in das Schneegestöber starrend und die Finger am Milchtee wärmend, über das nachgedacht werden, was schon seit einiger Zeit in einem arbeitet.

Aus überschäumendem Enthusiasmus ist schleichend Pflicht geworden. Schlechtes Gewissen, wenn man gegen das ungeschriebene (achwas, ungeschrieben. Überall brüllt es einem entgegen!) Bloggergesetz der 1-3x Wöchentlichkeit verstößt. Der Druck, immer interessanten Content auf der Zunge (der Tastatur) zu haben. Die spontane Schnapsidee mit dem Adventskalenderschnelldurchlauf wurde echt zum Klotz am Bein - die Reihe bleibt daher bewusst unvollständig.

Wer jetzt denkt, das sei der Auftakt zu einem Abschiedsposting, irrt, wer vielleicht gar ein Tränchen drücken möchte, rührt (schließlich sind wir ja noch ein Miniblog, der quasi noch in die Windeln kackt). Aber so schlimm ist es dann auch wieder nicht.
Uns ist nur bewusst geworden, dass Bloggen zwar sehr nett ist, aber nicht zu unseren zentralen Hobbies gehört.

Unser People-Pleasing und auch unsere Wunschvorstellungen waren uns ein bisschen im Weg, aber nun können wir (mit trotzdem noch ein bisschen Bauchweh) unser Blog-Motto für 2015 announcen:

Musenkuss

Wir möchten es wieder ruhiger angehen lassen. Wir sind Minimalistinnen und wir möchten uns auf das Wesentliche konzentrieren, anstatt zig Hobbies nebeneinander so halbert nachzugehen. Auch wenn das Bloggen nicht mehr zentral ist, den Blog einstampfen möchten wir deswegen auch nicht gleich.
Deswegen möchten wir, ohne selbstgemachten Druck, nur noch dann schreiben, wenn uns grade die Muse küsst. Weil man nicht gleichzeitig bloggen, klettern, singen, renovieren, lesen, garteln, heiraten, tratschen kann.

Das ist für uns gar keine so einfache Entscheidung, grade jetzt wo wir immer wieder neue Leser dazubekommen (vor allem, weil wir in anderen Blogs verlinkt werden, zum Beispiel von Apfelmädchen/sadfsh und Frau Dingdong, wir freuen uns immer furchtbar wie die kleine Schnitzerln und fühlen uns so geehrt und stolz!). Und doch immer noch so grasgrün hinter den Blogger-Lauschern sind.

Aber wollen wir den Leistungsdruck und den Wachstumswahn, der uns da draußen schon so am Arsch geht, wirklich hier in den Blog lassen? Wie lässt sich Bloggen mit unserem Wunsch nach weniger Bildschirm vereinbaren? Kann man unserer kleinen, aber feinen Leserschar es zumuten, wenn nur noch monatlich oder so was kommt? Oder läuft ihr uns dann alle davon? :( Miep!

Wie denkt denn ihr drüber? Als Leser, als Blogger? 

3. Dezember 2014

Was würdest du arbeiten, wenn für dein Einkommen gesorgt wäre?

Dass unser Wirtschaftssystem ordentlich kränkelt, merkt man finde ich vor allem in der Vorweihnachtszeit.
Die Leute können sich immer weniger leisten und trotzdem kaufen sie wie die Wahnnsinnigen. Teilhabe an der Konsumkultur ist so wichtig wie nie zuvor - relative Armut heißt das dann, wenn man zwar nicht hungert und nicht friert, aber sich Kino- und Restaurantbesuche, den Flug auf die Malediven und das neueste iPhone nicht leisten kann.
Arbeitslosenzahlen steigen, während jene die Erwerbsarbeit haben immer unzufriedener und ausgebrannter und überarbeiteter werden (und aus Frust mehr kaufen?), die Arbeitsverhältnisse immer ungerechter (All-in-Verträge, ECHT JETZT?!), der Erwerbslebenslauf immer zerspragelter (nach der Uni ist vor der Uni: mit 3 prekären Teilzeitjobs so dahinwurschteln, dazwischen unregelmäßige Arbeitslosigkeit).

Da denkt man sich schon: Warum ist Einkommen eigentlich noch kein Menschenrecht? Und was könnte mit der Konsumspirale passieren, wenn man keine Existenzängste mehr haben muss?

Wer vom Konzept "Bedingungsloses Grundeinkommen" noch nie oder nur den Namen gehört hat - und für alle anderen auch -, für den hab ich jetzt was Schönes zum Nachdenken für die Adventszeit:




Ich mag ja den Schweizer Akzent so gern!


Damit das Bild aber zurechtgerückt wird, hier auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema, wenn du magst:






Wie denkst du über dieses Thema? Wär das was? Oder lieber nicht? Und was würdest du arbeiten, wenn für dein Einkommen gesorgt wäre?

29. November 2014

Meditation und Erleuchtung

Meditation fasziniert mich. Menschen, die sie fix in ihren Alltag integrieren können, auch.

Als Anfänger ist mein Verständnis der Meditation, seinen Blick nach Innen zu richten und ohne äußere Störungen seine Gedanken kommen und gehen zu lassen. Die Gedanken kommen wie Wolken am Himmel, man lässt sie zu und schiebt sie dann sanft weiter.
Die Belohnung für tägliche Übung ist mehr Ruhe, Zufriedenheit, Konzentrationsfähigkeit in einer lauten, hektischen Welt.

Die täglichen 5 Minuten Meditation, die ich mir mal vorgenommen hatte, konnte ich bis jetzt noch in keinem fixen Zeitfenster unterbringen. Ich meditiere viel mehr in "Notfällen", wo es mir psychisch nicht gut geht und ich überhaupt dran denke, mich kurz in Ruhe hinzusetzen. Oder, wenn ich mal alleine zu Hause bin und vor dem Einschlafen in dem Meditationsbuch lese, das ich mir zugelegt habe. Bevorzugte Position: im Bett liegend. Nix mit aufrechtem Lotussitz.

Eine Übung in dem Buch wies mich an, mir vorzustellen, wie man sich als Erleuchteter so fühlt. "Stellen Sie sich vor, Sie wären ein erleuchtetes Wesen, ein Buddha, ein Christus; ihr Bewusstsein sei so offen, wach und frei, wie Sie es sich bei einem erleuchteten Wesen vorstellen."

Und siehe da, es war so einfach, mich als erleuchtetes Wesen zu fühlen! Ich konnte es deutlich spüren. Ich ungeübte Nuss!!

Deshalb meine Theorie: erleuchtet sein kann jeder, es ist nur Übungssache, dieses wunderbare Gefühl abzurufen. Es geht darum, diese Lebendigkeit, die bereits in uns existiert, herauszulassen.

Im täglichen Hamsterrad gerät diese Erkenntnis leider immer so schnell in Vergessenheit. Ich könnte ja genauso gut, anstatt von der Arbeit genervt und gestresst zu sein, in meiner eigenen Erleuchtung selig durch den Tag schweben. Es mag mir aber nicht recht gelingen.
Vermutlich kommt da die tägliche Übung ins Spiel. Ich würde gerne regelmäßig daran denken, aber ich hab irgendwie jeden Tag fünfhundert Dinge die mir wichtiger scheinen.

Seufz. Wem geht's auch so?

PS: wer gerne üben mag, kann sich auch das kleine Büchlein von Tara Brach besorgen.

29. Oktober 2014

Vorräte und Ausmisten tanzen im Kreis

Ich: Hallo, ich heiße materialfehler und habe ein kleines Problem mit Vorräten.
Gruppe: Hallo, materialfehler!

Ich habs ja schon seit einigen Jahren mit dem Minimalismus, und vorher eigentlich auch schon. Da gibts viele Gründe, zum Beispiel meine Überforderung mit zu viel Auswahl (hirnblubb vorm Marmeladenregal stehen) oder dass ich einfach gern viel Platz hab.

In regelmäßigen Abständen bilde ich mir jedoch ein, dass Vorräte mein Leben vereinfachen.

  • Durch Vorräte muss ich weniger oft einkaufen gehen.
  • Wenn ich bei jedem Einkauf zusätzlich Zeugs kaufe, das nicht am Zettel steht, lässt sich dieses Problem auch reduzieren, indem man die Zahl der Einkäufe reduziert.
  • Größere Packungen sind nachhaltiger.
  • Ich habe einen Speisekammernfetisch. Hübsche Aufbewahrungsgläser mit Nudeln, Mehl, Getreide, eingemachtem Obst und Gemüse, Marmelade, Hülsenfrüchte, Kekse, Nüsse, Kräuter, Tee, Gewürze, ...
  • der -10% Gutschein vom dm zahlt sich bei einem großen Einkauf natürlich so richtig aus (ich kauf dort hauptsächlich Lebensmittel)
  • Unterschwellige, etwas irrationale Sorge, dass ich als Innenstadtkind, das noch nicht mal einen Balkon hat, bei einem Zusammenbruch der Wirtschaft gleich als erste verhunger (Danke liebe panikmachende Autarkie-Seiten im Netz!). Nicht lachen!


Das Ergebnis sind dann 2kg Haferflocken, 2kg Hirse und 2kg Buchweizen in einem 1,5 Personenhaushalt, in dem die halbe Person a) nicht frühstückt und b) meinen Frühstücksgatsch voll abartig findet - und wo die ganze Person in letzter Zeit dann doch viel lieber Vollkorntoast mit Mandelmus und Bananenscheiben oder mit Bohnenaufstrich und Paprikastreifen zum Frühstück isst.
Oder: braunen Zucker, Birkenzucker, Stevia, Ahornsirup, Agavensirup und Honig. In einem Haushalt, wo fast nie gebacken wird und auch sonst irgendwie kein Zuckerzeug verbraucht wird. Von meinen roten Linsen, Berglinsen, schwarzen Linsen, Kichererbsen ganz, Kichererbsen halbiert, Käferbohnen, Kidneybohnen möchte ich eigentlich lieber schweigen. Zumal mein Appetit sich sowieso nie nach den Einweichzeiten richten will und ich dann erst wieder mit halbverhungertem starren Blick kurz vor Ladenschluss mit Dosenkichererbsen bei der Kassa steh.
Bei Kosmetik ist es ähnlich. Experimente und Prozente und realitätsferner Enthusiasmus. Zwei Haushalte zu haben ist da auch nicht hilfreich (der Moment wenn du beim Freund das Badezimmerkastl aufmachst, um *schielt nach links* *schielt nach rechts* eine von deinen gehamsterten Flaschen dort reinzustellen, weil du geglaubt hast, da ist nix mehr und feststellst: verdammte Scheiße, warum hab ich hier FÜNF HALBVOLLE SCHAMPOOS STEHEN?!).

Wie du siehst, gibts da ein kleines Problem im Vorratsschrank-Realitäts-Kontinuum.
Ich fühle mich von zu viel Vorräten dann wieder erdrückt und irgendwie gelähmt. Und schon geht das fröhliche verkaufen, an Freunde verteilen und im Haus aussetzen wieder von vorne los. Und das spart mir echt kein Geld, obwohl das eine der ursprünglichen Intentionen war...

Das läuft dann immer so ab:

  • Zeug nervt. Ausmisten. Verschenken.
  • Ruhe genießen.
  • eingebildete Sparsamkeit: Hamstern.
  • mit Genuss Vorratsschrank einräumen
  • zunehmende Unruhe
  • nervt
  • ausmisten
  • Ruhe.
  • Angst vorm totalen Atomkrieg
  • hamstern
  • Vorratsschrank bestaunen
  • Überforderung
  • NERVT
  • ...

Gehts dir auch so? Oder hast du ein anderes dreckiges Minimalistengeheimnis?


8. Oktober 2014

Der Ring

Gibt es den Verlobungsring bei uns schon immer? Oder ist das eine Sitte, die aus dem amerikanischen Raum zu uns herüber geschwappt ist? Jedenfalls denkt man bei Heiratsantrag meistens sofort an den Verlobungsring.

An den Ausmaßen dieses Ringes scheinen manche die Liebe des Bräutigams festmachen zu wollen. Für mich hat der Ring eher symbolischen Wert: er besiegelt das gegebene Versprechen und dient als Platzhalter für den Ehering.

Mein Freund und ich haben vor der Verlobung schon über Heirat gesprochen. Wir haben festgestellt, dass wir uns beide eine Hochzeit wünschen. Er: "Meinst du, muss ich dir auch einen tollen Verlobungsring besorgen?" Ich: "Hm, ich weiß nicht... wie wäre es, wenn du einen von meinen Ringen dafür benutzt?"

Also entwendete er einen meiner Ringe und bewahrte ihn für einen Antrag auf. Es ist also kein besonders teurer und wertvoller Ring, den ich am Finger trage. Dafür war es sicher, dass er mir gefällt. Weil ich mich nicht so oft mit Ringen schmücke, war mir auch klar, ich werde neben dem Ehering meist gar keinen Ring tragen - und um nur in einer Schatulle zu liegen, wäre ein teurer und aufwändig gearbeitetes Schmuckstück definitiv zu schade.



Einen vorhandenen Ring zu benutzen, wäre vielleicht auch eine gute Idee für alle, die einen Heiratsantrag planen, aber auf das Budget achten müssen. Und alle, die minimalistisch veranlagt sind!

Wisst ihr mehr über die Tradition des Verlobungsrings? Wie steht ihr dazu?

2. August 2014

Die Töchter der Heimat

Manche Leser wissen vermutlich, dass wenigen Jahren der Text der österreichischen Bundeshymne geändert wurde. Grund war, dass Paula Preradovic´in ihrem Werk die "großen Söhne" des Landes besingt.

Viele Frauen kritisierten, dass sie sich dadurch nicht angesprochen fühlten, und wünschten sich mit Erfolg die "großen Töchter" und "großen Söhne" gemeinsam in die Hymne. Die Änderung wurde gesetzlich beschlossen.




Die Diskussion davor schlug große Wellen, zahlreiche Herren und auch Damen äußerten sich kritisch und nannten das gesamte Anliegen lächerlich. Mit dem Beschluss der Regierung zur Abänderung war das Thema lange nicht vom Tisch, wie man vielleicht denken sollte.

Nun wurde die Hymne durch einen bekannten inländischen Musiker falsch vorgetragen, sprich: der alte Text ohne die "Töchter" wurde gesungen. Daraufhin brach ein Wirbel los, und die Diskussion flammte wieder auf.

Meiner Meinung nach ist es eine Provokation, absichtlich den alten Bundeshymnentext zu singen. Der Künstler hatte wohl genug Zeit für eine musikalische Vorbereitung, und wusste auch über die Gesetzesänderung Bescheid, wie er im Interview bestätigte. Demnach hätte er wissen müssen, was seine Darbietung auslösen würde. Vielleicht ging es auch nur darum, Schlagzeilen zu machen.

Nicht verstehen kann ich, dass viele Stimmen nun dafür plädieren, die Töchter wieder aus dem Liedestext zu entfernen. Nun ist der Text bereits umgeändert, was wäre also ein vernünftiger Grund dafür?? Solche Aussagen kann ich nicht nachvollziehen. Wenn ich nachfrage, weiß man wohl selbst keine Antwort außer "weil die Hymne 'schon immer' so war". Aha. Die Welt dreht sich weiter, die Menschheit entwickelt sich weiter. Get over it!

12. Februar 2014

Green Status Anxiety

Auf Twitter ist mir letzte Woche ein Vortrag über Status Anxiety untergekommen. Besonders die Zusammenhänge und Paradoxa sind sehr interessant! Aber gleichzeitig dachte ich, naja, aber ich bin da eh nicht so wirklich davon betroffen.



Viel Geld, ein fettes Auto, Designerkleidung oder -möbel waren mir noch nie wichtig. In meiner Jugend hab ich meinen Spaß dabei gehabt, meine Umgebung mit der Inkongruenz meines Äußeren und Inneren zu verwirren. Ich bin ziemlich immun gegen Status Anxiety, spiele maximal mit ihr. Dachte ich.

Vor einem halben Jahr fiel mir ein iPad in den Schoß. Nach monatelangem Herumüberlegen (es wär halt so praktisch vs. will ichs oder brauch ichs?) konnte plötzlich eine Freundin Geld gut brauchen und so kaufte ich ihr ein iPad3 ab. Ich wollte nie was von Apple besitzen. Klar, die Verarbeitung ist gut, Hardware und Software sind perfekt aufeinander abgestimmt und die anderen Hersteller haben genauso Dreck am Stecken, was die Produktion angeht. Aber dann muss ich an all die Hipster und Bobos denken, die ja soooo wahnsinnig künstlerisch und hip sind und deswegen Appleprodukte besitzen. Zwar kenne ich auch sehr liebe Menschen, die ein Macbook oder iPhone haben, aber der Zusammenhang zwischen den Variablen "Appleproduktbesitzer" und "unsympathischer arroganter Angeber" ist statistisch signifikant, davon bin ich überzeugt!
Ja, ich schäme mich für dieses Ding. Nicht nur wegen Apple, sondern auch weil ich Tablets immer für komplett nutzlosen bedürfnisgenerierenden Wirtschaftswachstumsscheiß gehalten habe. Wenn ich in der Öffentlichkeit mein iPad benutze, achte ich jedenfalls drauf, dass man wenigstens den blöden Apfel auf der Rückseite nicht sieht.
(Ich bin damit nicht allein. Mein Freund hatte das Pech, ein gebrauchtes iPhone4 zu bekommen, in seinem Fall sogar geschenkt und meint letztens so verzweifelt zu mir: Was soll ich nur tun, ich find das iPhone toller als mein altes Smartphone!)

Anderes Beispiel: Schuhe. Mein Verhältnis zu Waldviertlern war immer schon gespalten. Einerseits genial: kleine soziale Schuhfabrik im Waldviertel, einer strukturschwachen Gegend nordwestlich von Wien, zeitlose und sehr hochwertige, bequeme Schuhe (wenngleich auch etwas äh rustikal). Andererseits hat die jetzt echt jeder. Zumindest jeder, der irgendwie in die Sparte "Linke mit höherer Ausbildung und Umwelt/Sozialbewusstsein" passen. Eingangsbereich bei Studentenparties: 80% Waldviertler.
Ich wollte nie Waldviertler, weil ich im Nachhaltigkeitsbereich studiere und in ein paar Monaten auch arbeiten werde. Weil eben alle die tragen. Weil ich Angst um meine Individualität habe und in der Folge auch Rechtfertigungsgefühle bei Öko-Entscheidungen, dass ich die eben nicht fälle nur weil sie hip und in sind.
Naja, jetzt hab ich welche... Das Zauberwort "Sonderanfertigung" war es, das meine verdammt schmalen Fersen magisch ins Geschäft gezogen haben. Ich besitze nun zum ersten Mal in meinem Leben Schuhe, in denen ich nicht schwimme oder Blasen bekomme oder nach ein paar Monaten das Fersenleder durch hab. Das geschickte Fußbett hat sogar meinen leichten Knickfuß erledigt.

Gibt es Green Status Anxiety? Sich dafür schämen dass man im SecondHand-Geschäft wieder mal nix gefunden hat und dann doch zum H&M gegangen ist? Bei Besuch schnell die Packung von den Hofer/Aldi-Keksen verschwinden lassen? Sich wegen dem Besitz von Lifestyleprodukten schämen? Ökozeug nicht kaufen, aus Sorge vor dem Vorurteil, man kaufe es ja nur weil es so hip ist und nicht weil man es wirklich gut findet - oder schlimmer: weil man glaube, es gäbe grünes Wirtschaftswachstum und man könne weiterkonsumieren wie bisher, hauptsache grün? Oder weil man sich so öko-snobbish gegenüber wirtschaftlich benachteiligten Menschen vorkommt, die sich den ganzen Kram nicht leisten können?
Ja, die gibt es. Definitiv.

Was denkst du denn drüber? Kennst du dieses zwiespältige Gefühl?

5. Februar 2014

Technik-Leapfrogging



Wer das weiß, ist vor 1990 geboren. Quelle

Die gute alte Kassette. Erinnert ihr euch an das panische Gefühl, wenn die Musik immer tiefer und langsamer geworden ist und ihr keine Ersatzbatterien dabeihattet?

Ich war mal die strubbelig grünhaarige 15jährige da hinten im Postbus, die als einzige mit einem Walkman dagehockt ist. Alle anderen Schüler hatten selbstverständlich einen Discman, oder (hypehype) einen Minidiscplayer. Ich bin 1987 geboren und Kassetten sind sogar für meine Generation fast nur noch mit den drei Fragezeichen oder Benjamin Blümchen assoziiert. Musikkassetten und das Austauschen von Mixtapes kenne ich nur von meinen um ein Jahrzehnt älteren Schwestern.
Natürlich war da auch viel rebellische Coolness dabei, aber im Wesentlichen waren für mich diese Geräte noch nicht interessant. Discmen waren viel störungsanfälliger im Gebrauch und schneller kaputt und Minidiscplayer waren für mich nichts anderes als runde Kassetten. Erst CD-Spieler, die mp3-CDs abspielen konnten, machten für mich einen Discman interessant. Sie waren in meinen Augen den ersten mp3-Playern, die nur ein einziges Album speichern konnten, weit überlegen.
Irgendwann hatten fast alle in meiner Klasse einen Laptop, aber ich blieb bei meinem Stand-PC. Ich wollte einzelne Komponenten austauschen können und hatte kein Platzproblem. Die Preise für Notebooks mit einer ordentlichen Grafikkarte waren gesalzen und in meinen Augen gab es nichts Durchschlagendes, was einen Laptop (für mich) rechtfertigen konnte.
Heute hat sich bei mir der Laptop durchgesetzt (wobei ich zugegebener Maßen die leistungsstarke Grafikkarte zu meinen Freund outgesourct hab *hust*). Ich hab ein Tastenhandy, aber dafür ein Tablet - das Smartphone hab ich einfach mal übersprungen.
- Und das ist meine Methode, mit neuen Technologien umzugehen:

Leapfrogging - abwarten, beobachten und springen


Den Begriff Leapfrogging kenne ich aus der nachhaltigen Entwicklung. Statt dass andere Länder unsere Entwicklung Schritt für Schritt kopieren, hofft man dass sie unseren ungesunden Mist elegant überspringen und gleich nachhaltig werden.

In einer Welt, in der instabile Beta-Versionen (egal von was) in exponentieller Geschwindigkeit auf den Markt geworfen werden, um im Wachstumswahn nicht unterzugehen, ist es umso wichtiger, nicht immer alles gleich mitzumachen, sondern sich erstmal zurückzulehnen und alles bewusst zu beobachten.

Neu ist nicht immer besser, nicht jede Technologie setzt sich durch. Nicht jede Technologie hält in der Praxis, was sie verspricht.
Erstmal abwarten und an anderen und den Medien beobachten, mit der alten Technologie und Version zufrieden bleiben (war man doch auch wie die neu war, oder?), Vorteile und Nachteile gut abwägen, kritisch bleiben, mit dem eigenen Lebensstil abgleichen usw.  - Eigentlich ganz ähnliche Überlegungen, wie ich hier zum Thema Kosmetik und Bedürfnisse geschrieben hab.

Leapfrogging ist für mich die Einsicht, dass der heutige Fortschritt nicht real ist, sondern durch Zersplitterung, geplante Obsoleszenz und bewusste Reizüberflutung künstlich in unseren Köpfen erzeugt. Es ist kein echter Fortschritt, weil sich die Versionen von immer kürzerer Lebensdauer nur marginal voneinander unterscheiden. Mit Zersplitterung meine ich die Methode, Zwischenversionen mit winzigen Änderungen auf den Markt zu bringen und damit Innovation zu suggerieren. Anstatt sozusagen von Version 1.0 auf 2.0 zu springen, kommen lauter Versionen 1.1, 1.2, 1.3 usw. raus und werden als Innovationen vermarktet. Durch die Reizüberflutung durch die schier unglaublichen Warenwelt des Kapitalismus, in der die Vielfalt künstlich erzeugt ist, kann man diesen Fakt leicht übersehen.
Das Rad war eine Innovation. Die Dampflok war eine Innovation. Der Computer war eine Innovation. Das iPhone5 ist keine Innovation.

Leapfrogging hat auch viel mit dem Bewusstmachen der eigenen Bedürfnisse und der realistischen Einschätzung des eigenen Lebensstils zu tun. 
Ich persönlich backe kaum, und wenn dann Muffins oder Pizza, wo man nix aufschlagen muss. Dafür reichen mir mein Low-Tech-Kochlöffel und meine Hände. Ein elektrischer Mixer erleichtert mir nicht mal die Arbeit.

Nicht in allen Bereichen kann man sich dem immer Neuesten entziehen oder möchte es gar. Sei es durch den Beruf oder weil man einfach Freude dran hat. Ich steh auf frisch aufgesetzte PCs und hab daher überhaupt kein Problem damit, wenn meine Linux-Distro zwei Mal im Jahr eine neue Version rausbringt, ich setz sowieso neu auf.
Der Punkt ist aber, dass man in einem größeren Ausmaß selber bestimmen kann, inwieweit man sich am (vermeintlichen) Fortschritt beteiligt, als man vermutet.

Auch wenn es scheint, dass Leapfrogging eine Methode vorrangig für technikaffine Menschen ist, die immer ein Auge auf die neuesten Entwicklungen geworfen haben, denke ich dass es auch für techniküberforderte/desinteressierte Leute entspannend sein kann, zu wissen, dass auch den Nerds und Geeks die Geschwindigkeit durchaus auch auf den Senkel geht. Dass unter der Geschwindigkeit die Qualität leidet und dass sie ruhig bis zum bitteren Ende an ihrer "veralteten" Technologie festhalten können, wenn sie ihre (echten, nicht von der Industrie erzeugten) Bedürfnisse stillen kann.

Wie gehst du mit der gefühlt exponentiellen Beschleunigung des technischen "Fortschritts" um?

24. Januar 2014

Konsum in Kinderköpfen

"Na, was hat dir das Christkind gebracht?"
"Das sind aber hübsche Schuhe!"
"Zeigst du der Tante dein neues T-Shirt?"

Hab ich schon oft gehört, als ich bei Familien mit Kindern zu Gast war. Das Kind wurde dazu angehalten, die neuesten Klamotten oder Spielsachen zu präsentieren, und erntete dafür Bewunderung: "Das ist aber hübsch!" "Was für ein tolles Spielzeug!" "Wie süß!"

Wird damit nicht den Kindern vermittelt, dass man nach den Dingen die man besitzt beurteilt wird? Dass man aufgrund von Gegenständen die Bewunderung anderer erntet?

Das geschieht bestimmt unbewusst, und ich habe mich bis jetzt nicht einmal getraut, die Eltern darauf hinzuweisen. Nichts schlimmeres, als jemand der einem sagt was man für "Fehler in der Erziehung" begeht - und dann hat diejenige nicht einmal Kinder??

Anderes Beispiel: in meinen Augen ist ein Kaufmannsladen eigentlich ein sehr schönes Geschenk. Man glaubt ja gar nicht, was es da alles für Zubehör gibt: Karton-Miniaturen von echten Supermarkt-Artikeln! Mini-Pizzas, Suppenwürze und Waschmittel im klar erkennbaren Markendesign. Der beste Weg, sich schon früh seine zukünftigen Konsumenten zu holen! Mir ist ganz schleht geworden.

Darf man Eltern auf sowas hinweisen? Vor allem wenn sie sich selbst nicht so viele Gedanken über Konsumverhalten gemacht haben? Ich hab mir jedenfalls vorgenommen, kleine Mädchen und Jungs nicht mehr zu ermuntern, ihre Sachen vorzuführen. Stattdessen werde ich Dinge sagen wie:
"Kennst du ein lustiges Lied?"
"Du kannst aber schon toll turnen!"
"Kannst du tanzen?"
"Zeichnest du was für mich?"
"Hilfst du der Mutti schon beim Kochen? Du bist aber fleißig!"
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