3. Untertypen
Menschen sind ja immer so individuell und oft nicht im 4er System (F/S/H/W) unterzubringen. Es gibt nämlich Mischtypen.
Wir erinnern uns: Das 4er System hat eine fixe Reihenfolge/Gewichtung an Farbeigenschaften. Das wichtigste ist die Temperatur, und das zweitwichtigste die Sättigung. Daraus ergeben sich die 4 Farbtypen Frühling (warm+klar), Sommer (kalt+gedämpft), Herbst (warm+gedämpft), Winter (kalt+klar). Daran fix gebunden ist die Helligkeit (Frühling und Sommer sind hell, Herbst und Winter sind dunkel).
Was ist aber, wenn die Temperatur gar nicht das Ausschlaggebende ist, weil man einen neutrale(re)n Teint hat? Sondern an erster Stelle die Sättigung (klar/gedämpft) oder die Helligkeit (hell/dunkel) stehen?
Dann springt das 12er System ein, das der Menschheit Mischtypen zugesteht. Zum Beispiel eine Mischung aus Sommer und Herbst (wenn "gedämpft" das wichtigste Kriterium ist, zB) oder aus Winter und Frühling (klar) oder Herbst-Winter oder Frühling-Sommer.
Weil Menschen im Normalfall keine exakten 50/50-Mischungen, sondern eher Tendenzwesen sind, hat es sich offenbar bewährt, diese Mischtypen aufzuteilen: Man hat eine Basisjahreszeit, kippt aber in eine benachbarte. Wenn ein Basistyp in einen benachbarten Basistypen kippt, verstärken sich Eigenschaften oder sie schwächen sich ab. (Siehe auch die bereits verlinkte Erklärung auf Truth is Beauty)
Ein Sommertyp kann zum Beispiel in den Herbst kippen. Beide Jahreszeiten sind gedämpft, also verstärkt sich das und die Farben werden noch softer. Die kühle Temperatur vom Sommer wird jedoch vom Herbst ein bisschen angewärmt, und dadurch neutraler. Da die Temperatur bei diesem Typen nicht mehr so ausschlaggebend ist, die Sättigung jedoch schon, die Farben also primär sehr gedämpft sein müssen, bekommt er ein "Soft" vorangestellt.
Ein Deep Winter dagegen ist ein Winter, der in den Herbst kippt. Die Farben werden einen Ticken weniger klar und einen Ticken weniger kühl und ihm stehen auch ein paar Herbstfarben. Beide Jahreszeiten sind dunkel, und somit werden die Farben die einem super stehen noch dünkler und intensiver.
Treffen Sommer (hell) und Frühling (hell) aufeinander, werden sie noch heller: Light. Winter (klar) und Frühling (klar) werden dagegen noch klarer (Bright/Clear).
Bist du mitgekommen? Vielleicht veranschaulicht dieses Farbrad von 12blueprints die Zusammenhänge:
| Quelle |
Es gibt also Typen, wo es wichtiger ist, dass die Farben dunkel und satt sind (Deep/Dark), leuchtend und klar (Bright/Clear), hell und zart (Light) oder sanft (Soft). Nicht (primär), ob die Farben warm oder kalt sind. Sie ergänzen die 4 "Basis-"Typen, deren primäres Merkmal die Temperatur ist (Warm / Cool bzw. True).
Die so entstandenen Typen heißen also: Bright/Clear Spring, True/Warm Spring, Light Spring, Light Summer, True/Cool Summer, Soft Summer, Soft Autumn, True/Warm Autumn, Deep/Dark Autumn, Deep/Dark Winter, True/Cool Winter und Bright/Clear Winter. Das ist das 12er Farbtypensystem.
Hier findest du einen Überblick über die dazugehörigen Farbpaletten.
Wie du jetzt am Besten austestest, welcher dieser 12 Typen du bist?
Du hast ja schon durch die vorhergehenden Schritte herausgefunden, ob du eine kühle oder warme Basis hast (dann steht dir Gold oder Silber doch einen Ticken besser) und/oder ob dir klare oder gedämpfte Farben besser stehen. Auch hier geht es wieder ums Draping und für die jeweiligen Farben lässt du dich am Besten von pinterest inspirieren - du kommst leider nicht drum herum, dein Auge zu schulen und dazu möglichst oft/lange in Farbtypenblogs und Pinterest zu hängen...Du kommst vermutlich aus verschiedenen Gründen zu Schritt 3:
Du konntest dich zwischen Gold und Silber bzw. Fuchsia und Rost nicht so recht entscheiden.
Die Vermutung liegt nahe, dass du eine neutrale Jahreszeit bist.Du konntest sicher schon feststellen, ob du klare oder gedämpfte Farben besser tragen kannst. Da kommt jetzt eine weitere Komponente dazu, nämlich die Helligkeit:
- Stehen dir klare und helle/zarte Farben, schau dir die Light Typen genauer an.
- Klar und (eher dunkel): Bright/Clear
- Gedämpfte, helle Farben: Soft
- Gedämpfte, dunkle Farben: Deep/Dark
Das kann dir schon Info genug sein, aber du kannst in einem nächsten Schritt noch austesten, auf welche Hälfte dieser Mischtypen du fällst. Das kann dir leicht fallen, meist ist es aber ein bisschen tricky und kann etwas dauern. Es muss wie gesagt auch nicht unbedingt nötig sein, denn ich finde ja wie gesagt, dass man diese Werkzeuge nur so weit anwendet, wie sie einem wirklich helfen und noch nicht in den Wahnsinn treiben ;) Es kann sein, dass dir genügt, zu wissen, ob du warme oder kalte Farben tragen kannst. Oder das 4er System genügt dir, oder die groben Mischtypen. Oder du willst es ganz ganz genau wissen.
Mischtypen unterscheiden
Da diese Mischtypen ja eigentlich Untertypen der Schirmkategorie sind, gibt es auch Unterschiede. Ein Deep Winter kippt zwar in den Herbst, bleibt aber trotzdem in seiner Basis ein Winter und daher unterm Strich immer noch kühler als ein Deep Autumn, ihm steht daher Silber trotzdem oft doch einen Ticken besser als Gold.
Die Unterschiede kann man sehen lernen, vielleicht helfen dir dabei diese Links:
Generell: klick klick klick
Deep: Winter (klick klick klick klick klick klick), Autumn (klick klick klick klick klick klick)
Bright: Winter (klick klick klick klick klick klick), Spring (klick klick klick klick klick)
Light: Spring (klick klick klick klick klick klick), Summer (klick klick klick klick klick klick)
Soft: Summer (klick klick klick klick klick klick), Autumn (klick klick klick klick klick)
Kannst du schon die feinen Unterschiede erkennen? Anfangs ist es vielleicht etwas erschlagend, aber mit der Zeit hat mans heraußen :)
Man kann auch versuchen, mit besten und Anti-Farben herumzutesten:
Hier etwa eine Liste der typischsten Farben für jede Jahreszeit.
Eine andere Möglichkeit sind die Antifarben. Eine Übersicht findet man in diesen Paletten, geordnet nach den Schirmkategorien Frühling, Sommer, Herbst, Winter (Beispiel nur für die Antifarben. Die Promis zB sind teilweise falsch zugeordnet).
Du hast zwar deine Schirmkategorie gefunden, hast aber das Gefühl, dass dir bestimmte Farben deiner Palette besser stehen als andere
Hier muss man aufpassen. Wie ich bereits vor ein paar Tagen in einem Kommentar geantwortet habe, muss das noch nicht heißen, dass man tatsächlich in einer bestimmten Unterkategorie besser aufgehoben ist.Jeder Mensch wird sich sein persönliches Eckerl in der ihm zugewiesenen Palette suchen. Sei es nach Geschmack, oder sei es tatsächlich so, dass einem gewisse Farben doch gar nicht soooo super stehen. In jeder Palette gibt es hellere, dunklere, intensivere, sanftere, fröhlichere, schlichtere... Farben.
Ich bin ein True Winter und mir stehen die hellen Farben meiner Palette nicht so wirklich. Sie mögen noch so klar und eisig sein, nein. Mein Eck sind die knalligeren und fröhlicheren Farben. Macht mich das zu einem Bright Winter? Nein. Denn Neon überstrahlt mich dann doch und Orange ist fürchterlich an mir. Meine Freundin N ist auch ein True Winter und sie mag die dunkleren, düsteren Farben an ihr, die schon direkt an Deep Winter erinnern. Macht sie das zu einem Deep Winter? Nö, denn Orange ist genauso pfui an ihr wie an mir.
Es ist trotzdem eine gute Idee, die beiden Untertypen deiner Saison zu testen!
Ein (vermeintlicher) True Spring, der findet dass ihn die Farben oft erschlagen, sollte sich den Light Spring anschauen. Findet er, dass er erstaunlich knallig gehen kann und das auch braucht, sogar Schwarz ungewöhnlich gut ausbalanciert, den Bright Spring. Wie hell oder dunkel, wie zart oder knallig kannst du gehen?
Ein (vermeintlicher) True Summer, der findet dass ihm die besonders soften Farben der Palette am Besten stehen, könnte auch ein Soft Summer sein. Wenn es jedoch viele Farben gibt, die doch irgendwie zu dunkel oder zu sanft/graustichig sind, könnte der Light Summer des Rätsels Lösung sein. Wie sanft/pudrig (mit Grau aufgehellt) und wie zart/klar (mit Weiß aufgehellt) kannst du gehen?
Ein (vermeintlicher) True Autumn, der sich in den dünkelsten Farben der Palette am Wohlsten fühlt und erstaunlich glaubwürdig Schwarz trägt, kann mal in den Deep Autumn reinschnuppern. Bei den helleren und sanfteren Farben in den Soft Autumn. Wie hell/dunkel sanft/intensiv kannst du gehen?
Ein (vermeintlicher) True Winter, der am liebsten die dünkelsten und dustersten Farben trägt oder sich magisch zu gewürzigeren Tönen hingezogen fühlt, kann mal den Deep Winter testen. Und wer besonders die knalligen Farben an sich mag, schnuppert mal in den Bright Winter rein. Wie ruhig oder neon kannst du gehen?
Und nicht vergessen: Die Untertypen sind eigentlich Mischtypen, und wenn dir nur eine Art von Metall (Gold oder Silber) steht, bleibst du trotz deinem Eckerl eine True Season. Schau dir auch die oben bei den Mischtypen verlinkten Sachen an, um dein Auge zu schulen.
Es gibt neben den vielen anschaulichen Bildern der unzähligen pinterest boards (Vorsicht im Detail, manchmal sind einzelne Farben oder Promis falsch eingeordnet!) auch einige gute Seiten zu diesem Thema:
truth is beauty - ist wirklich eine meiner liebsten Seiten zu dem Thema (wie du gemerkt hast), weil man unter "blog", aber auch in der Leiste unter den einzelnen Typen sehr viele anschauliche Beispiele bekommt, die einem anhand von Stars zeigen, wie richtige und falsche Farben an einem wirken können.
12blueprints - der Blog einer etablierten Farbtypberaterin. Lange und eher philosophische Beiträge, die einem aber viele Zusammenhänge erklären.
prettyyourworld - die Webpräsenz einer anderen Farbtypberaterin. Auch hier gibt es Anschauungsmaterial, aber eher weniger Text. Nicht verwirren lassen, das 16er Farbtypensystem ist eine Erweiterung vom 12er (12er System + 4 zusätzlich Typen), aber es gibt leider noch viel zu wenig Infos darüber im Netz, deswegen spreche ich es hier auch nicht an.
Into mind - einer meiner Lieblingsblogs zum Thema Wardrobe Building hat einen dreiteiligen Beitrag zum Thema.
Beautyjunkies - In diesem Forum zB gibt es einen öffentlich einsichtigen Farbtypenthread, wo scheinbar auch bei der Typenbestimmung geholfen wird. Jedenfalls sind in den ersten Postings sehr viele gute Infos und auch Videos zu finden.
Wer auf Facebook ist, sollte auch mal nach Farbtyp-Gruppen suchen (ich weiß leider nicht, wie die jeweils heißen).
Nachtrag: besonders anschauliche und akkurate Pinterestboards macht Cate Linden (die ausgebildete Farbberaterin ist).
Ich hoffe, ich hab dir jetzt genügend Informationen in die Hand gegeben, um dich im Farbtypendschungel gut zurecht zu finden und selbstständig dein Auge zu schulen.
Wie mir persönlich die Farbtypen zu einem minimalistischeren und langlebigeren und zufriedeneren Kleiderschrank verhelfen
Man kann das ja halten, wie man will (wichtig ist ja nur, dass die richtigen Farben in Gesichtsnähe sind, nabelabwärts kann man sich prinzipiell austoben), aber ich halte mich fest an meine Palette. Ich bin so schnell überfordert von zu viel Auswahl, dass ich mich dankbar an meinen Rettungsring klammere. Sachen einkaufen wird so viel einfacher durch diese Vorentscheidung. Ich hab die Wühlkiste am Flohmarkt in 3 Sekunden durchgescannt (Gwand probieren am Flohmarkt ist bekanntlich das Umständlichste was es gibt).Mein Farbtyp bleibt mein gesamtes Leben lang gleich. Selbst wenn die Haare grau werden. Ich kann mir also sicher sein, dass mir die Bluse in Fuchsia farblich auch in 10 oder 30 Jahren noch steht. Endlich zahlt es sich aus, langfristig zu denken und auch mal ein besonders hochwertiges Ding zu erfeilschen.
Ich habs auch noch immer nicht so mit den Farbkombinationen. Das muss ich erst besser lernen, aber es ist nicht so schwierig weil ich ja meine Palette hab und prinzipiell alles mit allem farblich zusammenpasst.
Seit ich außerdem gesehen habe, wie falsche und richtige Farben an mir wirken, gibt es für mich auch kein Zurück mehr. Ich will dieses geile Gefühl einfach nicht mehr missen, zufällig an einem Spiegel vorbeizukommen und dabei meine Farben anzuhaben ;)
Hast du Fragen zu den Farbtypen?






