Das mit dem Bedürfnis nach Neubeginn, das versteh ich. Menschen brauchen Neustarts, in Religionen sind die nicht ohne Grund institutionalisiert.
Aber das mit Silvester?
Ein neues Jahr dann zu feiern, wenn zB Bäume zum Blühen anfangen, ist nachvollziehbar. Aber mitten im Winter? Wenn der einzige Unterschied zum alten Jahr ist, dass am ersten Jänner alles neblig vom Knallersmog ist und die ganzen Raketenhülsen die Gehsteige und Wiesen verdrecken und alle genervt sind, weil ich Silvesterverweigerer am ersten Jänner um 8 in der Früh gutgelaunt herumhopse?
Vielleicht liegts daran, dass mein Weltbild sehr viel fließender ist, abstrakter und intuitiver. Quantifizierbare Ziele mögen in einigen Fällen und für einige Personen sinnvoll sein, sind aber letzendlich auch nur beliebige Punkte auf einer Linie.
Wie will man persönliches Wachstum überhaupt messen? Ich bin doch kein Mehlsack auf einer Waage.
Und schließlich laufen doch alle konkreten und oft quantifizierbaren Ziele eh auf diese abstrakten Sachen wie Gesundheit, Wohlbefinden, Zufriedenheit, Wissen und Können hinaus.
Klar, ich hab Ziele im Leben, manche davon sogar quantifiziert. Aber ich orientiere mich nicht am Datum.
Sind Jahresrückblick und Jahresmotto eigentlich Bloggerkrankheiten? Ich kenn sonst keinen der das macht. Ich versteh den Sinn dahinter. Ich habs die letzten beiden Jahre ausprobiert, weil ich die Idee so für sich gut finde.
Aber das bin nicht ich.
Zahlt sich denn ein Rückblick überhaupt wirklich so aus? Wie viel hab ich davon tatsächlich mitnehmen können? Der heftigste Fail war ja dieser Monsterrückblick 2014, der sich als Minimalismusadventkalender getarnt und fast unseren Blog zum Einsturz gebracht hat. So viel Arbeit, aber neue Gedanken waren für mich nicht dabei - ich bin ein Mensch der eh dauernd reflektiert und deswegen keine extra Gelegenheit dafür braucht.
Bevor die Jahresmottoitis in all den Blogs ausgebrochen ist, hab ich mich auch ohne Mottos, Vorsätze und Rückblicke entfalten und weiterentwickeln können.
Daher, von mir keinen Rückblick, keinen Ausblick, kein Motto. Alles fließt, alles entspannt ;)
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28. Dezember 2015
17. November 2015
materialfehler hat ein Smartphone - die ersten 2 Monate
Angefangen hats mit diesem Tweet:
Oder eigentlich hats vorher noch angefangen.
Bis zum Sommer 2015 habe ich nie das Bedürfnis gehabt, ein Wischtelefon zu besitzen. Ganz im Gegenteil, ich wollte ganz dringend keines haben. Es konnte nix, das ich nicht lieber mit dem Laptop oder Tablet machen wollte.
Generell bin ich immer so, dass ich neue Dinge und Entwicklungen erstmal beobachte, so auch bei den Tablets. Seit 2013 hab ich deswegen eines (ein gebrauchtes), weil ich einen sehr fetten Stapel an Papers für Uni und Diplomarbeit mobil bei mir tragen konnte und die Textmarkerfunktion war auch genial. Bildschirmgröße mit 10 Zoll auch optimal für mich, und ich brauch die Tablet/Smartphone-Funktionen ja unterwegs kaum.
Diesen Sommer gab es einige Situationen, wo ich mobiles Internet dringend gebraucht hätte. Da hätte ich allerdings auch eine Simkarte in das Tablet stecken können, vielleicht prepaid oder sowas. Trotzdem hab ich das Gefühl gehabt, jetzt doch wirklich ein Smartphone zu benötigen. Weil mein Freund so nett ist, hat er mir sein Reservehandy geschenkt, ein iPhone4 von 2011. Für 30€ repariert und schon hat man also ein Smartphone.
Die ersten Tage waren irgendwie witzig, weil ich eine unglaubliche Aggression auf das Ding gehabt hab, wenn ichs nur angeschaut hab. Dabei hat es mir gar nix getan, es war nicht lästig und gar nix. Aber die Simkarte wurde kleiner geknipst, damit sie in das Smartphone passt und so war kein Weg zurück zu meinem alten tollen Handy, das NIX kann, außer telefonieren, smsen und bei einer SMS Miau machen (Es kann miau machen!!! Damit hab ich immer alle Katzenmuttis um mich herum ganz nervös gemacht).
Es war irgendwie fast ein kleiner Kulturschock.
Der Unterschied zum alten Tastenhandy hat sich im Alltag gar nicht so stark bemerkbar gemacht, weil ich bereits ein Tablet gehabt hab und sich so die Nutzung nur aufgeteilt hat.
Was ich am Smartphone gut finde
Was ich am Tastenhandy gut finde
Negatives zum Wischtelefon
Viele Funktionen haben sich wie gesagt nicht durchgesetzt.
Einige Funktionen sind ident mit jenen vom Tablet. Statt dass ich zB übers Tablet chatte, tippe ich halt kurze Chatnachrichten am Handy.
Es gibt nur zwei Dinge, die jetzt neu sind, und zwar nur unterwegs (daheim hab ich ja eine Alternative): Ich nutze selten die "Navigation" (Adressen, Öffis, Öffnungszeiten, Stadtplan) und ich schreib manchmal eine kurze Chatmitteilung wenn ich wo warte.
Zu so einem Zombie, der überall am Handy herumwischen muss, sogar wenn er sich mit Freundein trifft, bin ich zum Glück nicht geworden. Anfangs hab ich zwar unterwegs schon bei jeder Gelegenheit herumgewischt, neues Spielzeug und so, aber das hat sich schnell wieder verlaufen.
Was mir nicht so recht in den Kram passt, ist dass ich jetzt 3 Geräte hab mit stark überschneidenden Funktionen. Unterwegs Adressen nachzuschlagen ist zwar ungemein praktisch, aber selten in Gebrauch. Und der einzige Bereich wo mir ein Smartphone wirklich etwas bringt. Keine Ahnung, ob ich beim Smartphone wirklich bleiben werde, so auf Dauer gesehen (im Sinne von, wenn das Ding mal kaputt wird).
Aber irgendwie mag ich das Wischding auch und ich bin froh, dass ich das jetzt testen und beobachten darf. Ich finde es auch interessant, wieder mal zu beobachten, dass die neuen Versionen gar nicht immer den alten überlegen sind, wenn man genau hinschaut.
Was sind deine Erfahrungen mit Tastenhandies und Smartphones?
Der 17. September 2015 - der Tag, an dem ich nachgab und jetzt auch so ein kack Smartphone hab
— Tordis Alverlund (@materialfehler) 17. September 2015
![]() |
| das "neue" und das alte Mobiltelefon |
Oder eigentlich hats vorher noch angefangen.
Bis zum Sommer 2015 habe ich nie das Bedürfnis gehabt, ein Wischtelefon zu besitzen. Ganz im Gegenteil, ich wollte ganz dringend keines haben. Es konnte nix, das ich nicht lieber mit dem Laptop oder Tablet machen wollte.
Generell bin ich immer so, dass ich neue Dinge und Entwicklungen erstmal beobachte, so auch bei den Tablets. Seit 2013 hab ich deswegen eines (ein gebrauchtes), weil ich einen sehr fetten Stapel an Papers für Uni und Diplomarbeit mobil bei mir tragen konnte und die Textmarkerfunktion war auch genial. Bildschirmgröße mit 10 Zoll auch optimal für mich, und ich brauch die Tablet/Smartphone-Funktionen ja unterwegs kaum.
Diesen Sommer gab es einige Situationen, wo ich mobiles Internet dringend gebraucht hätte. Da hätte ich allerdings auch eine Simkarte in das Tablet stecken können, vielleicht prepaid oder sowas. Trotzdem hab ich das Gefühl gehabt, jetzt doch wirklich ein Smartphone zu benötigen. Weil mein Freund so nett ist, hat er mir sein Reservehandy geschenkt, ein iPhone4 von 2011. Für 30€ repariert und schon hat man also ein Smartphone.
Die ersten Tage waren irgendwie witzig, weil ich eine unglaubliche Aggression auf das Ding gehabt hab, wenn ichs nur angeschaut hab. Dabei hat es mir gar nix getan, es war nicht lästig und gar nix. Aber die Simkarte wurde kleiner geknipst, damit sie in das Smartphone passt und so war kein Weg zurück zu meinem alten tollen Handy, das NIX kann, außer telefonieren, smsen und bei einer SMS Miau machen (Es kann miau machen!!! Damit hab ich immer alle Katzenmuttis um mich herum ganz nervös gemacht).
Es war irgendwie fast ein kleiner Kulturschock.
Der Unterschied zum alten Tastenhandy hat sich im Alltag gar nicht so stark bemerkbar gemacht, weil ich bereits ein Tablet gehabt hab und sich so die Nutzung nur aufgeteilt hat.
Meine Plusse und Minusse
Der Plural schaut geschrieben sehr seltsam aus, deswegen bleibt das so.Was ich am Smartphone gut finde
- Im Gegensatz zum Tablet lockt mich die intensive Internetnutzung auf dem Mikro-Bildschirm (3,5 Zoll) so überhaupt nicht. Es wird das notwendigste nachgeschaut, das wars. Dadurch verleitet es mich auch nicht dazu, beim kurzen Emailschecken einfach mal weiterzusurfen. Mir kommt vor, die Zeit die ich online verbringe, ist etwas zurückgegangen. Aber ich kann mir das auch einbilden.
- Ich kann die meiste Zeit meinen Laptop, und nun auch mein Tablet, einfach verräumen. Dadurch liegt weniger Zeug und Gekabel herum.
- Normalerweise plapper ich so viel, dass auch meine Chatmitteilungen gerne halbe Romane werden. Das finde ich nicht immer so gut. Durch die nervige Mikrotastatur, die trotzdem das halbe Display verdeckt, halte ich mich ganz automatisch kurz. Kürzer jedenfalls. (Kommentar vom Freund: "Oder so.")
- Dass es alt und klobig ist <3 Ich liebe alte und klobige Technik einfach!
- Es ist durch die Größe viel mobiler als mein 10'' Tablet. Ich mags nicht, Zeug mit mir rumschleppen zu müssen, das sich so schwer anhängt.
- Wenn ich Leute besuche, v.a. über Nacht, hab ich mein eigenes Internetgerät dabei. War schon öfters angenehm.
- Ich finde es gut, dass mein Wischtelefon klein und etwas klobig ist und deswegen gut in meiner Hand liegt.
Was ich am Tastenhandy gut finde
- Dass es Miau machen kann. Wichtiges Feature.
- Dass der Akku 2 Wochen hält.
- Dass man damit wirklich nur telefonieren und smsen und die Uhrzeit ablesen kann. Radio hat es glaub ich auch, aber sonst nix, auch keine Kamera.
- Es ist äußerst robust. Beim Smartphone hab ich immer Angst, aber das Tastenhandy schmeiß ich einfach in die Tasche.
- Es ist sehr leicht und liegt dank Klobigkeit gut in meiner Hand.
Negatives zum Wischtelefon
- Ich habe jetzt drei Geräte (Laptop, Tablet, Smartphone), deren Funktionen sich so stark überlappen, dass ich nach wie vor nicht sicher bin, wie sie sich rechtfertigen.
- Man muss es natürlich oft aufladen.
- Mein Wischtelefon ist ziemlich schwer, weil es scheinbar aus Metall und Glas ist. Ist zwar super wegen Verarbeitung und Haltbarkeit, aber halt auf Dauer nicht so fein zum Halten.
- Es hat sich nicht als All-in-one-Lösung herausgestellt. Natürlich hab ich alle Funktionen ausprobiert. Aber:
- Ich bin mit meinem Papierkalender sehr viel schneller beim Eintragen und Nachschauen.
- Auch Notizen mach ich mir lieber im Notizbuch oder am Laptop. Wozu kann ich bitte Maschinschreiben.
- Vermutlich wird sich auch die To-Do-Listen-App nicht gegenüber einer analogen Version durchsetzen.
- Die Kamera macht mir keine Freude, wenn die Fotos schön werden sollen, oder halbwegs farbgetreu. Ständig wird überbelichtet oder unterbelichtet und man kann überhaupt nix einstellen. Mir diese Foto-Apps anzuschauen ist mir zu mühsam.
- Musik hab ich gar nicht erst drauf, weil mich iTunes als Linux-Userin und die eingeengten Datei-Endungen schon am Tablet so genervt haben. Und weil ein Smartphone eh auch so schon so viel Saft zieht, verschwende ich den nicht auch noch zum Musikhören. Mein Audioplayer kann flac und ogg und alle Appleformate gleich mit und außerdem hat er 60h Akkuzeit. Nimm DAS, schwächliches
KanonenhalteseilSmartphone. - Spiele interessieren mich auf dem 3,5''-Display echt nicht. Hab ein paar ausprobiert. WTF.
- Das Tablet hat sich schon als nicht besonders angenehm für die Augen herausgestellt, was ebooks angeht. Das gleiche, nur in winzig... nö.
- Sobald mein Lichtwecker repariert (oder ersetzt :( ) ist, hat auch die Weckfunktion eher ausgedient. Ich mag auch so ein strahlendes Teil nicht die ganze Nacht in Kopfhöhe haben. Den Flugzeugmodus vergesse ich ständig, auszuschalten, und dann maulen die Leute wieder, dass ich "nie" erreichbar bin.
- Zuerst wollte ich bei den positiven Seiten schreiben, dass es mir umso leichter fällt, mit Freunden Kontakt zu halten. Aber jetzt bin ich mir nicht mehr sicher. Muss ich denn beim Einkaufen oder Arbeiten Chatmitteilungen beantworten, oder kann das auch warten bis ich daheim bin? Statt dass man sich eine Stunde auf einen Menschen konzentriert, um mit ihm zu plaudern, zerfasert das Gespräch.
- Ob ich das wirklich brauche, dass ich überall mein eigenes Internetgerät dabei hab (bei Übernachtungen zb), das weiß ich eigentlich nicht. Ich mein, ich könnte auch ein Buch dabei haben. Ich muss ja nicht unbedingt abends im Bett chatten und Artikel lesen, wenn die Gastgeberin schon früher ins Bett musste.
- Und dann ärgert mich einfach sehr vieles bei Apple: geplante Obsoleszenz auf Softwareebene, Bevormundung, schlechtes Design (wurde das nicht früher mal in höchsten Tönen gelobt?). Aber ich hätte auch nie ein Apple-Produkt gekauft, iPhone und iPad sind zufällig zu mir gekommen.
Was hat sich durch das Wischtelefon verändert?
Gar nicht so viel, wie ich zuerst gedacht hab.Viele Funktionen haben sich wie gesagt nicht durchgesetzt.
Einige Funktionen sind ident mit jenen vom Tablet. Statt dass ich zB übers Tablet chatte, tippe ich halt kurze Chatnachrichten am Handy.
Es gibt nur zwei Dinge, die jetzt neu sind, und zwar nur unterwegs (daheim hab ich ja eine Alternative): Ich nutze selten die "Navigation" (Adressen, Öffis, Öffnungszeiten, Stadtplan) und ich schreib manchmal eine kurze Chatmitteilung wenn ich wo warte.
Zu so einem Zombie, der überall am Handy herumwischen muss, sogar wenn er sich mit Freundein trifft, bin ich zum Glück nicht geworden. Anfangs hab ich zwar unterwegs schon bei jeder Gelegenheit herumgewischt, neues Spielzeug und so, aber das hat sich schnell wieder verlaufen.
Was mir nicht so recht in den Kram passt, ist dass ich jetzt 3 Geräte hab mit stark überschneidenden Funktionen. Unterwegs Adressen nachzuschlagen ist zwar ungemein praktisch, aber selten in Gebrauch. Und der einzige Bereich wo mir ein Smartphone wirklich etwas bringt. Keine Ahnung, ob ich beim Smartphone wirklich bleiben werde, so auf Dauer gesehen (im Sinne von, wenn das Ding mal kaputt wird).
Aber irgendwie mag ich das Wischding auch und ich bin froh, dass ich das jetzt testen und beobachten darf. Ich finde es auch interessant, wieder mal zu beobachten, dass die neuen Versionen gar nicht immer den alten überlegen sind, wenn man genau hinschaut.
Was sind deine Erfahrungen mit Tastenhandies und Smartphones?
12. November 2015
#Konsumauszeit - ich bin draußen
Leute, ich bin draußen.
Weil ich es gestern auf Twitter gesagt hab und das eine Erklärung braucht, kommen halt heute mal zwei Postings an einem Tag. Soll passieren.
Dieser hübsche Kerl hier in Nachtblau hat den Ausschlag gegeben:
Ich finde nicht so einfach BHs in meiner Größe (ich brauche Unterbrustweite 60, in 70 kann ich hinten ein Mascherl reinmachen), meistens muss ich bestellen. Da lass ich mir doch so einen Fund nicht so einfach durch die Lappen gehen.
aufgeschoben ist nicht aufgehoben
Meine Konsumauszeit ist keine Pause, sondern nur aufgeschobener Konsum. Unbedachter Konsum ist derzeit eh nicht drin und da bin ich auch nicht mehr so anfällig, dass es mich stören würde.
Ich hab eine kurze Liste an Dingen, die ich brauch. Zum Beispiel eine Prägemaschine, mit der man Buchstaben in schwarze Klebestreifen reinprägt, und damit Sachen beschriften kann. Meine Sammlung an ähnlich aussehenden Pulvern in Gläsern ist gewachsen und ich möchte nicht Geschirrspülersalz mit Natron verwechseln oder die Zitronensäure mit Badesalz. Natürlich könnte ich erstmal die öden Etiketten zum händischen Beschriften verwenden - aber nur, um sie dann eh drei Wochen später durch die Prägeetiketten zu ersetzen?
Den aufgeschobenen Konsum möchte ich außerdem nicht im Dezember nachholen müssen, wenn alle Welt wahnsinnig wird.
Morgen geh ich mir daher die Prägemaschine kaufen und hol mir vielleicht noch einen BH. Ich werde die ganzen Flohmärkte genießen, die die sich jetzt im Herbst häufen und ja, ich werde mir Gewand kaufen, und wenn ich was finde, auch in den normalen Geschäften.
Sinn der Konsumauszeit für mich
Ich hab halt mal mitgemacht. Mit der Option im Hinterkopf, das Projekt auch wieder sein zu lassen. Mir war von Anfang an klar, dass das eigentlich eine Schnapsidee ist. Ich muss derzeit sowieso sparen, unbedachter Konsum ist von vornherein nicht drin. Und das schon seit längerer Zeit. Shoppen ist absolut nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Die Sachen aus meiner Liste brauch ich tatsächlich. Ok, Essen gehen muss ich mir verkneifen, aber das reicht für mich einfach nicht aus, um jetzt gleich eine Konsumauszeit draus zu machen. Das ist einfach zu wenig.
Es gibt andere Bereiche, wo ich für mich sinnvollere Projekte draus machen kann und vielleicht auch drüber blogge, wir werden sehen.
Ja, mehr gibts einfach nicht zu sagen. Für mich hat die Konsumauszeit grade einfach echt keinen Sinn. Aber ich beobachte die anderen Blogger weiterhin und lass mich inspirieren.
Was denkst du drüber?
Weil ich es gestern auf Twitter gesagt hab und das eine Erklärung braucht, kommen halt heute mal zwei Postings an einem Tag. Soll passieren.
Dieser hübsche Kerl hier in Nachtblau hat den Ausschlag gegeben:
Ich finde nicht so einfach BHs in meiner Größe (ich brauche Unterbrustweite 60, in 70 kann ich hinten ein Mascherl reinmachen), meistens muss ich bestellen. Da lass ich mir doch so einen Fund nicht so einfach durch die Lappen gehen.
aufgeschoben ist nicht aufgehoben
Meine Konsumauszeit ist keine Pause, sondern nur aufgeschobener Konsum. Unbedachter Konsum ist derzeit eh nicht drin und da bin ich auch nicht mehr so anfällig, dass es mich stören würde.
Ich hab eine kurze Liste an Dingen, die ich brauch. Zum Beispiel eine Prägemaschine, mit der man Buchstaben in schwarze Klebestreifen reinprägt, und damit Sachen beschriften kann. Meine Sammlung an ähnlich aussehenden Pulvern in Gläsern ist gewachsen und ich möchte nicht Geschirrspülersalz mit Natron verwechseln oder die Zitronensäure mit Badesalz. Natürlich könnte ich erstmal die öden Etiketten zum händischen Beschriften verwenden - aber nur, um sie dann eh drei Wochen später durch die Prägeetiketten zu ersetzen?
Den aufgeschobenen Konsum möchte ich außerdem nicht im Dezember nachholen müssen, wenn alle Welt wahnsinnig wird.
Morgen geh ich mir daher die Prägemaschine kaufen und hol mir vielleicht noch einen BH. Ich werde die ganzen Flohmärkte genießen, die die sich jetzt im Herbst häufen und ja, ich werde mir Gewand kaufen, und wenn ich was finde, auch in den normalen Geschäften.
Sinn der Konsumauszeit für mich
Ich hab halt mal mitgemacht. Mit der Option im Hinterkopf, das Projekt auch wieder sein zu lassen. Mir war von Anfang an klar, dass das eigentlich eine Schnapsidee ist. Ich muss derzeit sowieso sparen, unbedachter Konsum ist von vornherein nicht drin. Und das schon seit längerer Zeit. Shoppen ist absolut nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Die Sachen aus meiner Liste brauch ich tatsächlich. Ok, Essen gehen muss ich mir verkneifen, aber das reicht für mich einfach nicht aus, um jetzt gleich eine Konsumauszeit draus zu machen. Das ist einfach zu wenig.
Es gibt andere Bereiche, wo ich für mich sinnvollere Projekte draus machen kann und vielleicht auch drüber blogge, wir werden sehen.
Ja, mehr gibts einfach nicht zu sagen. Für mich hat die Konsumauszeit grade einfach echt keinen Sinn. Aber ich beobachte die anderen Blogger weiterhin und lass mich inspirieren.
Was denkst du drüber?
Das neue Biedermeier
In Kommentaren zu Frau Dingdongs Gedanken zu Minimalismus und Konsumauszeit fragte Nanne, was Sabrina und ich mit dem Rückzug ins Private, den wir wahrnehmen, meinen.
Statt das nur in einen Kommentar zu packen, hab ich gedacht, ich antworte gleich hier im Blog.
Das mit dem neuen Biedermeier nehme ich schon seit Jahren so wahr. Generell. Was im 19. Jh. die starke Zensur ist heute die Verunsicherung und Überforderung mit Wirtschaftskrise, politischen Problemen, diversen Umbrüchen.
Was im Biedermeier der Rückzug ins traute Heim, die Picknicks, die Romantisierung des Landlebens und vergangener Zeiten (Mittelalter), die Naturgedichte waren, sind heute ebenfalls der Rückzug ins traute Heim (allein die schiere Unmenge an Einrichtungsblogs!), die Romantisierung vergangener Zeiten (Mitte des 20. Jahrhunderts: (Ur-)Omas Zeiten) und des Landlebens (Stadtflucht junger Familien, Auflagenzahlen von Magazinen wie "Landlust" - die häufig nur verträumt konsumiert werden, deren Inhalt aber nie umgesetzt wird).
Auch den Minimalismus in der heutigen Ausprägung seh ich darin verortet. Klar, es ist auch nur eine Frage der Zeit gewesen, bis immer mehr Menschen mit dem Überkonsum überfordert sind, völlig übersättigt. Aber die derzeitig vorherrschende Ausprägung vom Minimalismus bleibt hauptsächlich auf der Ebene von Besitztümern, von Zeug. Das traute Heim wird entrümpelt. Der Fokus bleibt biedermeierlich im Dunstkreis von "ich, meine Familie, mein engster Vertrautenkreis".
Auf der Strecke bleibt die Interaktion mit der Außenwelt. Politisches und gesellschaftliches Engagement.
Was denkst du drüber?
Statt das nur in einen Kommentar zu packen, hab ich gedacht, ich antworte gleich hier im Blog.
Das mit dem neuen Biedermeier nehme ich schon seit Jahren so wahr. Generell. Was im 19. Jh. die starke Zensur ist heute die Verunsicherung und Überforderung mit Wirtschaftskrise, politischen Problemen, diversen Umbrüchen.
Was im Biedermeier der Rückzug ins traute Heim, die Picknicks, die Romantisierung des Landlebens und vergangener Zeiten (Mittelalter), die Naturgedichte waren, sind heute ebenfalls der Rückzug ins traute Heim (allein die schiere Unmenge an Einrichtungsblogs!), die Romantisierung vergangener Zeiten (Mitte des 20. Jahrhunderts: (Ur-)Omas Zeiten) und des Landlebens (Stadtflucht junger Familien, Auflagenzahlen von Magazinen wie "Landlust" - die häufig nur verträumt konsumiert werden, deren Inhalt aber nie umgesetzt wird).
Auch den Minimalismus in der heutigen Ausprägung seh ich darin verortet. Klar, es ist auch nur eine Frage der Zeit gewesen, bis immer mehr Menschen mit dem Überkonsum überfordert sind, völlig übersättigt. Aber die derzeitig vorherrschende Ausprägung vom Minimalismus bleibt hauptsächlich auf der Ebene von Besitztümern, von Zeug. Das traute Heim wird entrümpelt. Der Fokus bleibt biedermeierlich im Dunstkreis von "ich, meine Familie, mein engster Vertrautenkreis".
Auf der Strecke bleibt die Interaktion mit der Außenwelt. Politisches und gesellschaftliches Engagement.
Was denkst du drüber?
8. November 2015
Konsumauszeit: Woche 1
Meine erste Tat diese Woche war, am ersten November mit meinen Neffen und meiner Nichte intensiv und völlig konsumfrei in einer alten Burgruine Laubrascheln zu gehen.
![]() |
| Ruine Schaumburg in Oberösterreich. Foto von mir. (So ganz zufrieden bin ich mit der Handykamera ja nicht...) |
Dann hab ich noch am selben Abend eine Liste angefangen mit Zeugs, das ich im Dezember dann kaufen muss oder möchte. Ähm ja. Natürlich hat man dann 4 Wochen Zeit, um über diese Kaufvorhaben zu reflektieren, aber auch aufgeschobener Konsum ist Konsum.
Und dann hab ich 250 Euro abgehoben. Jede Woche tu ich 50€ ins Geldbörsel. Weitere 50€ sind Notfallgeld.
Das war also meine Vorbereitung für dieses Monat.
Ok, ich hab auch eine Inventur gemacht von den Vorräten an Essen, die da sind und mir lose im Kopf ein paar Rezeptideen ausgedacht. Zwar hab ich die Vorräte sogar auf eine Liste geschrieben, aber den Zettel danach wieder weggeworfen. Ich brauch keine Inventarliste.
Die Brauch es auf Challenge wurde zwar von der Küchenrenovierung gedanklich und blogglich jäh unterbrochen, geht aber in dieser Konsumauszeit automatisch weiter. Da ich den gesamten Oktober keinen Herd hatte, war es nicht weit her mit dem Vorräte aufbrauchen.
Die Suche nach einem Wintermantel war zwar erfolglos (weder Schnitte, noch Stile stehen/passen mir, ich war ziemlich sehr grantig) - aber dafür hab ichs dann doch beim Änderungsschneider versucht. Der mal geschaut und mir den fehlerhaften Part für einen Zehner ausgetauscht hat. Man darf nicht so pessimistisch sein.
Trotzdem bin ich nach wie vor am Zweifeln, ob das wirklich so der gute Zeitpunkt für das Projekt ist. Wie Pia von Malmini hier auch schreibt, ist der unbedachte Zwischendurchkonsum für mich schon so lange kein Thema mehr. In den ersten zwei Semestern in Wien, wo ich plötzlich so viel Taschengeld gehabt hab wie nie zuvor, war ich schon noch gern shoppen. Es war was Neues, Tolles, Glitzerndes, Glänzendes, die Einkaufsstraße gleich ums Eck zu haben und Goth-Klamotten, hierzulande auch Gruftigwand genannt, nicht mehr bestellen zu müssen.
Aber Shoppen gehen ermüdet mich unglaublich. Überstimulation, Menschen, Herumrennen, Anprobieren, Kassastehen, drinnen heiß, draußen kalt, schlechte Luft, Augenbrennen... Es war der nervige Mittel zum Zweck, schöne oder notwendige Sachen zu besitzen. Und wie ich dann 2009 begonnen hab, radikal auszumisten - bin ich denn blöd dass ich mir wieder Zeug kauf?
Konsumauszeit? Im Gegenteil. Ich hab mich in den letzten Monaten zwingen müssen, endlich Gewand kaufen zu gehen, weils so bitter nötig ist. Jetzt falle ich nur in den alten Modus zurück. (Wobei zugegeben eines schon hart für mich ist: nicht Essen gehen.)
Es ist eigentlich absurd, wieso brauchen Minimalisten eine Konsumauszeit? Das fragt sich auch jemand auf Twitter. Ich brauch die eigentlich nicht und sicher die anderen im Grunde auch nicht wirklich. Aber es ist ein Projekt, das weite Kreise ziehen kann und Nichtminimalisten zum Nachdenken und Experimentieren anregt. (Nachtrag: lies mal, was Karo dazu denkt!)
Und ich spar mir meine Küche wieder rein. Auch fein.
Jedenfalls diese Sachen, die ich benötige (Gewand), gibts im Dezember auch noch. Hoffentlich. Vielleicht meine Farben dann sogar in größerer Menge? Im Oktober hab ich schon einige Kleidungsstücke gekauft, die ich eh erst in das Konzept meines Kleiderschrankinhalts integrieren muss. Das könnte ich dieses Monat machen. So eine Art "shop your closet". Hmmm.... ja, ok, ich bleib also auch in Woche 2 noch bei der Konsumauszeit. Die bei mir ja ein Sparmonat ist.
Und der Sparmonat ist so lala gegangen. Zuerst hab ich gedacht, ich schaffs tatsächlich mit den 50€ diese Woche. Aber dann ist mir einmal Fortgehen und eine dringend benötigte Massage für meinen renovierungsgeplagten Problemrücken dazwischengekommen und somit sinds 85€ für diese Woche, 30€ davon für Lebensmittel (Fortgehen exklusive).
Naja. Machst du auch mit und wenn ja, wie ist es bei dir so gelaufen?
1. November 2015
#Konsumauszeit: Startschuss!
Ok. Also heute gehts los, und... das ist jetzt nicht ganz so untricky.
Also, einerseits möcht ich unbedingt mitmachen.
Andererseits muss ich eine "Küche" (4 Küchenkasteln) kaufen und mein einziger Wintermantel ist natürlich genau jetzt eher unreparierbar kaputt geworden. Eigentlich suche ich immer noch 5 bestimmte Kleidungsstücke wie zB. eine zweite Jeans - und wegen der Warenverfügbarkeit sind Oktober-Dezember eigentlich exakt die Monate, wo ich Kleidung in meinen Farben finde. Eigentlich bin ich bescheuert, wenn ich grade im November eine Konsumauszeit mache.
Kann man das denn außerdem Konsumauszeit nennen, wenn ich außer den Basics (Lebensmittel + Öffi-Tickets) oben Genanntes kaufe? Ist denn Second Hand weniger Konsum? Kann ich die Küche, die ich eigentlich schon im Oktober bestellen hätte sollen, einfach ausklammern, als wär nix?
Ich habe auch noch schnell im Oktober eine Handvoll Oberteile gekauft (teilweise am Flohmarkt), weil sie wirklich notwendig waren, und meinen Kalender für 2016 und noch zwei Sachen. Zynisch irgendwie, oder?
Ich kann natürlich auch sagen, ich reduziere auf Lebensmittel+Öffis, nehme Wintermantel, Jeans und Küche als essentielle Ersatzkäufe hinzu und die restlichen 4 Kleidungsstücke finde ich wahrscheinlich eh nicht. Ausflüge sind bei mir eh eher mit den Öffis zur Endstation und dann Laubrascheln gehn.
Der Sinn der Konsumauszeit ist es aber eigentlich, sich mal von den ganzen Geschäften fernzuhalten und wieder ein Gefühl dafür zu bekommen, was man wirklich braucht. Vielleicht auch, um mal nachzufühlen, wie es Langzeitarbeitslosen geht. Wenn ich jetzt aber diese 5 Kleidungsstücke suche, weil ich sie halt wirklich brauch, und die Suche länger dauert weil ich ja so pingelig geworden bin durch mein Kleiderschrankprojekt, verbringe ich zwangsläufig ja trotz allem Zeit in Konsumräumen (Geschäfte, Onlineshops, Flohmärkte).
Schwierig. Aber ich probiers trotzdem. Meine Liste geht also so:
Erlaubt sind:
Außerdem soll es ein Sparmonat werden, wo ich insgesamt nur 200-250€ ausgeben möchte. Ausgenommen sind die Küche und der Wintermantel, da hol ich mir das Geld sowieso vom Sparbuch.
Der November ist eigentlich wirklich der blödeste Zeitpunkt für mich, eine Konsumauszeit zu machen. Werd ichs trotzdem schaffen? Oder scheitern, das Projekt abbrechen und meinem Kleiderschrank das dringend nötige Aufstocken gönnen? Denk dir diese Sätze von dem einen Typen gesprochen, der diese ganzen Tier-jagt-Tier-Szenen im Fernsehen spricht, unterlegt mit unnötig dramatischem Klangteppich.
Ok. Was sind deinen Gedanken dazu? Ist das was ich da probiere überhaupt noch Konsumauszeit?
Also, einerseits möcht ich unbedingt mitmachen.
Andererseits muss ich eine "Küche" (4 Küchenkasteln) kaufen und mein einziger Wintermantel ist natürlich genau jetzt eher unreparierbar kaputt geworden. Eigentlich suche ich immer noch 5 bestimmte Kleidungsstücke wie zB. eine zweite Jeans - und wegen der Warenverfügbarkeit sind Oktober-Dezember eigentlich exakt die Monate, wo ich Kleidung in meinen Farben finde. Eigentlich bin ich bescheuert, wenn ich grade im November eine Konsumauszeit mache.
Kann man das denn außerdem Konsumauszeit nennen, wenn ich außer den Basics (Lebensmittel + Öffi-Tickets) oben Genanntes kaufe? Ist denn Second Hand weniger Konsum? Kann ich die Küche, die ich eigentlich schon im Oktober bestellen hätte sollen, einfach ausklammern, als wär nix?
Ich habe auch noch schnell im Oktober eine Handvoll Oberteile gekauft (teilweise am Flohmarkt), weil sie wirklich notwendig waren, und meinen Kalender für 2016 und noch zwei Sachen. Zynisch irgendwie, oder?
Ich kann natürlich auch sagen, ich reduziere auf Lebensmittel+Öffis, nehme Wintermantel, Jeans und Küche als essentielle Ersatzkäufe hinzu und die restlichen 4 Kleidungsstücke finde ich wahrscheinlich eh nicht. Ausflüge sind bei mir eh eher mit den Öffis zur Endstation und dann Laubrascheln gehn.
Der Sinn der Konsumauszeit ist es aber eigentlich, sich mal von den ganzen Geschäften fernzuhalten und wieder ein Gefühl dafür zu bekommen, was man wirklich braucht. Vielleicht auch, um mal nachzufühlen, wie es Langzeitarbeitslosen geht. Wenn ich jetzt aber diese 5 Kleidungsstücke suche, weil ich sie halt wirklich brauch, und die Suche länger dauert weil ich ja so pingelig geworden bin durch mein Kleiderschrankprojekt, verbringe ich zwangsläufig ja trotz allem Zeit in Konsumräumen (Geschäfte, Onlineshops, Flohmärkte).
Schwierig. Aber ich probiers trotzdem. Meine Liste geht also so:
Erlaubt sind:
- Lebensmittel + Öffi-Tickets (wenn Rad und Fuß unzumutbar sind)
- Wintermantel + zweite Jeans + Küche
- Ausflüge
- Joker (Kleid, Rock, Pulli, langärmeliges T-Shirt - sollte ich überhaupt was finden)
Außerdem soll es ein Sparmonat werden, wo ich insgesamt nur 200-250€ ausgeben möchte. Ausgenommen sind die Küche und der Wintermantel, da hol ich mir das Geld sowieso vom Sparbuch.
Der November ist eigentlich wirklich der blödeste Zeitpunkt für mich, eine Konsumauszeit zu machen. Werd ichs trotzdem schaffen? Oder scheitern, das Projekt abbrechen und meinem Kleiderschrank das dringend nötige Aufstocken gönnen? Denk dir diese Sätze von dem einen Typen gesprochen, der diese ganzen Tier-jagt-Tier-Szenen im Fernsehen spricht, unterlegt mit unnötig dramatischem Klangteppich.
Ok. Was sind deinen Gedanken dazu? Ist das was ich da probiere überhaupt noch Konsumauszeit?
19. Oktober 2015
Greenpunk und Peak Everything
Frau Dingdong hat heute oder gestern einen Artikel über Amish-Futurismus verlinkt (hier gehts zum Artikel) - und schon hab ich wieder ein Bussi von meiner Muse auf der Wange, so ein nasses schlabbriges wie von einem überschwänglichen Zweijährigen.
Ich kenn natürlich die Amischen, aber ich hab vergessen, wie inspirierend sie zum Thema Konsumkritik sind, auch wenn ich mit Religion und religiösem Leben null anfangen kann, und auch einiges kritisch seh.
Entgegen allen futuristischen Settings in Dystopien und Sci-fi-Serien sehe ich persönlich die Zukunft sehr viel mehr Low Tech als den Filmemachern und Spieleentwicklern Spaß machen würde.
Low Tech, das sind schlaue Gerätschaften, die ohne Strom o.ä. auskommen. Fahrräder sind Low Tech, ein Mixer mit Handkurbel ist Low Tech, zwei Tonkrüge mit Erde dazwischen zur Aufbewahrung von Gemüse sind Low Tech, und Segelschiffe auch.
Niemand sagt, dass diese Sachen optisch daherkommen müssen wie aus dem 18. Jahrhundert, auch wenn das manch einer schick finden kann (ich zB :D). Niemand sagt, dass das Zeug nicht beim Nachbarn ausm 3D Drucker kommen darf.
Und niemand sagt, dass Segelschiffe einen zurück ins Mittelalter katapultieren. Moderne Segelschiffe sind erstens schick und modern anzusehen und zweitens den Motorenschiffen weit überlegen (kein Motor, kein Tank, dadurch schneller, wendiger und mehr Ladefläche). Wirf mal die Suchmaschine an, da gibts ganz abgefahrene Sachen, teilweise wirklich mit Segeln, teilweise mit Turbinen. Im Netzkonstrukteur-Blog gibts ein paar so geniale Technologien, wo Strom aus riesigen Grashalmen gewonnen wird. Äh, ich schweife ab.
Aber die Realität ist trotz allem, dass uns die Rohstoffe alle enorm ausgehen. Peak Oil ist bekannt - dass uns das Erdöl verpufft. Keine Sau würde sich für die kompliziert und teuer zu bewirtschaftenden Teersandfelder interessieren, wenn die Kacke nicht schon am Dampfen wär. Unsere Gesellschaft basiert so dermaßen auf Erdöl, dass uns das volle Ausmaß noch gar nicht bewusst ist.
Energie ist ein ganz zentrales Element im Funktionieren einer gesellschaftlichen Ordnung, aber es wird eigentlich nie angesprochen, auch die Wissenschaft ist meist auf dem Energie-Auge blind.
Pflanzen wandeln Sonnenenergie in essbare Kalorien um. Tiere essen Pflanzen und nehmen damit indirekt Sonnenenergie auf - sie eignen sich die Energie die sie zum lustig Herumspringen brauchen also an, indem sie prima Biomasse jausnen. Jäger/Sammler-Gesellschaften brauchen zum Leben auch Biomasse: Pflanzen, Tiere, Holz. Nicht alles wird für Energie gebraucht (indem man es in Bauchspeck oder Lagerfeuer umwandelt), sondern auch für Häuschen und Pfeile.
Die Agrargesellschaft (neolithische Revolution) geht einen Schritt weiter, sie eignet sich nicht nur frei herumliegende Biomasse an, sie erhöht die für sie verfügbare Energie, indem sie Natur kolonisiert. So nennt man das, wenn man Nutztiere züchtet und Ackerbau betreibt, also Ökosysteme gezielt so verändert, dass der Ertrag steigt. Wenn man das geschickt macht, hat man eine kleine Überproduktion, sodass 5% der Bevölkerung nicht in der Landwirtschaft tätig sein muss.
Der große Sprung kommt durch die industrielle Revolution, wo plötzlich durch fossile Energieträger, also Kohle und später Erdöl, dermaßen große Mengen an Energie zur Verfügung stehen, wie niemals zuvor (und mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals danach...). Eine Gesellschaft kann sich nur innerhalb der energetischen Grenzen entwickeln - und die sind abhängig vom Boden, wo unser Bohnenaufstrich sozusagen rauswächst. Wirds mit dem eigenen Boden eng, holt man sichs von woanders (Kolonialismus). Fossile Energieträger haben also ein ganz wesentliches Problem (kurzzeitig) gelöst - Party!
Der wesentliche Punkt ist, Energie war immer der zentrale begrenzende Faktor und man muss alle gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen auch auf dem Hintergrund der verfügbaren Energie(träger) betrachten (leider wird das auch in der Wissenschaft meistens ignoriert).
Aber das mit der Energie ist ja noch nicht alles. Der ganze Rest geht uns aus. Um die Ernährung von 7, 8 oder 10 Milliarden Menschen zu gewährleisten, brauchen wir zum Beispiel Düngemittel. Ohne die Grüne Revolution wäre die heutige Lebensmittelproduktion ja gar nicht möglich. Düngemittel kommt aber nicht aus dem Nichts. Ja ok, mit dem Haber-Bosch-Verfahren kann man sich Ammoniak sozusagen aus der Luft ziehen (allerdings nur mit enormen Energieeinsatz, und die geht uns ja bekanntlich aus). Aber sonst können wir uns Phosphor nur aus dem Berg holen - und auch das geht uns aus.
Die fruchtbaren Böden gehen uns aus. Erstens historisch bedingt - die ersten Siedlungen waren natürlich dort, wo was gut wächst. Wenn Siedlungen sich räumlich ausdehnen (urban sprawl), schlucken sie dann blöderweise genau diesen fruchtbaren Boden. Zweitens natürlich die Übersäuerung und Bodenerosion. Boden ist eine endliche Ressource. Was weg ist, ist weg. Puff. Die Humusschicht braucht viele hundert Jahre, um sich wieder aufzubauen und bis dahin muss man sie natürlich komplett in Ruhe lassen. Außer es hat sich eine Wüste gebildet, dann ist es eher mal zu spät, tät ich sagen.
Viele Metalle gehen uns aus - allen voran die Seltenen Erden. Die sind nicht in dem Sinne selten, sondern nur meistens in so Minimengen vertreten, dass man unglaublich viel mehr Geld in den Abbau stecken müsste, als rausschauen würde. Es gibt ein paar Orte, wo die konzentrierter vorkommen, und die leeren sich grade fleißig. Ist halt blöd, dass Photovoltaik zB ohne Seltene Erden nicht geht.
Die Liste ginge noch weiter. Trinkwasser zum Beispiel, ganz schirches Problem. Ach, wirf einfach mal die Suchmaschine an und such nach "Peak Everything". Halte Frustkekse bereit. Bio, wenn geht.
All diese Ressourcen sind viel wichtiger und grundlegender für unsere heutige Gesellschaft, als wir uns das im Alltag bedenken.
Dass wir eine Dienstleistungsgesellschaft haben, wo nur noch 2-5% der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeiten muss, das geht nur mit Erdöl. Weil wir so die menschliche Arbeit im physikalischen Sinne nicht mehr brauchen. Es ist eine einfache Rechnung: Je mehr Überproduktion von landwirtschaftlichen Produkten, desto komplexer kann eine Gesellschaft sein. Agrarische Gesellschaften sind wenig komplex. Bei 5% nichtlandwirtschaftlicher Bevölkerung ist da nur eine kleine Adelsschicht drin. Entweder man beutet andere Völker aus (Kolonialismus) und kommt so zu mehr Rohstoffen, oder man ersetzt irgendwie Arbeitskraft durch zB. Erdöl. Man darf gespannt sein, wie sich das weiterentwickeln wird. Zurück ins Mittelalter ist keine Option, allein schon deswegen, weil die Uhr, tickitacki, immer nur nach vorne geht. Was aber alles an der Ressource Erdöl hängt, darfst du dir selber mit einem Mindmap malen, ein richtig dichtes Netz aus Ernährung, Transport, Globalisierung, Komplexität, Arbeitszeitreduktion, Hobbies, Lebensstile, Verteilungsgerechtigkeit, Dienstleistungen, Medizin, gobale Gerechtigkeit, Arbeitsmobilität, Infrastruktur und Raumplanung... Und alle Linien haben Pfeile, oft in beide Richtungen. Wie werden sich Infrastrukturen entwickeln, wenn das Pendeln zum Arbeitsplatz nicht mehr möglich ist? Wie werden sich unsere Konsummuster ändern müssen, wenn die energiehungrigen Industrien umdenken mussten? Wie wird das tägliche Leben in Familien aussehen? Welche Produkte werden wir nutzen? Lass dich in deinen Gedanken treiben. Besorg dir für das Mindmap besser ein Blatt in A1-Größe und schreib klein...
Und nein, Erdöl lässt sich niemals durch Strom aus Wasser/Wind/etc. ersetzen. Nicht in der Menge, wie wir die Energie grade verbraten. Aber das weißt du ja.
Inmitten so einer Realität muss ich leider bei den ganzen Weltraumfantasien herzlich lachen. Die Verfügbarkeit von Energie ist ein wesentlicher Faktor, auch was an gesellschaftlichen Geschmacksrichtungen verfügbar ist. Woher soll die Energie kommen für bemannte Raumfahrt wie in Star Trek? Atomkraft? Klar, es gibt Leute, die fest an die kalte Fusion glauben. Aber wir sollten doch aus der Geschichte über die Risikospirale (Begriff von Ulrich Beck, wenn mich nicht alles täuscht) gelernt haben. Jede neue Technologie soll in Wahrheit ja die Risiken und Probleme der alten Technologie lösen, aber bringt nur wieder neue Risiken in die Welt. Die Atomkraft wurde in Zeiten vom sauren Regen, der ja durch die Emissionen aus Kohlekraftwerken verursacht wurde, gefeiert. Bis uns mal ganz dezent ein Atomkraftwerk um die Ohren geflogen ist. Nö, ich glaube nicht an die kalte Fusion.
Ich glaube an Greenpunk.
So wie Steampunk ein vergangenes Energie- und Technikregime (Kohle/Dampf und Mechanik) in die Zukunft projiziert, projiziere ich mit meinem voll cool ganz alleine ausgedachten Prinzip des Greenpunk ein auf Biomasse basierendes Regime in die Zukunft. Nur halt ohne die ganzen uncoolen Sachen wie Patriarchat, Feudalismus, Pest und sowas. Und wirklich nix spricht gegen 3D Drucker. Aber halt das mit dem High Tech mal mit mehr Abstand sehen. Weil sonst ist man nur traurig und maulig, wenn wir wieder auf ein Energiemengenniveau von, keine Ahnung, 1920 oder so, zurückfallen.
Deswegen bin ich Minimalistin.
Es gibt ja so viele Gründe, reduziert zu leben, wie es reduziert Lebende gibt. Einer meiner beiden Hauptgründe ist Peak Everything. Er ist bereits Realität. Aber während andere noch mit Scheuklappen jedes Jahr auf die Malediven fliegen (solang es die noch gibt), bereite ich mich mental auf ein postfossiles Leben vor.
Und deswegen hab ich irgendwie auch immer nur ein müdes Lächeln für all diese High-Tech-Romantik übrig. Ich sag: Low Tech ist die Zukunft. Greenpunk :D
Deine Meinung?
Ich kenn natürlich die Amischen, aber ich hab vergessen, wie inspirierend sie zum Thema Konsumkritik sind, auch wenn ich mit Religion und religiösem Leben null anfangen kann, und auch einiges kritisch seh.
Entgegen allen futuristischen Settings in Dystopien und Sci-fi-Serien sehe ich persönlich die Zukunft sehr viel mehr Low Tech als den Filmemachern und Spieleentwicklern Spaß machen würde.
Low Tech, das sind schlaue Gerätschaften, die ohne Strom o.ä. auskommen. Fahrräder sind Low Tech, ein Mixer mit Handkurbel ist Low Tech, zwei Tonkrüge mit Erde dazwischen zur Aufbewahrung von Gemüse sind Low Tech, und Segelschiffe auch.
Niemand sagt, dass diese Sachen optisch daherkommen müssen wie aus dem 18. Jahrhundert, auch wenn das manch einer schick finden kann (ich zB :D). Niemand sagt, dass das Zeug nicht beim Nachbarn ausm 3D Drucker kommen darf.
Und niemand sagt, dass Segelschiffe einen zurück ins Mittelalter katapultieren. Moderne Segelschiffe sind erstens schick und modern anzusehen und zweitens den Motorenschiffen weit überlegen (kein Motor, kein Tank, dadurch schneller, wendiger und mehr Ladefläche). Wirf mal die Suchmaschine an, da gibts ganz abgefahrene Sachen, teilweise wirklich mit Segeln, teilweise mit Turbinen. Im Netzkonstrukteur-Blog gibts ein paar so geniale Technologien, wo Strom aus riesigen Grashalmen gewonnen wird. Äh, ich schweife ab.
Aber die Realität ist trotz allem, dass uns die Rohstoffe alle enorm ausgehen. Peak Oil ist bekannt - dass uns das Erdöl verpufft. Keine Sau würde sich für die kompliziert und teuer zu bewirtschaftenden Teersandfelder interessieren, wenn die Kacke nicht schon am Dampfen wär. Unsere Gesellschaft basiert so dermaßen auf Erdöl, dass uns das volle Ausmaß noch gar nicht bewusst ist.
Energie ist ein ganz zentrales Element im Funktionieren einer gesellschaftlichen Ordnung, aber es wird eigentlich nie angesprochen, auch die Wissenschaft ist meist auf dem Energie-Auge blind.
Unsere Geschichte geht ja nämlich so:
Pflanzen wandeln Sonnenenergie in essbare Kalorien um. Tiere essen Pflanzen und nehmen damit indirekt Sonnenenergie auf - sie eignen sich die Energie die sie zum lustig Herumspringen brauchen also an, indem sie prima Biomasse jausnen. Jäger/Sammler-Gesellschaften brauchen zum Leben auch Biomasse: Pflanzen, Tiere, Holz. Nicht alles wird für Energie gebraucht (indem man es in Bauchspeck oder Lagerfeuer umwandelt), sondern auch für Häuschen und Pfeile.
Die Agrargesellschaft (neolithische Revolution) geht einen Schritt weiter, sie eignet sich nicht nur frei herumliegende Biomasse an, sie erhöht die für sie verfügbare Energie, indem sie Natur kolonisiert. So nennt man das, wenn man Nutztiere züchtet und Ackerbau betreibt, also Ökosysteme gezielt so verändert, dass der Ertrag steigt. Wenn man das geschickt macht, hat man eine kleine Überproduktion, sodass 5% der Bevölkerung nicht in der Landwirtschaft tätig sein muss.
Der große Sprung kommt durch die industrielle Revolution, wo plötzlich durch fossile Energieträger, also Kohle und später Erdöl, dermaßen große Mengen an Energie zur Verfügung stehen, wie niemals zuvor (und mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals danach...). Eine Gesellschaft kann sich nur innerhalb der energetischen Grenzen entwickeln - und die sind abhängig vom Boden, wo unser Bohnenaufstrich sozusagen rauswächst. Wirds mit dem eigenen Boden eng, holt man sichs von woanders (Kolonialismus). Fossile Energieträger haben also ein ganz wesentliches Problem (kurzzeitig) gelöst - Party!
Der wesentliche Punkt ist, Energie war immer der zentrale begrenzende Faktor und man muss alle gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen auch auf dem Hintergrund der verfügbaren Energie(träger) betrachten (leider wird das auch in der Wissenschaft meistens ignoriert).
Und der ganze Rest...
Aber das mit der Energie ist ja noch nicht alles. Der ganze Rest geht uns aus. Um die Ernährung von 7, 8 oder 10 Milliarden Menschen zu gewährleisten, brauchen wir zum Beispiel Düngemittel. Ohne die Grüne Revolution wäre die heutige Lebensmittelproduktion ja gar nicht möglich. Düngemittel kommt aber nicht aus dem Nichts. Ja ok, mit dem Haber-Bosch-Verfahren kann man sich Ammoniak sozusagen aus der Luft ziehen (allerdings nur mit enormen Energieeinsatz, und die geht uns ja bekanntlich aus). Aber sonst können wir uns Phosphor nur aus dem Berg holen - und auch das geht uns aus.
Die fruchtbaren Böden gehen uns aus. Erstens historisch bedingt - die ersten Siedlungen waren natürlich dort, wo was gut wächst. Wenn Siedlungen sich räumlich ausdehnen (urban sprawl), schlucken sie dann blöderweise genau diesen fruchtbaren Boden. Zweitens natürlich die Übersäuerung und Bodenerosion. Boden ist eine endliche Ressource. Was weg ist, ist weg. Puff. Die Humusschicht braucht viele hundert Jahre, um sich wieder aufzubauen und bis dahin muss man sie natürlich komplett in Ruhe lassen. Außer es hat sich eine Wüste gebildet, dann ist es eher mal zu spät, tät ich sagen.
Viele Metalle gehen uns aus - allen voran die Seltenen Erden. Die sind nicht in dem Sinne selten, sondern nur meistens in so Minimengen vertreten, dass man unglaublich viel mehr Geld in den Abbau stecken müsste, als rausschauen würde. Es gibt ein paar Orte, wo die konzentrierter vorkommen, und die leeren sich grade fleißig. Ist halt blöd, dass Photovoltaik zB ohne Seltene Erden nicht geht.
Die Liste ginge noch weiter. Trinkwasser zum Beispiel, ganz schirches Problem. Ach, wirf einfach mal die Suchmaschine an und such nach "Peak Everything". Halte Frustkekse bereit. Bio, wenn geht.
Peak Everything vs. heutige Gesellschaft
All diese Ressourcen sind viel wichtiger und grundlegender für unsere heutige Gesellschaft, als wir uns das im Alltag bedenken.
Dass wir eine Dienstleistungsgesellschaft haben, wo nur noch 2-5% der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeiten muss, das geht nur mit Erdöl. Weil wir so die menschliche Arbeit im physikalischen Sinne nicht mehr brauchen. Es ist eine einfache Rechnung: Je mehr Überproduktion von landwirtschaftlichen Produkten, desto komplexer kann eine Gesellschaft sein. Agrarische Gesellschaften sind wenig komplex. Bei 5% nichtlandwirtschaftlicher Bevölkerung ist da nur eine kleine Adelsschicht drin. Entweder man beutet andere Völker aus (Kolonialismus) und kommt so zu mehr Rohstoffen, oder man ersetzt irgendwie Arbeitskraft durch zB. Erdöl. Man darf gespannt sein, wie sich das weiterentwickeln wird. Zurück ins Mittelalter ist keine Option, allein schon deswegen, weil die Uhr, tickitacki, immer nur nach vorne geht. Was aber alles an der Ressource Erdöl hängt, darfst du dir selber mit einem Mindmap malen, ein richtig dichtes Netz aus Ernährung, Transport, Globalisierung, Komplexität, Arbeitszeitreduktion, Hobbies, Lebensstile, Verteilungsgerechtigkeit, Dienstleistungen, Medizin, gobale Gerechtigkeit, Arbeitsmobilität, Infrastruktur und Raumplanung... Und alle Linien haben Pfeile, oft in beide Richtungen. Wie werden sich Infrastrukturen entwickeln, wenn das Pendeln zum Arbeitsplatz nicht mehr möglich ist? Wie werden sich unsere Konsummuster ändern müssen, wenn die energiehungrigen Industrien umdenken mussten? Wie wird das tägliche Leben in Familien aussehen? Welche Produkte werden wir nutzen? Lass dich in deinen Gedanken treiben. Besorg dir für das Mindmap besser ein Blatt in A1-Größe und schreib klein...
Und nein, Erdöl lässt sich niemals durch Strom aus Wasser/Wind/etc. ersetzen. Nicht in der Menge, wie wir die Energie grade verbraten. Aber das weißt du ja.
Raumschiffe und Marsbesiedelung? Eh niedlich.
Inmitten so einer Realität muss ich leider bei den ganzen Weltraumfantasien herzlich lachen. Die Verfügbarkeit von Energie ist ein wesentlicher Faktor, auch was an gesellschaftlichen Geschmacksrichtungen verfügbar ist. Woher soll die Energie kommen für bemannte Raumfahrt wie in Star Trek? Atomkraft? Klar, es gibt Leute, die fest an die kalte Fusion glauben. Aber wir sollten doch aus der Geschichte über die Risikospirale (Begriff von Ulrich Beck, wenn mich nicht alles täuscht) gelernt haben. Jede neue Technologie soll in Wahrheit ja die Risiken und Probleme der alten Technologie lösen, aber bringt nur wieder neue Risiken in die Welt. Die Atomkraft wurde in Zeiten vom sauren Regen, der ja durch die Emissionen aus Kohlekraftwerken verursacht wurde, gefeiert. Bis uns mal ganz dezent ein Atomkraftwerk um die Ohren geflogen ist. Nö, ich glaube nicht an die kalte Fusion.
Ich glaube an Greenpunk.
So wie Steampunk ein vergangenes Energie- und Technikregime (Kohle/Dampf und Mechanik) in die Zukunft projiziert, projiziere ich mit meinem voll cool ganz alleine ausgedachten Prinzip des Greenpunk ein auf Biomasse basierendes Regime in die Zukunft. Nur halt ohne die ganzen uncoolen Sachen wie Patriarchat, Feudalismus, Pest und sowas. Und wirklich nix spricht gegen 3D Drucker. Aber halt das mit dem High Tech mal mit mehr Abstand sehen. Weil sonst ist man nur traurig und maulig, wenn wir wieder auf ein Energiemengenniveau von, keine Ahnung, 1920 oder so, zurückfallen.
Deswegen bin ich Minimalistin.
Es gibt ja so viele Gründe, reduziert zu leben, wie es reduziert Lebende gibt. Einer meiner beiden Hauptgründe ist Peak Everything. Er ist bereits Realität. Aber während andere noch mit Scheuklappen jedes Jahr auf die Malediven fliegen (solang es die noch gibt), bereite ich mich mental auf ein postfossiles Leben vor.
Und deswegen hab ich irgendwie auch immer nur ein müdes Lächeln für all diese High-Tech-Romantik übrig. Ich sag: Low Tech ist die Zukunft. Greenpunk :D
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Postfossil
3. Dezember 2014
Was würdest du arbeiten, wenn für dein Einkommen gesorgt wäre?
Dass unser Wirtschaftssystem ordentlich kränkelt, merkt man finde ich vor allem in der Vorweihnachtszeit.
Die Leute können sich immer weniger leisten und trotzdem kaufen sie wie die Wahnnsinnigen. Teilhabe an der Konsumkultur ist so wichtig wie nie zuvor - relative Armut heißt das dann, wenn man zwar nicht hungert und nicht friert, aber sich Kino- und Restaurantbesuche, den Flug auf die Malediven und das neueste iPhone nicht leisten kann.
Arbeitslosenzahlen steigen, während jene die Erwerbsarbeit haben immer unzufriedener und ausgebrannter und überarbeiteter werden (und aus Frust mehr kaufen?), die Arbeitsverhältnisse immer ungerechter (All-in-Verträge, ECHT JETZT?!), der Erwerbslebenslauf immer zerspragelter (nach der Uni ist vor der Uni: mit 3 prekären Teilzeitjobs so dahinwurschteln, dazwischen unregelmäßige Arbeitslosigkeit).
Da denkt man sich schon: Warum ist Einkommen eigentlich noch kein Menschenrecht? Und was könnte mit der Konsumspirale passieren, wenn man keine Existenzängste mehr haben muss?
Wer vom Konzept "Bedingungsloses Grundeinkommen" noch nie oder nur den Namen gehört hat - und für alle anderen auch -, für den hab ich jetzt was Schönes zum Nachdenken für die Adventszeit:
Die Leute können sich immer weniger leisten und trotzdem kaufen sie wie die Wahnnsinnigen. Teilhabe an der Konsumkultur ist so wichtig wie nie zuvor - relative Armut heißt das dann, wenn man zwar nicht hungert und nicht friert, aber sich Kino- und Restaurantbesuche, den Flug auf die Malediven und das neueste iPhone nicht leisten kann.
Arbeitslosenzahlen steigen, während jene die Erwerbsarbeit haben immer unzufriedener und ausgebrannter und überarbeiteter werden (und aus Frust mehr kaufen?), die Arbeitsverhältnisse immer ungerechter (All-in-Verträge, ECHT JETZT?!), der Erwerbslebenslauf immer zerspragelter (nach der Uni ist vor der Uni: mit 3 prekären Teilzeitjobs so dahinwurschteln, dazwischen unregelmäßige Arbeitslosigkeit).
Da denkt man sich schon: Warum ist Einkommen eigentlich noch kein Menschenrecht? Und was könnte mit der Konsumspirale passieren, wenn man keine Existenzängste mehr haben muss?
Wer vom Konzept "Bedingungsloses Grundeinkommen" noch nie oder nur den Namen gehört hat - und für alle anderen auch -, für den hab ich jetzt was Schönes zum Nachdenken für die Adventszeit:
Ich mag ja den Schweizer Akzent so gern!
Damit das Bild aber zurechtgerückt wird, hier auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema, wenn du magst:
Damit das Bild aber zurechtgerückt wird, hier auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema, wenn du magst:
Wie denkst du über dieses Thema? Wär das was? Oder lieber nicht? Und was würdest du arbeiten, wenn für dein Einkommen gesorgt wäre?
24. November 2014
Mit dem MBTI Menschen durchschauen (2)
Wie letzte Woche angekündigt ergibt der MBTI für mich ehrlich gesagt erst richtig Sinn, wenn man in die Details geht.
Kurz erklärt: Die Buchstaben S N T F gibt es eigentlich in zwei Ausführungen. Es macht einen Unterschied, ob man diese Funktionen internalisiert oder externalisiert (bzw. introvertiert oder extrovertiert).
Ein Beispiel: Person A und Person B sind beide Sensors. Aber:
Der Unterschied zwischen den beiden ist: Person A externalisiert das Sensing (das S bekommt hier ein kleines e dazu: Se), also sein Sensing interagiert besonders mit der Außenwelt, Person B internalisiert es (Si), diese Sensing-Funktion interagiert besonders mit der Innenwelt.
Die Funktionen sind also nun im Detail: Se/Si, Ne/Ni, Te/Ti, Fe/Fi.
Im Internet auch unter cognitive functions bekannt.
Si ist introvertiertes Sensing: Si vergleicht ständig die Gegenwart mit der Vergangenheit und nimmt kleine Details sehr genau wahr. Si sammelt sowohl Erfahrungen (die ständig mit bisherigen abgeglichen werden), als auch praktisches Wissen bzw. Wissen, das praktisch angewendet werden kann.
Ne ist extrovertierte iNtuition: Für Ne ist die Zukunft immer eine Explosion an Möglichkeiten. Neue Ideen sind sein Antrieb, alle Möglichkeiten vor sich zu haben, macht Ne glücklich, Langweilt sich aber auch schnell.
Ni ist introvertierte iNtuition: Ni hat für die Zukunft eher ein bestimmtes Ziel vor Augen, eine bestimmte Vision, die anvisiert wird. Ni sammelt Informationen und Wissen wie ein neurotischer Schwamm, der nie voll ist. Ni weiß Dinge oft einfach, ohne sagen zu können warum oder woher.
Fe ist extrovertiertes Feeling: Fe nimmt Emotionen von anderen sehr stark wahr (oft sogar stärker als die eigenen), lässt sich leicht mitreißen und auch leicht runterziehen. Fe orientiert sich stark an den die Person umgebenden Werthaltungen. Fe heult eher, weil es mit den Gefühlen anderer so mitfühlt, als dass es wegen eigenen Gefühlen weint.
Fi ist introvertiertes Feeling: Fi hat ein reges Gefühlsleben, das allerdings nicht so sehr nach außen gelangt - auch, weil Fi sich schwer tut, seine reichen Emotionen zu artikulieren. Gefühle sind für Fi-User eher sehr privat, aber auch sehr unabhängig von anderen. Dinge sind für Fi völlig unabhängig vom sozialen Umfeld richtig oder falsch.
Te ist extrovertiertes Thinking: Te wendet Logik nach außen an: Organisation, Ordnung, Effizienz, Umsetzung. Fakten.
Ti ist introvertiertes Thinking: Ti wendet Logik nach innen an. Will immer wissen, wie und warum etwas funktioniert. Analysiert alles.
Du findest hier eine gute Übersicht über die Funktionen. Wenn du besser verstehen willst, was die jeweiligen intro/extro Versionen unterscheidet, gibt es hier kurz und knackig die Erklärungen:
Sensing: Se vs. Si
Intuition: Ne vs. Ni
Feeling: Fe vs. Fi
Thinking: Te vs. Ti
Ein INTP verwendet zum Beispiel, abgestuft nach Stärke: Ti Ne Si Fe Te Ni Se Fi.
Die erste Funktion (auch dominant function genannt, hier also ein Ti-dom) ist die am Stärksten ausgeprägteste, die auch stark die Identität dieser Person ausmacht.
Die 2. Funktion (auxiliary, hier: Ne-aux) und die 3. Funktion (tertiary; hier: Si) sind schon nicht mehr so ausgeprägt, aber trotzdem fleißig in Nutzung, die 4. Funktion (inferior; hier: Fi) arbeitet meistens eher ungeübt und sehr im Hintergrund. Da die 4. Funktion schon so patschert ist, sind die restlichen 4 Funktionen (auch Schattenfunktionen genannt) schon gar nicht mehr identitätsstiftend - man verwendet sie höchstens ganz selten, wenns grad sein muss. Deswegen zählen eigentlich nur die ersten 4.
Ein INTP verwendet also: Ti Ne Si Fe. (Welche Funktionen die anderen Typen nutzen, findest du hier)
Du siehst, es kommt drauf an, an welcher Stelle eine Funktion steht. Je weiter vorne, desto geübter ist man, je weiter hinten, desto ungeübter. Die erste Funktion ist dermaßen natürlich für einen, dass man sich oft schwer tut, sie bei sich selbst überhaupt wahrzunehmen. Die letzte Funktion ist patschert, kindisch, entweder ganz ein oder ganz aus - und man kann wenig dagegen tun. Ein bisschen trainieren schadet nicht, aber man wird gegen jemanden, der diese Funktion weiter oben im "stack" hat, immer abloosen.
Ok, und wie schaut das jetzt im Detail aus?
Wie erkenn ich denn, ob ich Se an erster Stelle oder an dritter hab?
Hierzu gibts eine gute, kurze und knackige Übersicht darüber, wie die Funktionen sich an den verschiedensten Stellen zeigen:
Se und Si / Ne und Ni / Te und Ti / Fe und Fi
Was du auch sehen kannst: jeder Feeler verwendet auch eine Thinker-Funktion und umgekehrt. Auch jeder Sensor verwendet eine iNtuitive-Funktion (und umgekehrt). Es ist so sehr viel realitätsnaher und die nervigen Klischees und Vorurteile (Thinker sind eiskalte Rationalisten, Feeler sind irrationale Waschlappen etc.) können sich schnell brausen gehn.
Die Funktionen arbeiten natürlich auch stark miteinander. Wenn mein INTP-Freund Pizza bestellt, werden zuerst alle Möglichkeiten ausgelotet (Ne), um dann anhand von Analysen (Euro/cm² bei unterschiedlichen Pizzagrößen plus Onlinebewertungen, die nach lukullischer Glaubwürdigkeit gewichtet werden, was anhand von Nickname- und Reizwortanalyse passiert) das beste Preis/Leistungsverhältnis zu eruieren (Ti), schließlich fühlt er meinen extrem bösen ausgehungerten Blick im Nacken und bestellt mir zuliebe seufzend mit noch unausgegorener Analyse (Fe). Sein Si registriert, ob das letzte Mal mehr Pfefferoni drauf waren. (Und ich übertreibe nicht!)
Welche Funktionen nutzt du? Vermutlich hast du dich schon bei ein paar wiedergefunden. Vielleicht hilft dir auch diese Spielerei weiter: Die Funktionen gehen in einen Vergnügungspark.
Außerdem kannst du auch einen Test machen: cognitive functions quiz. Gibts nur auf Englisch, nimm dir ein Wörterbuch, wenn du dir bei einem Wort nicht 100% sicher bist, dass du weißt was es bedeutet.
Es gibt Leute/Experten, die behaupten, je mehr Buchstaben man sich teilt, desto harmonischer ist die zwischenmenschliche Beziehung. ENFP und ENFJ zum Beispiel. Oder ISTP und ISFP. Wenn man aber in die Funktionen reingeht, ist die Ähnlichkeit schon wieder dahin: ENFP (Ne Fi Te Si) und ENFJ (Fe Ni Se Ti) haben überhaupt keine Gemeinsamkeit hier. ISTP (Ti Se Ni Fe) und ISFP (Fi Se Ni Te) schon mehr. Die selben Funktionen, nur in unterschiedlicher Anordnung teilen sich zum Beispiel ISTP, ESTP, INFJ und ENFJ.
Dann gibt es Leute/Experten, die der Meinung sind, N und S müssen gleich sein, aber die anderen Buchstaben idealerweise komplett "geflipped". ESTP und ISFJ, INTP und ENFJ etc. Das Wichtigste sei die gemeinsame Basis als Sensor oder Intuitive, in den anderen "Buchstaben" ist es aber gut, wenn man sich gegenseitig ausbalanciert.
Dann wieder andere sehen das perfekte "Paar", wenn alles anders ist, weil jeder dem anderen geben kann, was er selbst nicht gut kann und somit zwei Hälften perfekt aufeinander passen. ISTP und ENFJ zum Beispiel. Da haben wir im Detail aber Ti Se Ni Fe und Fe Ni Se Ti - also wieder nix mit "komplette Gegensätze, die sich gegenseitig ausbalancieren".
Eher, dass ENFJ seine niedrigeren zwei Funtionen gut trainieren kann, indem es Zeit mit dem ISTP verbringt und umgekehrt. Das wäre dann wieder der "Lernansatz", dass man mit dem anderen Partner optimal wachsen kann.
Bist du jetzt verwirrt? Gut so. Denn du siehst, man kann nicht mal innerhalb des MBTI so einfach sagen, was jetzt (auf den ersten Blick) Gemeinsamkeiten sind und mit wem man sich vertragen wird. Und dazu kommt dann auch noch, dass das Zusammenspiel einerseits zwischen MBTI und dem persönlichen Hintergrund (Erfahrungen, Sozialisierung, Kultur, Zeit, Familie/Freunde ...), andererseits innerhalb des MBTIs (unterschiedlich trainierte Funktionen, "ungesunde" Versionen etc) so komplex ist, dass man einfach nicht fix voraussagen kann, mit wem man sich vertragen wird: Man kann von dem einen ENFP ur genervt sein, aber der andere ENFP ist seit Kindheit an der engste Freund. Man kann sogar Menschen mit dem selben MBTI wie man selbst einfach nicht mögen dafür mit vermeintlich "falschen" MBTIs jahrzentelang glücklich befreundet oder verheiratet sein.
Ernsthaft, Leute: Tendenzen hin oder her, der Einzelfall entscheidet.
Wir sind alle viel mehr als nur der MBTI.
Generell ist es leichter, je besser man die Person kennt.
Was man als Außenstehender am meisten wahrnimmt, sind die externalisierten Funktionen. Die internalisierten laufen ja im Kopf drin ab. Wenn man also auf der Arbeit einen Kollegen hat, der ganz eindeutig und ständig Ne verwendet, kann man sich noch nicht sicher sein, dass das auch seine dominante Funktion ist. Internalisierte Funktionen passieren im Kopf drin und sind schwerer herauszufinden, sie äußern sich erst im täglichen, intimeren Umgang miteinander. Und manchmal äußern sich Funktionen im Alltag auch (vermeintlich) ähnlich (Si und Ni kann zB leicht verwechselt werden). Die unterschiedlichsten MBTIs können das selbe Hobby haben - warum sie das Hobby haben und wie sie damit umgehen ist ausschlaggebend für den MBTI.
Wenn ich andere Leute analysiere, geh ich sowohl von der "einfachen Buchstabenversion", als auch von den in diesem Posting beschriebenen kognitiven Funktionen aus. Es sind ja einfach zwei Blickwinkel auf die selben Typen. Aber besser funktionierts schon mit den kognitiven Funktionen, bzw. sind die dann letztlich ausschlaggebend.
Mir persönlich hilft auch der Vergleich mit mir selbst und wie Menschen mit mir wechselwirken oder wir gegenseitig aufeinander reagieren und wo oft Missverständnisse oder auch blindtaubes Verstehen aufkommen.
Interessant wirds auch, wenn man beobachtet, welche Funktion am patschertsten angewendet wird - die kommt nämlich meist bei Stresssituationen zum Vorschein (viele Infos dazu im unten angeführten Buchtipp von Naomi Quenk).
Aufpassen muss man aber bei den vielen vielen Klischees, die im Netz kursieren. Der funkyMTBI-Blog korrigiert ständig Stereotype, also lesen und staunen und lernen :)
Trotzdem kann man verschiedene Typen durchaus an Lebensstil und Hobbies erkennen. Schau dir mal diese kurze Auflistung an.
Falls es dich aber beruhigt, ich hab noch nicht bei allen Menschen in meinem Umfeld herausgefunden, welcher MBTI sie sind. Teilweise hab ich sie auch einfach Tests machen lassen (vor allem damals wo das Thema noch ganz neu für mich war). Es gibt Leute, wo einen der Typ richtiggehend anspringt, und welche wo man sich nie 100% sicher ist. Es gibt auch nicht ganz so wenige Leute, die sich selbst falsch eingeschätzt haben und nach ein bisschen Lektüre draufkommen, Moment!
Da können, aber müssen keine Stereotype Schuld sein.
Vielleicht geht es dir aber bald genauso wie mir, dass du Menschen mit dem MBTI nicht nur besser verstehst, sondern sie auch besser wertschätzen kannst, für das was sie sind. Und das, was du bist, und du kannst.
Du wirst es bemerkt haben, ich hab dazu einen Lieblingsblog: funky mbti fiction
Neben der kurzweiligen Analyse von Protagonisten in Filmen und Büchern werden viele Fragen zum Thema MBTI und kognitive Funktionen beantwortet. Klick dich auch mal durch die Navigationsleiste.
Es gibt natürlich auch ernsthaftere Lektüre irgendwo da draußen, aber ganz ehrlich: Dieser Blog macht so viel mehr Spaß.
Sehr lustig finde ich auch das Projekt hier: Wie die unterschiedlichen Typen in der Postapokalypse handeln. Natürlich (absichtlich) beinhart viele Klischees, aber genau das macht es ja so lustig zu lesen.
Nachtrag: Mittlerweile kann ich auch Bücher empfehlen:
Naomi Quenk: Was that really me? (Der Titel sagt es nicht, aber es geht darum, wie die MBTI-Typen mit Stress umgehen, wie sie aus Stresssituationen rausfinden und welche Arbeitsumgebung ihnen guttut. Enorm hilfreich, wenn du dir unsicher bei deinem Typ bist. Es ist fast gruselig wie die Sachen da drin stimmen... Und sehr hilfreich, um die einzelnen kognitiven Funktionen besser zu verstehen. Dieses Buch ist genial!)
Tieger & Barron-Tieger: Nurture by Nature (Der MBTI von Kindern, aber hilft auch beim Typisieren von anderen und mit dem Umgang mit anderen MBTI-Typen als deinem eigenen)
Und wer sich fragt, warum INFJs alle so geil auf MBTI sind - hier die Erklärung.
Na, alles klar? Oder doch zu viel Info auf einmal? Verrätst du mir deinen MBTI (sofern dus noch nicht getan hast)?
Kurz erklärt: Die Buchstaben S N T F gibt es eigentlich in zwei Ausführungen. Es macht einen Unterschied, ob man diese Funktionen internalisiert oder externalisiert (bzw. introvertiert oder extrovertiert).
Ein Beispiel: Person A und Person B sind beide Sensors. Aber:
- Person A liebt Action, braucht Action. Er ist Kletterlehrer und ständig auf Achse. Hier Rafting, dort Paragliding. Sein Lebensstil braucht eine schnelle und präzise Wahrnehmung seiner Umwelt (und die hat er auch).
- Person B braucht die Action nicht. Sie ist Restaurateurin und liebt die kleinen Details. Ihre Hobbies neben dem Job sind die Malerei und kulturelle Reisen, und die hat sie schon seit Kindheit an.
Der Unterschied zwischen den beiden ist: Person A externalisiert das Sensing (das S bekommt hier ein kleines e dazu: Se), also sein Sensing interagiert besonders mit der Außenwelt, Person B internalisiert es (Si), diese Sensing-Funktion interagiert besonders mit der Innenwelt.
Die kognitiven Funktionen
Die Funktionen sind also nun im Detail: Se/Si, Ne/Ni, Te/Ti, Fe/Fi.
Im Internet auch unter cognitive functions bekannt.
Hier eine kleine Übersicht:
Se ist extrovertiertes Sensing: Se nimmt seine Umwelt sehr klar wahr: Lichter! Farben! Formen! Geräusche! Glitzer! Geschwindigkeit! Se lebt im Hier und Jetzt, Handelt sofort. Se geht Risiken ein und liebt Action.Si ist introvertiertes Sensing: Si vergleicht ständig die Gegenwart mit der Vergangenheit und nimmt kleine Details sehr genau wahr. Si sammelt sowohl Erfahrungen (die ständig mit bisherigen abgeglichen werden), als auch praktisches Wissen bzw. Wissen, das praktisch angewendet werden kann.
Ne ist extrovertierte iNtuition: Für Ne ist die Zukunft immer eine Explosion an Möglichkeiten. Neue Ideen sind sein Antrieb, alle Möglichkeiten vor sich zu haben, macht Ne glücklich, Langweilt sich aber auch schnell.
Ni ist introvertierte iNtuition: Ni hat für die Zukunft eher ein bestimmtes Ziel vor Augen, eine bestimmte Vision, die anvisiert wird. Ni sammelt Informationen und Wissen wie ein neurotischer Schwamm, der nie voll ist. Ni weiß Dinge oft einfach, ohne sagen zu können warum oder woher.
Fe ist extrovertiertes Feeling: Fe nimmt Emotionen von anderen sehr stark wahr (oft sogar stärker als die eigenen), lässt sich leicht mitreißen und auch leicht runterziehen. Fe orientiert sich stark an den die Person umgebenden Werthaltungen. Fe heult eher, weil es mit den Gefühlen anderer so mitfühlt, als dass es wegen eigenen Gefühlen weint.
Fi ist introvertiertes Feeling: Fi hat ein reges Gefühlsleben, das allerdings nicht so sehr nach außen gelangt - auch, weil Fi sich schwer tut, seine reichen Emotionen zu artikulieren. Gefühle sind für Fi-User eher sehr privat, aber auch sehr unabhängig von anderen. Dinge sind für Fi völlig unabhängig vom sozialen Umfeld richtig oder falsch.
Te ist extrovertiertes Thinking: Te wendet Logik nach außen an: Organisation, Ordnung, Effizienz, Umsetzung. Fakten.
Ti ist introvertiertes Thinking: Ti wendet Logik nach innen an. Will immer wissen, wie und warum etwas funktioniert. Analysiert alles.
Du findest hier eine gute Übersicht über die Funktionen. Wenn du besser verstehen willst, was die jeweiligen intro/extro Versionen unterscheidet, gibt es hier kurz und knackig die Erklärungen:
Sensing: Se vs. Si
Intuition: Ne vs. Ni
Feeling: Fe vs. Fi
Thinking: Te vs. Ti
Zusammenspiel der kognitiven Funktionen
Alle Menschen verwenden alle diese Funktionen. Allerdings unterschiedlich stark.Ein INTP verwendet zum Beispiel, abgestuft nach Stärke: Ti Ne Si Fe Te Ni Se Fi.
Die erste Funktion (auch dominant function genannt, hier also ein Ti-dom) ist die am Stärksten ausgeprägteste, die auch stark die Identität dieser Person ausmacht.
Die 2. Funktion (auxiliary, hier: Ne-aux) und die 3. Funktion (tertiary; hier: Si) sind schon nicht mehr so ausgeprägt, aber trotzdem fleißig in Nutzung, die 4. Funktion (inferior; hier: Fi) arbeitet meistens eher ungeübt und sehr im Hintergrund. Da die 4. Funktion schon so patschert ist, sind die restlichen 4 Funktionen (auch Schattenfunktionen genannt) schon gar nicht mehr identitätsstiftend - man verwendet sie höchstens ganz selten, wenns grad sein muss. Deswegen zählen eigentlich nur die ersten 4.
Ein INTP verwendet also: Ti Ne Si Fe. (Welche Funktionen die anderen Typen nutzen, findest du hier)
Du siehst, es kommt drauf an, an welcher Stelle eine Funktion steht. Je weiter vorne, desto geübter ist man, je weiter hinten, desto ungeübter. Die erste Funktion ist dermaßen natürlich für einen, dass man sich oft schwer tut, sie bei sich selbst überhaupt wahrzunehmen. Die letzte Funktion ist patschert, kindisch, entweder ganz ein oder ganz aus - und man kann wenig dagegen tun. Ein bisschen trainieren schadet nicht, aber man wird gegen jemanden, der diese Funktion weiter oben im "stack" hat, immer abloosen.
Ok, und wie schaut das jetzt im Detail aus?
Wie erkenn ich denn, ob ich Se an erster Stelle oder an dritter hab?
Hierzu gibts eine gute, kurze und knackige Übersicht darüber, wie die Funktionen sich an den verschiedensten Stellen zeigen:
Se und Si / Ne und Ni / Te und Ti / Fe und Fi
Was du auch sehen kannst: jeder Feeler verwendet auch eine Thinker-Funktion und umgekehrt. Auch jeder Sensor verwendet eine iNtuitive-Funktion (und umgekehrt). Es ist so sehr viel realitätsnaher und die nervigen Klischees und Vorurteile (Thinker sind eiskalte Rationalisten, Feeler sind irrationale Waschlappen etc.) können sich schnell brausen gehn.
Die Funktionen arbeiten natürlich auch stark miteinander. Wenn mein INTP-Freund Pizza bestellt, werden zuerst alle Möglichkeiten ausgelotet (Ne), um dann anhand von Analysen (Euro/cm² bei unterschiedlichen Pizzagrößen plus Onlinebewertungen, die nach lukullischer Glaubwürdigkeit gewichtet werden, was anhand von Nickname- und Reizwortanalyse passiert) das beste Preis/Leistungsverhältnis zu eruieren (Ti), schließlich fühlt er meinen extrem bösen ausgehungerten Blick im Nacken und bestellt mir zuliebe seufzend mit noch unausgegorener Analyse (Fe). Sein Si registriert, ob das letzte Mal mehr Pfefferoni drauf waren. (Und ich übertreibe nicht!)
Welche Funktionen nutzt du? Vermutlich hast du dich schon bei ein paar wiedergefunden. Vielleicht hilft dir auch diese Spielerei weiter: Die Funktionen gehen in einen Vergnügungspark.
Außerdem kannst du auch einen Test machen: cognitive functions quiz. Gibts nur auf Englisch, nimm dir ein Wörterbuch, wenn du dir bei einem Wort nicht 100% sicher bist, dass du weißt was es bedeutet.
Zusammenspiel zwischen Menschen
Es gibt da sehr viele Ansichten, teilweise auch ganz unterschiedliche. Eigentlich läuft es auf die beiden küchenpsychologischen Standard-Wahrheiten hinaus: a) Gleich und gleich gesellt sich gern / b) Gegensätze ziehen sich anEs gibt Leute/Experten, die behaupten, je mehr Buchstaben man sich teilt, desto harmonischer ist die zwischenmenschliche Beziehung. ENFP und ENFJ zum Beispiel. Oder ISTP und ISFP. Wenn man aber in die Funktionen reingeht, ist die Ähnlichkeit schon wieder dahin: ENFP (Ne Fi Te Si) und ENFJ (Fe Ni Se Ti) haben überhaupt keine Gemeinsamkeit hier. ISTP (Ti Se Ni Fe) und ISFP (Fi Se Ni Te) schon mehr. Die selben Funktionen, nur in unterschiedlicher Anordnung teilen sich zum Beispiel ISTP, ESTP, INFJ und ENFJ.
Dann gibt es Leute/Experten, die der Meinung sind, N und S müssen gleich sein, aber die anderen Buchstaben idealerweise komplett "geflipped". ESTP und ISFJ, INTP und ENFJ etc. Das Wichtigste sei die gemeinsame Basis als Sensor oder Intuitive, in den anderen "Buchstaben" ist es aber gut, wenn man sich gegenseitig ausbalanciert.
Dann wieder andere sehen das perfekte "Paar", wenn alles anders ist, weil jeder dem anderen geben kann, was er selbst nicht gut kann und somit zwei Hälften perfekt aufeinander passen. ISTP und ENFJ zum Beispiel. Da haben wir im Detail aber Ti Se Ni Fe und Fe Ni Se Ti - also wieder nix mit "komplette Gegensätze, die sich gegenseitig ausbalancieren".
Eher, dass ENFJ seine niedrigeren zwei Funtionen gut trainieren kann, indem es Zeit mit dem ISTP verbringt und umgekehrt. Das wäre dann wieder der "Lernansatz", dass man mit dem anderen Partner optimal wachsen kann.
Bist du jetzt verwirrt? Gut so. Denn du siehst, man kann nicht mal innerhalb des MBTI so einfach sagen, was jetzt (auf den ersten Blick) Gemeinsamkeiten sind und mit wem man sich vertragen wird. Und dazu kommt dann auch noch, dass das Zusammenspiel einerseits zwischen MBTI und dem persönlichen Hintergrund (Erfahrungen, Sozialisierung, Kultur, Zeit, Familie/Freunde ...), andererseits innerhalb des MBTIs (unterschiedlich trainierte Funktionen, "ungesunde" Versionen etc) so komplex ist, dass man einfach nicht fix voraussagen kann, mit wem man sich vertragen wird: Man kann von dem einen ENFP ur genervt sein, aber der andere ENFP ist seit Kindheit an der engste Freund. Man kann sogar Menschen mit dem selben MBTI wie man selbst einfach nicht mögen dafür mit vermeintlich "falschen" MBTIs jahrzentelang glücklich befreundet oder verheiratet sein.
Ernsthaft, Leute: Tendenzen hin oder her, der Einzelfall entscheidet.
Wir sind alle viel mehr als nur der MBTI.
Andere Menschen analysieren
Generell ist es leichter, je besser man die Person kennt.
Was man als Außenstehender am meisten wahrnimmt, sind die externalisierten Funktionen. Die internalisierten laufen ja im Kopf drin ab. Wenn man also auf der Arbeit einen Kollegen hat, der ganz eindeutig und ständig Ne verwendet, kann man sich noch nicht sicher sein, dass das auch seine dominante Funktion ist. Internalisierte Funktionen passieren im Kopf drin und sind schwerer herauszufinden, sie äußern sich erst im täglichen, intimeren Umgang miteinander. Und manchmal äußern sich Funktionen im Alltag auch (vermeintlich) ähnlich (Si und Ni kann zB leicht verwechselt werden). Die unterschiedlichsten MBTIs können das selbe Hobby haben - warum sie das Hobby haben und wie sie damit umgehen ist ausschlaggebend für den MBTI.
Wenn ich andere Leute analysiere, geh ich sowohl von der "einfachen Buchstabenversion", als auch von den in diesem Posting beschriebenen kognitiven Funktionen aus. Es sind ja einfach zwei Blickwinkel auf die selben Typen. Aber besser funktionierts schon mit den kognitiven Funktionen, bzw. sind die dann letztlich ausschlaggebend.
Mir persönlich hilft auch der Vergleich mit mir selbst und wie Menschen mit mir wechselwirken oder wir gegenseitig aufeinander reagieren und wo oft Missverständnisse oder auch blindtaubes Verstehen aufkommen.
Interessant wirds auch, wenn man beobachtet, welche Funktion am patschertsten angewendet wird - die kommt nämlich meist bei Stresssituationen zum Vorschein (viele Infos dazu im unten angeführten Buchtipp von Naomi Quenk).
Aufpassen muss man aber bei den vielen vielen Klischees, die im Netz kursieren. Der funkyMTBI-Blog korrigiert ständig Stereotype, also lesen und staunen und lernen :)
Trotzdem kann man verschiedene Typen durchaus an Lebensstil und Hobbies erkennen. Schau dir mal diese kurze Auflistung an.
Falls es dich aber beruhigt, ich hab noch nicht bei allen Menschen in meinem Umfeld herausgefunden, welcher MBTI sie sind. Teilweise hab ich sie auch einfach Tests machen lassen (vor allem damals wo das Thema noch ganz neu für mich war). Es gibt Leute, wo einen der Typ richtiggehend anspringt, und welche wo man sich nie 100% sicher ist. Es gibt auch nicht ganz so wenige Leute, die sich selbst falsch eingeschätzt haben und nach ein bisschen Lektüre draufkommen, Moment!
Da können, aber müssen keine Stereotype Schuld sein.
Vielleicht geht es dir aber bald genauso wie mir, dass du Menschen mit dem MBTI nicht nur besser verstehst, sondern sie auch besser wertschätzen kannst, für das was sie sind. Und das, was du bist, und du kannst.
Links
Du wirst es bemerkt haben, ich hab dazu einen Lieblingsblog: funky mbti fiction
Neben der kurzweiligen Analyse von Protagonisten in Filmen und Büchern werden viele Fragen zum Thema MBTI und kognitive Funktionen beantwortet. Klick dich auch mal durch die Navigationsleiste.
Es gibt natürlich auch ernsthaftere Lektüre irgendwo da draußen, aber ganz ehrlich: Dieser Blog macht so viel mehr Spaß.
Sehr lustig finde ich auch das Projekt hier: Wie die unterschiedlichen Typen in der Postapokalypse handeln. Natürlich (absichtlich) beinhart viele Klischees, aber genau das macht es ja so lustig zu lesen.
Nachtrag: Mittlerweile kann ich auch Bücher empfehlen:
Naomi Quenk: Was that really me? (Der Titel sagt es nicht, aber es geht darum, wie die MBTI-Typen mit Stress umgehen, wie sie aus Stresssituationen rausfinden und welche Arbeitsumgebung ihnen guttut. Enorm hilfreich, wenn du dir unsicher bei deinem Typ bist. Es ist fast gruselig wie die Sachen da drin stimmen... Und sehr hilfreich, um die einzelnen kognitiven Funktionen besser zu verstehen. Dieses Buch ist genial!)
Tieger & Barron-Tieger: Nurture by Nature (Der MBTI von Kindern, aber hilft auch beim Typisieren von anderen und mit dem Umgang mit anderen MBTI-Typen als deinem eigenen)
Und wer sich fragt, warum INFJs alle so geil auf MBTI sind - hier die Erklärung.
Na, alles klar? Oder doch zu viel Info auf einmal? Verrätst du mir deinen MBTI (sofern dus noch nicht getan hast)?
19. November 2014
Mit dem MBTI Menschen durchschauen (1)
Ich hab vor 1-2 Jahren was entdeckt, von dem ich ziemlich begeistert bin. Es hilft mir, mich selbst und andere besser zu verstehen. Warum jemand etwas tut, das ich nicht nachvollziehen kann. Oder warum ich in ähnlichen Situationen andere Entscheidungen treffe, als andere.
Ich bin so begeistert von dieser Hilfestellung, dass ich sie dir weitergeben möchte!
Es geht um die Myers-Briggs-Persönlichkeitstypen bzw. den Myers-Briggs-TypeIndicator, abgekürzt mit MBTI.
Das ist ein psychologisches Typensystem, das auf den kognitiven Funktionen von Carl Gustav Jung beruht und im englischsprachigen Raum recht beliebt und bekannt ist, im deutschsprachigen Raum leider gar nicht. Eingesetzt wird es gerne in der Paartherapie und bei Teamzusammenstellungen.
Es gibt beim MBTI 16 Persönlichkeitstypen, die sich jeweils aus einem Buchstabenkürzel (4 Buchstaben) zusammensetzen. Die Buchstaben stehen für Eigenschaften, zum Beispiel extrovertiert oder introvertiert.
Es gibt 4 gegensätzliche Eigenschaftenpaare, die jeweils eine Skala bilden. Zum Beispiel eben Extravertiert - Introvertiert. Jeder Mensch findet sich irgendwo auf dieser Skala wieder.
Introvertierte beziehen ihre Energie von Innen, zB aus dem genüßlichen Alleinsein. Auch Introvertierte sind gern unter Menschen, aber es ermüdet sie. Ihre Batterien laden sie daher daheim auf der Couch oder mit einem Buch im Park auf. Sie haben meist einen eher kleinen, aber sehr beständigen und intimen Freundeskreis. Ihre Gedanken ordnen sie lieber im Kopf und teilen erst das Ergebnis laut mit. (Introvertiert heißt nicht, schüchtern! Schüchternheit ist die Angst vor sozialer Zurückweisung oder Demütigung. Es gibt auch schüchterne Extravertierte.)
iNtuitive (N, denn das I ist ja schon vergeben) mögen abstrakte, theoretische Dinge, Ideen und Konzepte, sie denken stark in Zusammenhängen.
Thinker entscheiden zweckmäßiger und brauchen diese persönliche Basis nicht unbedingt (persönlicher Smalltalk mit Projektkollegen? Wozu?), mögen sie vielleicht auch nicht. Auch wenn sie viel besser darin sind, "harte" Entscheidungen zu treffen, haben Thinker natürlich genauso Gefühle wie Feeler.
Judger planen sehr gerne, sind meist gut organisiert und mögen es, wenn eine Entscheidung gefallen ist.
E oder I
S oder N
T oder F
P oder J
Da kommen dann solche Typenbezeichnungen raus: ENTJ oder ISTP usw.
Manchmal bekommen diese Typen auch Namen, wie "der Entertainer", unter denen man sich vielleicht mehr vorstellen kann, aber neutraler sind halt die Buchstaben.
Vermutlich kannst du dich und den einen oder anderen Mitmenschen da schon ein bisschen einordnen. Ich bin ein INFJ. (Links zu diversen Typenbeschreibungen findest du unten.)
Diese "Buchstaben" sind nicht statisch, sondern interagieren miteinander. Zum Beispiel sind extrovertierte Thinker (ExTx) oft wesentlich weniger extrovertiert als ihre Feeler-Kollegen (ExFx). Umgekehrt sind introvertierte Feeler (IxFx) oft ebenfalls weniger introvertiert als Thinker (IxTx) - oder wirken auf andere weniger introvertiert. Oder: Ein N, das eher in anderen Gedankensphären schwebt als ein down to earth S, das seine Umwelt genauer wahrnimmt, pfuscht gern in die Ordnungsliebe von J rein (kann sich skurril äußern, zB eine permanent chaotische Küche inmitten einer fast penibel ordentlichen Wohnung - *hust*). Du wirst im Netz über noch mehr Beispiele stolpern.
Die größten Gemeinsamkeiten haben übrigens die NFs, NTs, SPs und SJs jeweils miteinander. Meist findet man in seinem Freundeskreis auch vermehrt Typen aus der eigenen Gruppe. Die wenigsten Gemeinsamkeiten dürften zwischen iNtuitives und Sensors bestehen, wenn man sich die persönlichen Erfahrungen von Laien und Experten im Netz so durchliest - einfach weil die Kommunikation schwer ist. Allerdings steh ich persönlich offenbar ziemlich auf ISFJs und es gibt auch viele funktionierende Ehen zwischen S und N - das mit den angeblich kompatiblen und inkompatbilen Typen (liest man viel im Netz drüber) ist in jedem Einzelfall wohl anders zu bewerten, auch wenn es Tendenzen gibt. Zwei Menschen gleichen MBTI-Typens teilen sich vielleicht Denkmuster, Motivationen hinter Handlungen und ähnliches, aber trotzdem sind wir alle ja mehr als nur diese 4 Buchstaben ;).
1) Es ist gut so, wie du bist. Jeder Typ hat Stärken und Schwächen, gemeinsam ergänzen wir uns und wenn einer der Typen wegfallen würde, hätten wir auf diesem Planeten ein ziemliches Problem (oder halt mehr als wir eh schon haben).
2) Man kommt nicht aus seiner Haut raus. Diese "Buchstaben" und ihre Ausprägungen sind angeboren. Natürlich kann man sein Verhalten anpassen und tut es situationsabhängig sowieso zu einem gewissen Grad, aber wenn man ein Leben gegen seinen Typ lebt, wird man krank. Deswegen ist es super, wenn wir uns selbst und andere besser verstehen - und daher uns selbst und andere so annehmen lernen, wie wir sind. Da gibt es gleich so viele zwischenmenschliche Probleme weniger (es hat schon einen Grund, warum die Amis das System in der Paartherapie anwenden!).
Ich hab zum Beispiel gelernt, dass ich in Wahrheit introvertiert bin (INFJ). Dadurch dass ich gern viel plapper und sehr leicht überall Anschluss finde, hat mich meine schüchterne Mutter (ISFJ) immer für eine Extravertierte gehalten. Ich habe auch immer versucht, extravertiert zu sein um dem Eindruck von anderen zu genügen, aber es hat nicht so wirklich geklappt. Ich hab immer gedacht, mit mir rennt was verkehrt, wenn ich mich immer schon so früh von Parties vertschüsst hab (meist unter dem Vorwand, müde zu sein) oder wenn ich anderen ihren großen Freundeskreis geneidet, aber selber nie einen hinbekommen hab. Als Introvertierte aber weiß ich jetzt, dass ich so sein darf. Dass ich tiefgehende, langjährige Freundschaften bevorzuge und verdammt nochmal keine Energie für einen riesigen Freundeskreis hab. Dass ich nach 4 Stunden Party "müde" sein darf und daheim dann doch noch bis um 3 im Netz häng oder lese - es sind schließlich zwei verschiedene "müde".
Ich versteh jetzt auch, dass meine Mutter als Sensor (ISFJ) einfach nicht anders kann, als ihre Reise in allen kleinsten Details vom Start bis zum Ende zu erzählen (ich als iNtuitive würde zuerst mal die Highlights erzählen und bei Nachfrage halt bestimmte Details. Zu viele Details ermüden mich). Oder dass mein Persiever-Vater (ESTP) eben nichts Erquickenderes findet, als einfach mal spontan am Wochenende die Haustüre zu versetzen (man kommt bei meinen Eltern jetzt durch einen anderen Raum ins Haus). Oder dass meiner ENFJ-Freundin allein daheim einfach wirklich die Decke auf den Kopf fällt, weil sie extravertiert ist und daher viele Menschen um sich braucht und auch viel Stimulation von außen, während ich mich auch stundenlang alleine "still beschäftigen" kann (und will) und mich zu viel Stimulation von außen sogar überfordert.
Ich genieße jetzt Menschen umso mehr und muss immer leise und liebevoll lachen, wenn sie sich gemäß ihres MBTIs verhalten :D
Ich persönlich finde es ja oft leichter, Menschen (sei es sich selbst oder andere) zu typisieren, wenn man mithilfe der kognitiven Funktionen ins Detail geht. Dazu mein Posting nächste Woche!
keirsey temperament sorter (geht auch auf Deutsch :) wenn du nur einen machen willst, nimm den)
humanmetrics
16personalities
celebritytypes
Disclaimer: Tests sind für den ersten Eindruck. Das Ergebnis muss nicht stimmen, oft müssen noch 1-2 Buchstaben "umgedreht" werden. Wenn du beim Lesen von deiner Typenbeschreibung das Gefühl hast, der erste Test hat den Kern noch nicht ganz erwischt: Lies mal die "Nachbar"-Typen (bei einem ENTJ zB ENTP, ESTJ, ENFJ etc.), du kannst auch die anderen Tests noch machen (evtl. auch öfter). Außerdem extrem hilfreich dabei wie gesagt: die kognitiven Funktionen im nächsten Posting.
Disclaimer2: Nimm dir für die englischen Tests ein Wörterbuch, wenn du dir bei einem Wort nicht 100% sicher bist, was es bedeutet!
Typenbeschreibungen
16personalities
personality junkie (hat auch einen Test)
alfredgessl.at/ (deutschsprachige, aber schon lange nicht mehr upgedatete Seite (und ein bisschen... retro) von einem MBTI-Laien. Ein bisschen verwirrend, weil andere Typenbezeichnungen verwendet werden. Aber: auf Deutsch und v.a. auch Beziehungen zwischen Typen (Eltern-Kind, Partner).)
Du findest weitere Beschreibungen, wenn du das jeweilige Buchstabenkürzel googelst
Foren
typology central
personality cafe
Bücher
David Keirsey: Please Understand Me II: Temperament, Character, Intelligence (nur engl. verfügbar)
David Keirsey: Versteh mich bitte (die deutsche Version von der veralteten Ausgabe vom oben genannten Buch)
Stefanie Stahl, Melanie Alt: So bin ich eben! Erkenne dich selbst und andere (unterhaltsame Einführung für Komplettneulinge, die sich noch nicht durchs Netz wühlen wollen. Gibts sicher auch in deiner Bibliothek!)
Was hältst du von dem Thema? Hast du schon davon gehört? Und ich bin ja so furchtbar neugierig: welcher Typ bist du?
PS: Hier gehts weiter zu Teil2!
Ich bin so begeistert von dieser Hilfestellung, dass ich sie dir weitergeben möchte!
Es geht um die Myers-Briggs-Persönlichkeitstypen bzw. den Myers-Briggs-TypeIndicator, abgekürzt mit MBTI.
Das ist ein psychologisches Typensystem, das auf den kognitiven Funktionen von Carl Gustav Jung beruht und im englischsprachigen Raum recht beliebt und bekannt ist, im deutschsprachigen Raum leider gar nicht. Eingesetzt wird es gerne in der Paartherapie und bei Teamzusammenstellungen.
Es gibt beim MBTI 16 Persönlichkeitstypen, die sich jeweils aus einem Buchstabenkürzel (4 Buchstaben) zusammensetzen. Die Buchstaben stehen für Eigenschaften, zum Beispiel extrovertiert oder introvertiert.
Es gibt 4 gegensätzliche Eigenschaftenpaare, die jeweils eine Skala bilden. Zum Beispiel eben Extravertiert - Introvertiert. Jeder Mensch findet sich irgendwo auf dieser Skala wieder.
Die Buchstaben
Extravertiert oder introvertiert: E oder I
Extravertierte beziehen ihre Energie von außen, zB aus sozialer Interaktion. Sie könnten nach einer Party noch ewig weiterfeiern, weil ihnen die anderen Menschen so viel Energie geben. Sie haben meistens einen sehr großen Freundes- und Bekanntenkreis. Ihre Gedanken können sie am Besten "laut" und in Interaktion mit anderen ordnen.Introvertierte beziehen ihre Energie von Innen, zB aus dem genüßlichen Alleinsein. Auch Introvertierte sind gern unter Menschen, aber es ermüdet sie. Ihre Batterien laden sie daher daheim auf der Couch oder mit einem Buch im Park auf. Sie haben meist einen eher kleinen, aber sehr beständigen und intimen Freundeskreis. Ihre Gedanken ordnen sie lieber im Kopf und teilen erst das Ergebnis laut mit. (Introvertiert heißt nicht, schüchtern! Schüchternheit ist die Angst vor sozialer Zurückweisung oder Demütigung. Es gibt auch schüchterne Extravertierte.)
Sensor oder iNtuitiver: S oder N
Sensors nehmen ihre Umwelt sehr genau wahr, kein Detail entgeht ihnen. Sie mögen konkrete und praktische Dinge.iNtuitive (N, denn das I ist ja schon vergeben) mögen abstrakte, theoretische Dinge, Ideen und Konzepte, sie denken stark in Zusammenhängen.
Thinker oder Feeler: T oder F
Feeler beziehen in ihre Entscheidungen stark die eigenen Gefühle oder jene anderer Menschen mit ein bzw. in ihrem sozialen Umfeld allgemeingültige Moralvorstellungen. Zwischenmenschliche Beziehungen (auch auf der Arbeit) sehen sie gerne auf einer persönlicheren Basis. Das heißt aber nicht, dass sie gefühlsduselig oder irrational sind.Thinker entscheiden zweckmäßiger und brauchen diese persönliche Basis nicht unbedingt (persönlicher Smalltalk mit Projektkollegen? Wozu?), mögen sie vielleicht auch nicht. Auch wenn sie viel besser darin sind, "harte" Entscheidungen zu treffen, haben Thinker natürlich genauso Gefühle wie Feeler.
Perceiver oder Judger: P oder J
Perceiver sind sehr spontane Menschen und sie mögen es, wenn alle Möglichkeiten vor ihnen liegen.Judger planen sehr gerne, sind meist gut organisiert und mögen es, wenn eine Entscheidung gefallen ist.
Die Buchstabenkombinationen
Jeder Mensch tendiert also in eine der beiden Richtungen, ist also eher Perceiver oder Judger. Dadurch kann er sich dann ein Buchstabenquartett geben:E oder I
S oder N
T oder F
P oder J
Da kommen dann solche Typenbezeichnungen raus: ENTJ oder ISTP usw.
Manchmal bekommen diese Typen auch Namen, wie "der Entertainer", unter denen man sich vielleicht mehr vorstellen kann, aber neutraler sind halt die Buchstaben.
Vermutlich kannst du dich und den einen oder anderen Mitmenschen da schon ein bisschen einordnen. Ich bin ein INFJ. (Links zu diversen Typenbeschreibungen findest du unten.)
Diese "Buchstaben" sind nicht statisch, sondern interagieren miteinander. Zum Beispiel sind extrovertierte Thinker (ExTx) oft wesentlich weniger extrovertiert als ihre Feeler-Kollegen (ExFx). Umgekehrt sind introvertierte Feeler (IxFx) oft ebenfalls weniger introvertiert als Thinker (IxTx) - oder wirken auf andere weniger introvertiert. Oder: Ein N, das eher in anderen Gedankensphären schwebt als ein down to earth S, das seine Umwelt genauer wahrnimmt, pfuscht gern in die Ordnungsliebe von J rein (kann sich skurril äußern, zB eine permanent chaotische Küche inmitten einer fast penibel ordentlichen Wohnung - *hust*). Du wirst im Netz über noch mehr Beispiele stolpern.
Die größten Gemeinsamkeiten haben übrigens die NFs, NTs, SPs und SJs jeweils miteinander. Meist findet man in seinem Freundeskreis auch vermehrt Typen aus der eigenen Gruppe. Die wenigsten Gemeinsamkeiten dürften zwischen iNtuitives und Sensors bestehen, wenn man sich die persönlichen Erfahrungen von Laien und Experten im Netz so durchliest - einfach weil die Kommunikation schwer ist. Allerdings steh ich persönlich offenbar ziemlich auf ISFJs und es gibt auch viele funktionierende Ehen zwischen S und N - das mit den angeblich kompatiblen und inkompatbilen Typen (liest man viel im Netz drüber) ist in jedem Einzelfall wohl anders zu bewerten, auch wenn es Tendenzen gibt. Zwei Menschen gleichen MBTI-Typens teilen sich vielleicht Denkmuster, Motivationen hinter Handlungen und ähnliches, aber trotzdem sind wir alle ja mehr als nur diese 4 Buchstaben ;).
Was mir am MBTI so gefällt
Für mich sendet dieses MBTI-Zeugs zwei wichtige Messages aus:1) Es ist gut so, wie du bist. Jeder Typ hat Stärken und Schwächen, gemeinsam ergänzen wir uns und wenn einer der Typen wegfallen würde, hätten wir auf diesem Planeten ein ziemliches Problem (oder halt mehr als wir eh schon haben).
2) Man kommt nicht aus seiner Haut raus. Diese "Buchstaben" und ihre Ausprägungen sind angeboren. Natürlich kann man sein Verhalten anpassen und tut es situationsabhängig sowieso zu einem gewissen Grad, aber wenn man ein Leben gegen seinen Typ lebt, wird man krank. Deswegen ist es super, wenn wir uns selbst und andere besser verstehen - und daher uns selbst und andere so annehmen lernen, wie wir sind. Da gibt es gleich so viele zwischenmenschliche Probleme weniger (es hat schon einen Grund, warum die Amis das System in der Paartherapie anwenden!).
Ich hab zum Beispiel gelernt, dass ich in Wahrheit introvertiert bin (INFJ). Dadurch dass ich gern viel plapper und sehr leicht überall Anschluss finde, hat mich meine schüchterne Mutter (ISFJ) immer für eine Extravertierte gehalten. Ich habe auch immer versucht, extravertiert zu sein um dem Eindruck von anderen zu genügen, aber es hat nicht so wirklich geklappt. Ich hab immer gedacht, mit mir rennt was verkehrt, wenn ich mich immer schon so früh von Parties vertschüsst hab (meist unter dem Vorwand, müde zu sein) oder wenn ich anderen ihren großen Freundeskreis geneidet, aber selber nie einen hinbekommen hab. Als Introvertierte aber weiß ich jetzt, dass ich so sein darf. Dass ich tiefgehende, langjährige Freundschaften bevorzuge und verdammt nochmal keine Energie für einen riesigen Freundeskreis hab. Dass ich nach 4 Stunden Party "müde" sein darf und daheim dann doch noch bis um 3 im Netz häng oder lese - es sind schließlich zwei verschiedene "müde".
Ich versteh jetzt auch, dass meine Mutter als Sensor (ISFJ) einfach nicht anders kann, als ihre Reise in allen kleinsten Details vom Start bis zum Ende zu erzählen (ich als iNtuitive würde zuerst mal die Highlights erzählen und bei Nachfrage halt bestimmte Details. Zu viele Details ermüden mich). Oder dass mein Persiever-Vater (ESTP) eben nichts Erquickenderes findet, als einfach mal spontan am Wochenende die Haustüre zu versetzen (man kommt bei meinen Eltern jetzt durch einen anderen Raum ins Haus). Oder dass meiner ENFJ-Freundin allein daheim einfach wirklich die Decke auf den Kopf fällt, weil sie extravertiert ist und daher viele Menschen um sich braucht und auch viel Stimulation von außen, während ich mich auch stundenlang alleine "still beschäftigen" kann (und will) und mich zu viel Stimulation von außen sogar überfordert.
Ich genieße jetzt Menschen umso mehr und muss immer leise und liebevoll lachen, wenn sie sich gemäß ihres MBTIs verhalten :D
Ich persönlich finde es ja oft leichter, Menschen (sei es sich selbst oder andere) zu typisieren, wenn man mithilfe der kognitiven Funktionen ins Detail geht. Dazu mein Posting nächste Woche!
Links und Bücher
Testskeirsey temperament sorter (geht auch auf Deutsch :) wenn du nur einen machen willst, nimm den)
humanmetrics
16personalities
celebritytypes
Disclaimer: Tests sind für den ersten Eindruck. Das Ergebnis muss nicht stimmen, oft müssen noch 1-2 Buchstaben "umgedreht" werden. Wenn du beim Lesen von deiner Typenbeschreibung das Gefühl hast, der erste Test hat den Kern noch nicht ganz erwischt: Lies mal die "Nachbar"-Typen (bei einem ENTJ zB ENTP, ESTJ, ENFJ etc.), du kannst auch die anderen Tests noch machen (evtl. auch öfter). Außerdem extrem hilfreich dabei wie gesagt: die kognitiven Funktionen im nächsten Posting.
Disclaimer2: Nimm dir für die englischen Tests ein Wörterbuch, wenn du dir bei einem Wort nicht 100% sicher bist, was es bedeutet!
Typenbeschreibungen
16personalities
personality junkie (hat auch einen Test)
alfredgessl.at/ (deutschsprachige, aber schon lange nicht mehr upgedatete Seite (und ein bisschen... retro) von einem MBTI-Laien. Ein bisschen verwirrend, weil andere Typenbezeichnungen verwendet werden. Aber: auf Deutsch und v.a. auch Beziehungen zwischen Typen (Eltern-Kind, Partner).)
Du findest weitere Beschreibungen, wenn du das jeweilige Buchstabenkürzel googelst
Foren
typology central
personality cafe
Bücher
David Keirsey: Please Understand Me II: Temperament, Character, Intelligence (nur engl. verfügbar)
David Keirsey: Versteh mich bitte (die deutsche Version von der veralteten Ausgabe vom oben genannten Buch)
Stefanie Stahl, Melanie Alt: So bin ich eben! Erkenne dich selbst und andere (unterhaltsame Einführung für Komplettneulinge, die sich noch nicht durchs Netz wühlen wollen. Gibts sicher auch in deiner Bibliothek!)
Was hältst du von dem Thema? Hast du schon davon gehört? Und ich bin ja so furchtbar neugierig: welcher Typ bist du?
PS: Hier gehts weiter zu Teil2!
13. August 2014
Klicktipp: derknauserer.at
Zuerst dachte ich, hihi, das klingt ja wie eine Zeitschrift, die Dagobert Duck lesen würde. Dabei ist es eine riesige Fundgrube an Tipps, Anleitungen, Denkanstößen und Diskussionen zum Thema "Einfaches Leben" - fern ab vom akademischen Hipstertum und dessen "grünen" Konsum geht es hier nicht unbedingt um chic und stylish, sondern um praktisch.
Im Forum wie im monatlichen Newsletter (den man abonnieren kann oder auf der Seite nachlesen) wird etwa ein Monat lang in einem Experiment probiert, ohne elektrisches Licht auszukommen, es werden eigene Stromgeneratoren gebastelt und Rezepte aus Wildpflanzen ausgetauscht. Im Wesentlichen geht es wohl darum, autark(er) und damit zukunftsfähiger zu werden. Michaela Brötz, der Mastermind der Seite und Autorin des Newsletters, gibt sich sichtlich sehr viel Mühe. Es lohnt sich also, besonders auch in den Newsletter-Archiven zu blättern!
Also fröhlich drauflosautarkiert auf http://www.derknauserer.at/ !
| Dagobert Duck, der alte Kapitalist und Knauserer. Quelle |
Also fröhlich drauflosautarkiert auf http://www.derknauserer.at/ !
2. August 2014
Die Töchter der Heimat
Manche Leser wissen vermutlich, dass wenigen Jahren der Text der österreichischen Bundeshymne geändert wurde. Grund war, dass Paula Preradovic´in ihrem Werk die "großen Söhne" des Landes besingt.
Viele Frauen kritisierten, dass sie sich dadurch nicht angesprochen fühlten, und wünschten sich mit Erfolg die "großen Töchter" und "großen Söhne" gemeinsam in die Hymne. Die Änderung wurde gesetzlich beschlossen.
Die Diskussion davor schlug große Wellen, zahlreiche Herren und auch Damen äußerten sich kritisch und nannten das gesamte Anliegen lächerlich. Mit dem Beschluss der Regierung zur Abänderung war das Thema lange nicht vom Tisch, wie man vielleicht denken sollte.
Nun wurde die Hymne durch einen bekannten inländischen Musiker falsch vorgetragen, sprich: der alte Text ohne die "Töchter" wurde gesungen. Daraufhin brach ein Wirbel los, und die Diskussion flammte wieder auf.
Meiner Meinung nach ist es eine Provokation, absichtlich den alten Bundeshymnentext zu singen. Der Künstler hatte wohl genug Zeit für eine musikalische Vorbereitung, und wusste auch über die Gesetzesänderung Bescheid, wie er im Interview bestätigte. Demnach hätte er wissen müssen, was seine Darbietung auslösen würde. Vielleicht ging es auch nur darum, Schlagzeilen zu machen.
Nicht verstehen kann ich, dass viele Stimmen nun dafür plädieren, die Töchter wieder aus dem Liedestext zu entfernen. Nun ist der Text bereits umgeändert, was wäre also ein vernünftiger Grund dafür?? Solche Aussagen kann ich nicht nachvollziehen. Wenn ich nachfrage, weiß man wohl selbst keine Antwort außer "weil die Hymne 'schon immer' so war". Aha. Die Welt dreht sich weiter, die Menschheit entwickelt sich weiter. Get over it!
Viele Frauen kritisierten, dass sie sich dadurch nicht angesprochen fühlten, und wünschten sich mit Erfolg die "großen Töchter" und "großen Söhne" gemeinsam in die Hymne. Die Änderung wurde gesetzlich beschlossen.
Die Diskussion davor schlug große Wellen, zahlreiche Herren und auch Damen äußerten sich kritisch und nannten das gesamte Anliegen lächerlich. Mit dem Beschluss der Regierung zur Abänderung war das Thema lange nicht vom Tisch, wie man vielleicht denken sollte.
Nun wurde die Hymne durch einen bekannten inländischen Musiker falsch vorgetragen, sprich: der alte Text ohne die "Töchter" wurde gesungen. Daraufhin brach ein Wirbel los, und die Diskussion flammte wieder auf.
Meiner Meinung nach ist es eine Provokation, absichtlich den alten Bundeshymnentext zu singen. Der Künstler hatte wohl genug Zeit für eine musikalische Vorbereitung, und wusste auch über die Gesetzesänderung Bescheid, wie er im Interview bestätigte. Demnach hätte er wissen müssen, was seine Darbietung auslösen würde. Vielleicht ging es auch nur darum, Schlagzeilen zu machen.
Nicht verstehen kann ich, dass viele Stimmen nun dafür plädieren, die Töchter wieder aus dem Liedestext zu entfernen. Nun ist der Text bereits umgeändert, was wäre also ein vernünftiger Grund dafür?? Solche Aussagen kann ich nicht nachvollziehen. Wenn ich nachfrage, weiß man wohl selbst keine Antwort außer "weil die Hymne 'schon immer' so war". Aha. Die Welt dreht sich weiter, die Menschheit entwickelt sich weiter. Get over it!
12. Februar 2014
Green Status Anxiety
Auf Twitter ist mir letzte Woche ein Vortrag über Status Anxiety untergekommen. Besonders die Zusammenhänge und Paradoxa sind sehr interessant! Aber gleichzeitig dachte ich, naja, aber ich bin da eh nicht so wirklich davon betroffen.
Viel Geld, ein fettes Auto, Designerkleidung oder -möbel waren mir noch nie wichtig. In meiner Jugend hab ich meinen Spaß dabei gehabt, meine Umgebung mit der Inkongruenz meines Äußeren und Inneren zu verwirren. Ich bin ziemlich immun gegen Status Anxiety, spiele maximal mit ihr. Dachte ich.
Vor einem halben Jahr fiel mir ein iPad in den Schoß. Nach monatelangem Herumüberlegen (es wär halt so praktisch vs. will ichs oder brauch ichs?) konnte plötzlich eine Freundin Geld gut brauchen und so kaufte ich ihr ein iPad3 ab. Ich wollte nie was von Apple besitzen. Klar, die Verarbeitung ist gut, Hardware und Software sind perfekt aufeinander abgestimmt und die anderen Hersteller haben genauso Dreck am Stecken, was die Produktion angeht. Aber dann muss ich an all die Hipster und Bobos denken, die ja soooo wahnsinnig künstlerisch und hip sind und deswegen Appleprodukte besitzen. Zwar kenne ich auch sehr liebe Menschen, die ein Macbook oder iPhone haben, aber der Zusammenhang zwischen den Variablen "Appleproduktbesitzer" und "unsympathischer arroganter Angeber" ist statistisch signifikant, davon bin ich überzeugt!
Ja, ich schäme mich für dieses Ding. Nicht nur wegen Apple, sondern auch weil ich Tablets immer für komplett nutzlosen bedürfnisgenerierenden Wirtschaftswachstumsscheiß gehalten habe. Wenn ich in der Öffentlichkeit mein iPad benutze, achte ich jedenfalls drauf, dass man wenigstens den blöden Apfel auf der Rückseite nicht sieht.
(Ich bin damit nicht allein. Mein Freund hatte das Pech, ein gebrauchtes iPhone4 zu bekommen, in seinem Fall sogar geschenkt und meint letztens so verzweifelt zu mir: Was soll ich nur tun, ich find das iPhone toller als mein altes Smartphone!)
Anderes Beispiel: Schuhe. Mein Verhältnis zu Waldviertlern war immer schon gespalten. Einerseits genial: kleine soziale Schuhfabrik im Waldviertel, einer strukturschwachen Gegend nordwestlich von Wien, zeitlose und sehr hochwertige, bequeme Schuhe (wenngleich auch etwas äh rustikal). Andererseits hat die jetzt echt jeder. Zumindest jeder, der irgendwie in die Sparte "Linke mit höherer Ausbildung und Umwelt/Sozialbewusstsein" passen. Eingangsbereich bei Studentenparties: 80% Waldviertler.
Ich wollte nie Waldviertler, weil ich im Nachhaltigkeitsbereich studiere und in ein paar Monaten auch arbeiten werde. Weil eben alle die tragen. Weil ich Angst um meine Individualität habe und in der Folge auch Rechtfertigungsgefühle bei Öko-Entscheidungen, dass ich die eben nicht fälle nur weil sie hip und in sind.
Naja, jetzt hab ich welche... Das Zauberwort "Sonderanfertigung" war es, das meine verdammt schmalen Fersen magisch ins Geschäft gezogen haben. Ich besitze nun zum ersten Mal in meinem Leben Schuhe, in denen ich nicht schwimme oder Blasen bekomme oder nach ein paar Monaten das Fersenleder durch hab. Das geschickte Fußbett hat sogar meinen leichten Knickfuß erledigt.
Gibt es Green Status Anxiety? Sich dafür schämen dass man im SecondHand-Geschäft wieder mal nix gefunden hat und dann doch zum H&M gegangen ist? Bei Besuch schnell die Packung von den Hofer/Aldi-Keksen verschwinden lassen? Sich wegen dem Besitz von Lifestyleprodukten schämen? Ökozeug nicht kaufen, aus Sorge vor dem Vorurteil, man kaufe es ja nur weil es so hip ist und nicht weil man es wirklich gut findet - oder schlimmer: weil man glaube, es gäbe grünes Wirtschaftswachstum und man könne weiterkonsumieren wie bisher, hauptsache grün? Oder weil man sich so öko-snobbish gegenüber wirtschaftlich benachteiligten Menschen vorkommt, die sich den ganzen Kram nicht leisten können?
Ja, die gibt es. Definitiv.
Was denkst du denn drüber? Kennst du dieses zwiespältige Gefühl?
Viel Geld, ein fettes Auto, Designerkleidung oder -möbel waren mir noch nie wichtig. In meiner Jugend hab ich meinen Spaß dabei gehabt, meine Umgebung mit der Inkongruenz meines Äußeren und Inneren zu verwirren. Ich bin ziemlich immun gegen Status Anxiety, spiele maximal mit ihr. Dachte ich.
Vor einem halben Jahr fiel mir ein iPad in den Schoß. Nach monatelangem Herumüberlegen (es wär halt so praktisch vs. will ichs oder brauch ichs?) konnte plötzlich eine Freundin Geld gut brauchen und so kaufte ich ihr ein iPad3 ab. Ich wollte nie was von Apple besitzen. Klar, die Verarbeitung ist gut, Hardware und Software sind perfekt aufeinander abgestimmt und die anderen Hersteller haben genauso Dreck am Stecken, was die Produktion angeht. Aber dann muss ich an all die Hipster und Bobos denken, die ja soooo wahnsinnig künstlerisch und hip sind und deswegen Appleprodukte besitzen. Zwar kenne ich auch sehr liebe Menschen, die ein Macbook oder iPhone haben, aber der Zusammenhang zwischen den Variablen "Appleproduktbesitzer" und "unsympathischer arroganter Angeber" ist statistisch signifikant, davon bin ich überzeugt!
Ja, ich schäme mich für dieses Ding. Nicht nur wegen Apple, sondern auch weil ich Tablets immer für komplett nutzlosen bedürfnisgenerierenden Wirtschaftswachstumsscheiß gehalten habe. Wenn ich in der Öffentlichkeit mein iPad benutze, achte ich jedenfalls drauf, dass man wenigstens den blöden Apfel auf der Rückseite nicht sieht.
(Ich bin damit nicht allein. Mein Freund hatte das Pech, ein gebrauchtes iPhone4 zu bekommen, in seinem Fall sogar geschenkt und meint letztens so verzweifelt zu mir: Was soll ich nur tun, ich find das iPhone toller als mein altes Smartphone!)
Anderes Beispiel: Schuhe. Mein Verhältnis zu Waldviertlern war immer schon gespalten. Einerseits genial: kleine soziale Schuhfabrik im Waldviertel, einer strukturschwachen Gegend nordwestlich von Wien, zeitlose und sehr hochwertige, bequeme Schuhe (wenngleich auch etwas äh rustikal). Andererseits hat die jetzt echt jeder. Zumindest jeder, der irgendwie in die Sparte "Linke mit höherer Ausbildung und Umwelt/Sozialbewusstsein" passen. Eingangsbereich bei Studentenparties: 80% Waldviertler.
Ich wollte nie Waldviertler, weil ich im Nachhaltigkeitsbereich studiere und in ein paar Monaten auch arbeiten werde. Weil eben alle die tragen. Weil ich Angst um meine Individualität habe und in der Folge auch Rechtfertigungsgefühle bei Öko-Entscheidungen, dass ich die eben nicht fälle nur weil sie hip und in sind.
Naja, jetzt hab ich welche... Das Zauberwort "Sonderanfertigung" war es, das meine verdammt schmalen Fersen magisch ins Geschäft gezogen haben. Ich besitze nun zum ersten Mal in meinem Leben Schuhe, in denen ich nicht schwimme oder Blasen bekomme oder nach ein paar Monaten das Fersenleder durch hab. Das geschickte Fußbett hat sogar meinen leichten Knickfuß erledigt.
Gibt es Green Status Anxiety? Sich dafür schämen dass man im SecondHand-Geschäft wieder mal nix gefunden hat und dann doch zum H&M gegangen ist? Bei Besuch schnell die Packung von den Hofer/Aldi-Keksen verschwinden lassen? Sich wegen dem Besitz von Lifestyleprodukten schämen? Ökozeug nicht kaufen, aus Sorge vor dem Vorurteil, man kaufe es ja nur weil es so hip ist und nicht weil man es wirklich gut findet - oder schlimmer: weil man glaube, es gäbe grünes Wirtschaftswachstum und man könne weiterkonsumieren wie bisher, hauptsache grün? Oder weil man sich so öko-snobbish gegenüber wirtschaftlich benachteiligten Menschen vorkommt, die sich den ganzen Kram nicht leisten können?
Ja, die gibt es. Definitiv.
Was denkst du denn drüber? Kennst du dieses zwiespältige Gefühl?
5. Februar 2014
Technik-Leapfrogging
| Wer das weiß, ist vor 1990 geboren. Quelle |
Die gute alte Kassette. Erinnert ihr euch an das panische Gefühl, wenn die Musik immer tiefer und langsamer geworden ist und ihr keine Ersatzbatterien dabeihattet?
Ich war mal die strubbelig grünhaarige 15jährige da hinten im Postbus, die als einzige mit einem Walkman dagehockt ist. Alle anderen Schüler hatten selbstverständlich einen Discman, oder (hypehype) einen Minidiscplayer. Ich bin 1987 geboren und Kassetten sind sogar für meine Generation fast nur noch mit den drei Fragezeichen oder Benjamin Blümchen assoziiert. Musikkassetten und das Austauschen von Mixtapes kenne ich nur von meinen um ein Jahrzehnt älteren Schwestern.
Natürlich war da auch viel rebellische Coolness dabei, aber im Wesentlichen waren für mich diese Geräte noch nicht interessant. Discmen waren viel störungsanfälliger im Gebrauch und schneller kaputt und Minidiscplayer waren für mich nichts anderes als runde Kassetten. Erst CD-Spieler, die mp3-CDs abspielen konnten, machten für mich einen Discman interessant. Sie waren in meinen Augen den ersten mp3-Playern, die nur ein einziges Album speichern konnten, weit überlegen.
Irgendwann hatten fast alle in meiner Klasse einen Laptop, aber ich blieb bei meinem Stand-PC. Ich wollte einzelne Komponenten austauschen können und hatte kein Platzproblem. Die Preise für Notebooks mit einer ordentlichen Grafikkarte waren gesalzen und in meinen Augen gab es nichts Durchschlagendes, was einen Laptop (für mich) rechtfertigen konnte.
Heute hat sich bei mir der Laptop durchgesetzt (wobei ich zugegebener Maßen die leistungsstarke Grafikkarte zu meinen Freund outgesourct hab *hust*). Ich hab ein Tastenhandy, aber dafür ein Tablet - das Smartphone hab ich einfach mal übersprungen.
- Und das ist meine Methode, mit neuen Technologien umzugehen:
Leapfrogging - abwarten, beobachten und springen
Den Begriff Leapfrogging kenne ich aus der nachhaltigen Entwicklung. Statt dass andere Länder unsere Entwicklung Schritt für Schritt kopieren, hofft man dass sie unseren ungesunden Mist elegant überspringen und gleich nachhaltig werden.
In einer Welt, in der instabile Beta-Versionen (egal von was) in exponentieller Geschwindigkeit auf den Markt geworfen werden, um im Wachstumswahn nicht unterzugehen, ist es umso wichtiger, nicht immer alles gleich mitzumachen, sondern sich erstmal zurückzulehnen und alles bewusst zu beobachten.
Neu ist nicht immer besser, nicht jede Technologie setzt sich durch. Nicht jede Technologie hält in der Praxis, was sie verspricht.
Erstmal abwarten und an anderen und den Medien beobachten, mit der alten Technologie und Version zufrieden bleiben (war man doch auch wie die neu war, oder?), Vorteile und Nachteile gut abwägen, kritisch bleiben, mit dem eigenen Lebensstil abgleichen usw. - Eigentlich ganz ähnliche Überlegungen, wie ich hier zum Thema Kosmetik und Bedürfnisse geschrieben hab.
Leapfrogging ist für mich die Einsicht, dass der heutige Fortschritt nicht real ist, sondern durch Zersplitterung, geplante Obsoleszenz und bewusste Reizüberflutung künstlich in unseren Köpfen erzeugt. Es ist kein echter Fortschritt, weil sich die Versionen von immer kürzerer Lebensdauer nur marginal voneinander unterscheiden. Mit Zersplitterung meine ich die Methode, Zwischenversionen mit winzigen Änderungen auf den Markt zu bringen und damit Innovation zu suggerieren. Anstatt sozusagen von Version 1.0 auf 2.0 zu springen, kommen lauter Versionen 1.1, 1.2, 1.3 usw. raus und werden als Innovationen vermarktet. Durch die Reizüberflutung durch die schier unglaublichen Warenwelt des Kapitalismus, in der die Vielfalt künstlich erzeugt ist, kann man diesen Fakt leicht übersehen.
Das Rad war eine Innovation. Die Dampflok war eine Innovation. Der Computer war eine Innovation. Das iPhone5 ist keine Innovation.
Leapfrogging hat auch viel mit dem Bewusstmachen der eigenen Bedürfnisse und der realistischen Einschätzung des eigenen Lebensstils zu tun.
Ich persönlich backe kaum, und wenn dann Muffins oder Pizza, wo man nix aufschlagen muss. Dafür reichen mir mein Low-Tech-Kochlöffel und meine Hände. Ein elektrischer Mixer erleichtert mir nicht mal die Arbeit.
Nicht in allen Bereichen kann man sich dem immer Neuesten entziehen oder möchte es gar. Sei es durch den Beruf oder weil man einfach Freude dran hat. Ich steh auf frisch aufgesetzte PCs und hab daher überhaupt kein Problem damit, wenn meine Linux-Distro zwei Mal im Jahr eine neue Version rausbringt, ich setz sowieso neu auf.
Der Punkt ist aber, dass man in einem größeren Ausmaß selber bestimmen kann, inwieweit man sich am (vermeintlichen) Fortschritt beteiligt, als man vermutet.
Auch wenn es scheint, dass Leapfrogging eine Methode vorrangig für technikaffine Menschen ist, die immer ein Auge auf die neuesten Entwicklungen geworfen haben, denke ich dass es auch für techniküberforderte/desinteressierte Leute entspannend sein kann, zu wissen, dass auch den Nerds und Geeks die Geschwindigkeit durchaus auch auf den Senkel geht. Dass unter der Geschwindigkeit die Qualität leidet und dass sie ruhig bis zum bitteren Ende an ihrer "veralteten" Technologie festhalten können, wenn sie ihre (echten, nicht von der Industrie erzeugten) Bedürfnisse stillen kann.
Wie gehst du mit der gefühlt exponentiellen Beschleunigung des technischen "Fortschritts" um?
24. Januar 2014
Konsum in Kinderköpfen
"Na, was hat dir das Christkind gebracht?"
"Das sind aber hübsche Schuhe!"
"Zeigst du der Tante dein neues T-Shirt?"
Hab ich schon oft gehört, als ich bei Familien mit Kindern zu Gast war. Das Kind wurde dazu angehalten, die neuesten Klamotten oder Spielsachen zu präsentieren, und erntete dafür Bewunderung: "Das ist aber hübsch!" "Was für ein tolles Spielzeug!" "Wie süß!"
Wird damit nicht den Kindern vermittelt, dass man nach den Dingen die man besitzt beurteilt wird? Dass man aufgrund von Gegenständen die Bewunderung anderer erntet?
Das geschieht bestimmt unbewusst, und ich habe mich bis jetzt nicht einmal getraut, die Eltern darauf hinzuweisen. Nichts schlimmeres, als jemand der einem sagt was man für "Fehler in der Erziehung" begeht - und dann hat diejenige nicht einmal Kinder??
Anderes Beispiel: in meinen Augen ist ein Kaufmannsladen eigentlich ein sehr schönes Geschenk. Man glaubt ja gar nicht, was es da alles für Zubehör gibt: Karton-Miniaturen von echten Supermarkt-Artikeln! Mini-Pizzas, Suppenwürze und Waschmittel im klar erkennbaren Markendesign. Der beste Weg, sich schon früh seine zukünftigen Konsumenten zu holen! Mir ist ganz schleht geworden.
Darf man Eltern auf sowas hinweisen? Vor allem wenn sie sich selbst nicht so viele Gedanken über Konsumverhalten gemacht haben? Ich hab mir jedenfalls vorgenommen, kleine Mädchen und Jungs nicht mehr zu ermuntern, ihre Sachen vorzuführen. Stattdessen werde ich Dinge sagen wie:
"Kennst du ein lustiges Lied?"
"Du kannst aber schon toll turnen!"
"Kannst du tanzen?"
"Zeichnest du was für mich?"
"Hilfst du der Mutti schon beim Kochen? Du bist aber fleißig!"
"Das sind aber hübsche Schuhe!"
"Zeigst du der Tante dein neues T-Shirt?"
Hab ich schon oft gehört, als ich bei Familien mit Kindern zu Gast war. Das Kind wurde dazu angehalten, die neuesten Klamotten oder Spielsachen zu präsentieren, und erntete dafür Bewunderung: "Das ist aber hübsch!" "Was für ein tolles Spielzeug!" "Wie süß!"
Wird damit nicht den Kindern vermittelt, dass man nach den Dingen die man besitzt beurteilt wird? Dass man aufgrund von Gegenständen die Bewunderung anderer erntet?
Das geschieht bestimmt unbewusst, und ich habe mich bis jetzt nicht einmal getraut, die Eltern darauf hinzuweisen. Nichts schlimmeres, als jemand der einem sagt was man für "Fehler in der Erziehung" begeht - und dann hat diejenige nicht einmal Kinder??
Anderes Beispiel: in meinen Augen ist ein Kaufmannsladen eigentlich ein sehr schönes Geschenk. Man glaubt ja gar nicht, was es da alles für Zubehör gibt: Karton-Miniaturen von echten Supermarkt-Artikeln! Mini-Pizzas, Suppenwürze und Waschmittel im klar erkennbaren Markendesign. Der beste Weg, sich schon früh seine zukünftigen Konsumenten zu holen! Mir ist ganz schleht geworden.
Darf man Eltern auf sowas hinweisen? Vor allem wenn sie sich selbst nicht so viele Gedanken über Konsumverhalten gemacht haben? Ich hab mir jedenfalls vorgenommen, kleine Mädchen und Jungs nicht mehr zu ermuntern, ihre Sachen vorzuführen. Stattdessen werde ich Dinge sagen wie:
"Kennst du ein lustiges Lied?"
"Du kannst aber schon toll turnen!"
"Kannst du tanzen?"
"Zeichnest du was für mich?"
"Hilfst du der Mutti schon beim Kochen? Du bist aber fleißig!"
22. Januar 2014
Minimal-Bad-Strategien (2): falsche Bedürfnisse
Oder: Die Seifenblasen am Boden der Realiät (nicht nur im Badezimmer!)
Letztes Mal gings um das Herausfinden der eigenen Bedürfnisse bei Kosmetik, um eine Wurzel des Übels "überfülltes Badezimmer" an den Hörnern (an den Mykorrhizen?) zu packen. Manchmal wird aber mit Kosmetik (und beliebig anderer Waren) versucht, Bedürfnisse zu stillen, die ganz andere Wege zur Befriedigung brauchen.
Jeder Mensch hat Wünsche und Träume, die nicht immer mit der Realität vereinbar sind. Oft verhelfen uns diese Wünsche und Träume zu Motivation, Werthaltungen und Inspiration, aber oft genug verhelfen sie uns nur zu einem überquellenden Badezimmer.
Viele Bedürfnisse werden ja bekanntlich von der Wirtschaft, Kosmetikindustrie und Werbung erschaffen. Da können wir vielleicht getrost die Schuld auf den Kapitalismus abwälzen, was uns aber nicht aus der Verantwortung nimmt, mit Argusaugen über unsere Bedürfnisse und deren Nutznießer zu wachen.
Manchmal verlagern wir Bedürfnisse aus einem Bereich in unserem Leben in einen anderen, in dem diese aber nicht gestillt werden können. Wir haben Angst vor dem Alter (und vor dem Sterben) und kaufen uns Anti-Aging-Produkte. Wir möchten geliebt werden und kaufen uns Foundation. Wir möchten Anerkennung und kaufen uns das neueste Smartphone. Wir brauchen Sicherheit und Geborgenheit und stellen uns die Bude mit Vorräten und Deko und Wolldecken voll. Wir möchten ein anderes Leben führen und kaufen uns neuen Nagellack. Wir möchten etwas Besonderes sein und ein bisschen elitär und lassen uns daher gerne besonders sensible Haut und andere Empfindlichkeiten einreden (die Prinzessin auf der Erbse wurde ja auch durch ihre Empfindsamkeit als Mitglied der Elite erkannt).
Niemand ist davor gefeit, nichtmaterielle Bedürfnisse versehentlich ins Warenangebot zu verschieben.
Sei ehrlich mit dir selbst. Wie viele Produkte in deinem Badezimmer erfüllen tatsächlich ihren Zweck (und sei er meinetwegen, dass du dich im finsteren Winter über fröhlich bunte Fingernägel freust), und wie viele stehen da herum, weil du dir falsche Vorstellungen über die Befriedigung deiner Bedürfnisse gemacht hast? Weil du geträumt hast, während du eingekauft hast?
Das geht natürlich weit über das für so manchen langweilige Thema Kosmetik hinaus. Das wissen wir ja, fast die gesamte heutige glitzernde Warenwelt, die über Nahrung, Schlafen, Gesundheit, Lernen und das Dach übern Kopf hinausgeht, spricht unser Fantasieavatar an. Ich habs in der Überschrift die Seifenblasen am Boden der Realiät genannt, Francine Jay nennt es prägnanter Your Fantasy Self.
| Angst vor Untreue? Mit Creme die Beziehung kitten! (Quelle) |
Jeder Mensch hat Wünsche und Träume, die nicht immer mit der Realität vereinbar sind. Oft verhelfen uns diese Wünsche und Träume zu Motivation, Werthaltungen und Inspiration, aber oft genug verhelfen sie uns nur zu einem überquellenden Badezimmer.
Viele Bedürfnisse werden ja bekanntlich von der Wirtschaft, Kosmetikindustrie und Werbung erschaffen. Da können wir vielleicht getrost die Schuld auf den Kapitalismus abwälzen, was uns aber nicht aus der Verantwortung nimmt, mit Argusaugen über unsere Bedürfnisse und deren Nutznießer zu wachen.
Manchmal verlagern wir Bedürfnisse aus einem Bereich in unserem Leben in einen anderen, in dem diese aber nicht gestillt werden können. Wir haben Angst vor dem Alter (und vor dem Sterben) und kaufen uns Anti-Aging-Produkte. Wir möchten geliebt werden und kaufen uns Foundation. Wir möchten Anerkennung und kaufen uns das neueste Smartphone. Wir brauchen Sicherheit und Geborgenheit und stellen uns die Bude mit Vorräten und Deko und Wolldecken voll. Wir möchten ein anderes Leben führen und kaufen uns neuen Nagellack. Wir möchten etwas Besonderes sein und ein bisschen elitär und lassen uns daher gerne besonders sensible Haut und andere Empfindlichkeiten einreden (die Prinzessin auf der Erbse wurde ja auch durch ihre Empfindsamkeit als Mitglied der Elite erkannt).
Niemand ist davor gefeit, nichtmaterielle Bedürfnisse versehentlich ins Warenangebot zu verschieben.
Sei ehrlich mit dir selbst. Wie viele Produkte in deinem Badezimmer erfüllen tatsächlich ihren Zweck (und sei er meinetwegen, dass du dich im finsteren Winter über fröhlich bunte Fingernägel freust), und wie viele stehen da herum, weil du dir falsche Vorstellungen über die Befriedigung deiner Bedürfnisse gemacht hast? Weil du geträumt hast, während du eingekauft hast?
Das geht natürlich weit über das für so manchen langweilige Thema Kosmetik hinaus. Das wissen wir ja, fast die gesamte heutige glitzernde Warenwelt, die über Nahrung, Schlafen, Gesundheit, Lernen und das Dach übern Kopf hinausgeht, spricht unser Fantasieavatar an. Ich habs in der Überschrift die Seifenblasen am Boden der Realiät genannt, Francine Jay nennt es prägnanter Your Fantasy Self.
Bei der Kosmetik hab ich nie so das Problem gehabt. Eher zB beim Nähen. Ich wollte mich selber gerne als jemanden sehen, der Rokoko-Roben, Renaissancegewänder und aufwändige Cocktailkleider nähen kann (beziehungsweise die Geduld dafür aufbringt). Ich hatte daher massenhaft Stoff zuhause...
Was sind deine Seifenblasen? (Muss nicht unbedingt das Thema Kosmetik betreffen)
Dies war Teil 2 meiner Minimal-Bad-Strategien. Die anderen Teile findest du hier:
Teil 1: Bedürfnisse
Teil 3: Fehlkäufe
Teil 4: Produkte reduzieren
Dies war Teil 2 meiner Minimal-Bad-Strategien. Die anderen Teile findest du hier:
Teil 1: Bedürfnisse
Teil 3: Fehlkäufe
Teil 4: Produkte reduzieren
16. Dezember 2013
Reines Gewissen dank Öko-Pickerl?
Ein weiteres Posting zu materialfehlers Radiotipp "Shoppen ohne Ende", der aber leider schon nicht mehr online sein dürfte.
In der Produktwelt bewegt sich was: Immer mehr Siegel, Zertifizierungen und Pickerl wollen uns davon überzeugen, "grün" zu kaufen. So weisen sie bestimmte Artikel als "sauber" aus. Damit assoziieren wir saubere Umweltpolitik, faire Arbeitsbedingungen, glückliche Tiere, singende Kleinbauern, grüne Felder, klares Wasser, Schmetterlingswiesen. Also kaufen wir, und freuen uns unserer guten Tat.
Diese Aufkleber bedeuten einen kleinen Schritt in Richtung bessere Welt, allerdings viiiel winziger als uns suggeriert wird. Sie sind dazu da, um Konsum aufrechtzuerhalten. Denn noch viel viel besser, als eine Plastikflasche mit Bio-Gesichtswasser zu kaufen, wäre es natürlich, gar kein Gesichtswasser zu kaufen. Kein Anbau, keine Produktion in der Chemiefabrik, keine Verpackung, kein Transport. Sauberer geht's nicht.
Die Konsumenten sollen im Glauben gelassen werden, das reine Gewissen sei käuflich. Und so konsumiert man weiter, diesmal biokonform natürlich. Ja natürlich!
Hier mein vorheriges Posting zu dem Thema:
Beziehungspflege durch Konsum
In der Produktwelt bewegt sich was: Immer mehr Siegel, Zertifizierungen und Pickerl wollen uns davon überzeugen, "grün" zu kaufen. So weisen sie bestimmte Artikel als "sauber" aus. Damit assoziieren wir saubere Umweltpolitik, faire Arbeitsbedingungen, glückliche Tiere, singende Kleinbauern, grüne Felder, klares Wasser, Schmetterlingswiesen. Also kaufen wir, und freuen uns unserer guten Tat.
Diese Aufkleber bedeuten einen kleinen Schritt in Richtung bessere Welt, allerdings viiiel winziger als uns suggeriert wird. Sie sind dazu da, um Konsum aufrechtzuerhalten. Denn noch viel viel besser, als eine Plastikflasche mit Bio-Gesichtswasser zu kaufen, wäre es natürlich, gar kein Gesichtswasser zu kaufen. Kein Anbau, keine Produktion in der Chemiefabrik, keine Verpackung, kein Transport. Sauberer geht's nicht.
Die Konsumenten sollen im Glauben gelassen werden, das reine Gewissen sei käuflich. Und so konsumiert man weiter, diesmal biokonform natürlich. Ja natürlich!
Hier mein vorheriges Posting zu dem Thema:
Beziehungspflege durch Konsum
11. Dezember 2013
Vom Optimierungswahn
Iss keinen Zucker! Iss keine Milchprodukte! Iss Milchprodukte! Iss kein Getreide! Iss viel Vollkorn! Iss keine Hülsenfrüchte! Iss Hülsenfrüchte! Iss kein Fleisch! Iss viel Fleisch! Iss roh! Iss gekocht!
Es gibt zig Ernährungsreligionen, äh ich meine -Konzepte, die sich im Grunde alle irgendwo widersprechen, die sich alle ihre Rosinen aus den wissenschaftlichen Studien picken und die alle quasi ewiges Glück und Weltfrieden versprechen.
Es gibt zig Ernährungsreligionen, äh ich meine -Konzepte, die sich im Grunde alle irgendwo widersprechen, die sich alle ihre Rosinen aus den wissenschaftlichen Studien picken und die alle quasi ewiges Glück und Weltfrieden versprechen.
Meine 94jährige Oma hat mir heute erzählt, wie sie und ihre Familie in der Besatzungszeit von den Russen Erbsen und Bohnen bekommen haben, die sie erst mal zwischen die Doppelfenster legen mussten, damit die Würmer rauskriechen.
Irgendwie rückt das meine Perspektive wieder zurecht.
Ich werde auch das Gefühl nicht los, dass dieses Herumgebastle an der Ernährung, das hypochondrische Vermuten von Unverträglichkeiten bei jedem Wehwehchen in Wahrheit nur eine riesige Industrie füttert. Und der Begriff Brot und Spiele kommt mir in den Sinn.
Die Leistungsgesellschaft macht auch vor unserer Privatsphäre nicht Halt und überwuchert uns mit ihrem Druck, auch in unserer Freizeit, in unseren Beziehungen, in unserer Ernährung, unseren Hobbies perfekt zu funktionieren. Systembedingte Probleme (nicht immer sind das rein medizinische Probleme!) wie chronische Müdigkeit, Depressionen und Burnout werden zu gerne auf Einzelpersonen geschoben. Du bist ständig müde? Vertragst bestimmt den Weizen nicht.
Auch Die Zeit hat sich in ihrer Ausgabe von 21. November dem Thema (eingebildete) Nahrungsunverträglichkeiten gewidmet, deren Leitartikel kannst du hier oder in der Printausgabe, die in deiner Bibliothek bestimmt aufliegt, nachlesen.
Besser, schneller, gesünder, fitter, früher, länger, gescheiter, höher, weiter... Verlierst du dich auch manchmal im allgegenwärtigen Optimierungswahn? Welche Bereiche sind es bei dir? Und was bringt dich wieder auf den Boden, rückt deine Perspektive wieder zurecht?
Disclaimer: Es gibt Menschen, die mehr oder weniger große gesundheitliche Probleme durch eines dieser vielen Ernährungskonzepte unter Kontrolle gebracht haben. Diese mögen sich bitte ausgeklammert fühlen.
9. Dezember 2013
Beziehungspflege durch Konsum
Im ersten Teil der Radiosendung "Shoppen ohne Ende", die Fehlerchen hier vorgestellt hat, wird angesprochen, dass in unserer Gesellschaft ein erheblicher Teil des Konsums zur Beziehungspflege dient.
Ob Weihnachtsgeschenk oder Einkaufsmitbringsel, es wird gekauft, um anderen eine Freude zu bereiten. Als Gegenleistung für das Präsent erhält man die Anerkennung des Beschenkten - die Beziehung zueinander wird gestärkt. Genau mit diesem Wunsch ködern uns auch viele Werbungen: unseren Lieben durch das perfekte Geschenk noch ein Stückchen näher zu sein.
Wenn man darüber nachdenkt, wird einem klar, dass man selbst schon öfters diesem Gedanken aufgesessen ist. Die nachhaltigste Beziehungspflege findet aber nicht durch Konsum statt, sondern durch Zeit, die man sich "schenkt". Keine Investition kann das ersetzen.
Lasst euch nicht vom Weihnachtsrummel verrückt machen! Vereinbart mit euren Verwandten und Freunden, dass ihr euch nichts schenkt, oder veranstaltet ein Engerl-Bengerl-Weihnachtsspiel, und verbringt die beim Shoppen eingesparte Zeit lieber miteinander!
PS: Und die tollsten Geschenke sind sowieso die selbstgemachten, in die jemand seine kostbare Zeit, sein Talent und viel Hirnschmalz investiert hat!
Ob Weihnachtsgeschenk oder Einkaufsmitbringsel, es wird gekauft, um anderen eine Freude zu bereiten. Als Gegenleistung für das Präsent erhält man die Anerkennung des Beschenkten - die Beziehung zueinander wird gestärkt. Genau mit diesem Wunsch ködern uns auch viele Werbungen: unseren Lieben durch das perfekte Geschenk noch ein Stückchen näher zu sein.
Wenn man darüber nachdenkt, wird einem klar, dass man selbst schon öfters diesem Gedanken aufgesessen ist. Die nachhaltigste Beziehungspflege findet aber nicht durch Konsum statt, sondern durch Zeit, die man sich "schenkt". Keine Investition kann das ersetzen.
Lasst euch nicht vom Weihnachtsrummel verrückt machen! Vereinbart mit euren Verwandten und Freunden, dass ihr euch nichts schenkt, oder veranstaltet ein Engerl-Bengerl-Weihnachtsspiel, und verbringt die beim Shoppen eingesparte Zeit lieber miteinander!
PS: Und die tollsten Geschenke sind sowieso die selbstgemachten, in die jemand seine kostbare Zeit, sein Talent und viel Hirnschmalz investiert hat!
5. Dezember 2013
Radiotipp: Shoppen ohne Ende?
Heute ist zwar nicht Haferbreitag, aber trotzdem ein kurzer Hinweis:
Die absolut empfehlenswerte Sendereihe Radiokolleg von Ö1 hat diese Woche eine Sendung zum Thema "Shoppen ohne Ende? Konsumgesellschaft am Scheideweg" gebracht.
Hier kannst du die vierteilige Sendung jeweils eine Woche lang nachhören:
Entweder du klickst auf das Play-Symbol in der Überschrift oder oben rechts im roten Feld auf "7 Tage Ö1". Es gibt übrigens auch eine gratis Ö1-App!
Ich fand die Sendung sehr spannend. Obwohl ich mich mit dem Thema schon lange beschäftige, hab ich trotzdem Neues erfahren!
Scroll auch in der Sendungsbeschreibung ganz runter zu "Services", dort gibt es eine weiterführende Literaturliste! Zusätzlich möchte ich noch Christian Pfister et al: Das 1950er Syndrom. Der Weg in die Konsumgesellschaft empfehlen.
Scroll auch in der Sendungsbeschreibung ganz runter zu "Services", dort gibt es eine weiterführende Literaturliste! Zusätzlich möchte ich noch Christian Pfister et al: Das 1950er Syndrom. Der Weg in die Konsumgesellschaft empfehlen.
Wie denkst du über dieses Thema? Wie meinst du, dass sich unsere Konsumgesellschaft weiterentwickeln wird?
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