Manche Dinge brauchen länger bei mir. Der Minimalism TAG geistert schon seit über einem Jahr durchs Netz, aber ich hab halt erst jetzt Lust bekommen, diese Fragen zu beantworten. Schändlicherweise weiß ich gar nicht, wer damit eigentlich angefangen hat. Die Idee hab ich jedenfalls von The Nife.
1. What drew you to minimalism?
Es gibt ja so die Geschichten von den geläuterten Hoardern und Messies. War bei mir nicht so, bei weitem nicht. Ich war aber auch nicht die geborene Minimalistin. Nachdem ich mit Studienbeginn aus Mutters Quality-over-Quantity-Fittichen draußen war, hab ich mir auch erst mal mein Zimmer vollgeramscht, will meinen, dekoriert.
Minimalismus als Lebensphilosophie habe ich irgendwann zwischen 2006 und 2009 aufgeschnappt. Interessant fand ich das Konzept vor allem in Kombination mit Kritik an Konsum- und Leistungsgesellschaft. Angezogen hat mich vor allem auch die Ästhetik heller reduzierter Räume. Von Umsetzung war aber erst die Rede, als ich 2009 durch eine längere Reise nicht nur philosophisch das Gewicht meines Besitzes bemerkt hab. Ich hab so minimalistisch gepackt gehabt wie noch nie und trotzdem war die Hälfte nutzloser Ballast. Ich glaub, sogar schon am ersten Tag der Ankunft zu Hause fing mein radikales Ausmisten an.
Meine erste Faszination war tatsächlich, wie bei den meisten Leuten, materiell: Weniger Zeug = weniger Putzen, mehr Platz, mehr Geld, mehr Zeit, mehr Qualität, weniger schleppen.
2. How did you start the decluttering process?
Radikal. Mit wildem Enthusiasmus und durchaus einiger Aggression wurde alles rausgehauen, was ich nicht will und nicht brauch. Ich war wie besessen, hab auf Essen und Trinken vergessen. Die Entscheidung stand, das Klumpert muss weg. Mit Aktionen wie "jeden Tag ein Ding weniger" wäre ich nie glücklich geworden. Hat ja keinen Effekt, kein Drama. (So zizerlweis* Entrümpeln würd ich auch niemandem empfehlen, weil die "Erleuchtung" dann wegbleibt, den man hat, wenn man ein Wochenende lang kräftig ausmistet und das Ergebnis so richtig sieht. Zizerlweis ist unsichtbar und motiviert nicht.)
Der Wahnsinn ging schubweise über 2 Jahre und bei jedem Schub bin ich meinen kompletten Besitz durchgegangen. Das Ausmisten war bei mir ein Prozess, eine ständige Neuevaluation. Manche Dinge hatte der Kopf beschlossen, aber das Herz war erst in der nächsten Runde bereit. Andere Dinge mussten erst ob ihrer tatsächlichen Verwendung beobachtet werden.
Seit etwa 3 Jahren würde ich sagen, dass der Ausmistprozess vorbei ist. Klar gibt es immer wieder mal Dinge wie Fehlkäufe, die in den Freundeskreis wandern, aber das sind großteils Aufbrauchsachen (Kosmetik, Lebensmittel). Es hat sich ein stabiles Besitzlevel eingependelt.
Viel interessanter hätte ich an dieser Stelle die Frage gefunden: What happened after the decluttering process? Ich glaub, die meisten Leute haben eigentlich gar nicht so das Problem damit, mit dem Ausmisten anzufangen. Es ist eher so, dass während und nach dem großen Entrümpeln viele Entwicklungen losgetreten werden. Ich habe gelernt, Besitz und Beziehungen nicht als selbstverständlich anzusehen. Meine Wunschvorstellungen und mein Fantasy Self einem Realitycheck zu unterziehen.
3. Have you ever counted all your things? If so, how many things do you own?
Besitz zählen finden viele doof, aber es kann schon sehr erleuchtend sein, das zum Beispiel in der Anfangsphase einmal zu machen. Ich bin kein Zahlenmensch, aber ich hab aus Interesse und Prokrastination tatsächlich schon zweimal das Volumen meines Besitzes dokumentiert. Ich wollte wissen, wie viele Umzugsschachteln ich eigentlich bräuchte und hab mir tatsächlich die Mühe gemacht, das direkt auszutesten. Es war interessant, aber bissl mühsam und die Zahl der Umzugskartons, vor allem je nach Besitzbereich war nicht immer mit meinem persönlichen Empfinden übereinstimmend.
Wie viel ich jetzt grade besitze? Hm, ich würde sagen, tetrislike eingeschlichtet würde alles in meinen Kleiderschrank (150x60x220) passen, plus Möbel, Fahrrad und Instrumente. Ja, und was sagt das jetzt aus? Sagt das jetzt was über die Herkunft, die Qualität, den ökologischen Fußabdruck aus, die Bedeutung die mein Besitz für mich hat? Wie viel lagere ich bewusst und unbewusst aus? Was zählt zu persönlichem Besitz?
Ohne Bezugssystem sind das leere Zahlen. Aber so ein Bezug ist hergestellt, wenn man zum Beispiel mit Fotos oder Inventarlisten einen motivierenden Vorher/Nachher-Vergleich anstellt. Dann liegt aber die Aussagekraft allein innerhalb dieses Bezugsystems. Man sieht, wie viel man ausgemistet hat. Wie viel mehr der Platz geworden ist. Nicht mehr und nicht weniger.
4. What are your tips for dealing with the desire for more?
Der Wunsch nach Mehr bedeutet, dass es keinen tatsächlichen Mangel gibt, den es zu beenden gilt, sondern dass man darüber hinaus mehr haben will, oder? Aber noch keine Sucht.
Ich denke, bei dem Wunsch nach Mehr geht es um zwei Dinge. Einerseits ist Konsum oft der Versuch, Bedürfnisse materiell zu befriedigen, die immateriell befriedigt werden wollen. Andererseits ist Kaufen zwar nicht immer eine Sucht, aber eine Gewohnheit, die erstmal durchbrochen werden muss.
Vermutlich ist das Effektivste, zeitlich abgesteckter kalter Entzug. Eigentlich egal um welche suchtähnliche Gewohnheit es geht, sei es Internetberieselung oder Shoppen oder nach dem Essen Naschen, ich finde kalten Entzug die effektivste Methode, um sich des Ausmaßes der Gewohnheit bewusst zu werden und zwangsläufig (gute!) Ersatzhandlungen finden zu müssen. Nach dem Durchbrechen der Gewohnheit ist man auch besser fähig, sie in einem sinnvolleren Maß wieder einzuführen (oder in manchen Fällen es sogar überhaupt sein zu lassen). Die Dauer des Entzugs richtet sich v.a. nach der Häufigkeit der Gewohnheit. Wer jeden Tag viele Stunden vor Katzengifs hängt, dem reichen vermutlich schon 7 Tage, wer jede Woche Shoppen geht, sollte lieber 3 Monate einplanen. Weil sich alte Gewohnheiten gerne wieder einschleichen, kann es sinnvoll sein, die üblichen Verdächtigen immer wieder mal zu pausieren.
Klar kann man auch irgendwie schrittweise reduzieren, aber ich bin ein Fan von ein bisschen Drama, weil man Dinge nicht so klar wahrnimmt, wenn sie sich nur ein bissi verändern. Es ist aber ungefährliches Drama, weil es ein abgesteckter und nicht übermäßig langer Zeitrahmen ist (in 3 Monaten zerschleißt einem ja nicht gleich die gesamte Jeansabteilung seines Kleiderkastens). Dafür lieber öfter.
Ich hab keine shopping fast machen müssen. Was mir die Augen geöffnet hat, war der Aufwand in unserer Überflussgesellschaft, das angeschaffte Zeug wieder loszuwerden: Geld (wegen Wertverlust), Zeit, Nerven. Da überlegt man sich echt dreimal, ob man sich wieder was kauft. Außerdem versuche ich es lieber erstmal "ohne" (zB: bei der neuen Sportart reicht sicher auch das erstmal oder überhaupt, was man eh daheim hat). Manchmal schreib ichs mir auch auf eine Liste und warte, ob ich etwas in zwei Wochen, zwei Monaten immer noch haben will. Ich war aber auch nie so wirklich kaufwütig. Nichtessbares einkaufen zu müssen nervt mich eher, all die Eindrücke, die Menschen, die Zwangsbeschallung, der Überfluss, in dem es dann trotzdem nicht gibt was man sucht... Ich kenn den Wunsch nach Mehr von mir selbst irgendwie nicht so. Ich kenn aber das Problem der suchtähnlichen Internetberieselung und weiß daher, von was ich oben beim kalten Entzug schreibe.
Gibt es den Wunsch nach Mehr auch im nichtmateriellen Bereich? Ich wüsste jetzt nicht, wo. Das ist doch eine ziemlich konsumistische, kapitalistische Geschichte oder? Oder fällt dir was ein? Etwas, das weder nur Beseitigung eines Mangels ist (Liebe, Bewegung, ...), noch schon tatsächliche Sucht (Spielsucht, Sexsucht...).
5. How do you deal with non-minimalists in your life?
Ich rede über das Thema eigentlich nur, wenn es aufkommt und dann auch nur sehr subjektiv. Zum Beispiel erzähle ich dann, dass mich zu viel Besitz einfach nervt, weil man das alles ja auch blöd putzen muss. Leuchtet den Leuten immer ein. Das Thema Minimalismus kommt in letzter Zeit (wenngleich auch nicht unter diesem Namen) in Gesprächen mit Freunden, Bekannten, Fremden immer häufiger vor. Ganz viele Menschen sind ziemlich gefrustet von Überfluss, Konsumzwang, Zeitnot.
Mein Umfeld ist generell sehr minimalismusfreundlich. Manche lassen sich inspirieren, manche akzeptieren einfach nur meinen kleinen Tick. Ich werde sogar immer wieder mal als Ausmisthilfe gebraucht, selbst wenn ich nur mit meinem Teehäferl auf der Couch sitz und zuschau.
Ausgesprochene Nichtminimalisten lass ich einfach mit dem Thema in Ruhe. Jedem das seine.
6. Do you have any guilty pleasures where minimalism doesn't apply?
Nein. Denn wenn mir etwas wichtig ist oder ich es einfach mag, dann ist es ja kein guilty pleasure. Alles was ich besitze, verwende und (oder) mag ich. Es kommt auch immer auf den Bereich an, beim Kleiderschrank zB ist extremer Minimalismus nicht sinnvoll für mich (Kleidung zerschleißt mir schneller als ich befriedigend nachkaufen kann). In anderen Bereichen hilft mir dagegen wiederum Extremminimalismus. Und es gibt durchaus noch den einen oder anderen Gegenstand, den mein Herz nicht gehen lassen will, und das darf auch so sein. Ausmisten um des Ausmistens Willen bringt ja keinem was. Minimalismus ist kein Selbstzweck sondern ein Hilfsmittel und soll das Leben erleichtern.
Jetzt bist du dran! Ich bin neugierig, wie du diese Fragen beantwortest. Gerne auch in deinem Blog, lass mir doch dann ein pingback da! Beantworte alle Fragen, oder pick dir was raus! Wie tickst du beim Minimalismus - fühlst du dich als Minimalist, oder schnupperst du in das Konzept nur rein?
* zizerlweis ist zizerlweis halt. Ja ich weiß auch nicht wie ihr Deutschen dazu sagts. Das österreichische Wörterbuch sagt: "nach und nach, in kleinen Stücken", aber das trifft nicht ganz die Bedeutung. Diese kleinen Stücke sind bei zizerlweis wirklich miniminimini. Es hat auch so einen gewissen Nervcharakter und Ungeduld dabei. So wie wenn kleine Kinder in aller Ruhe zizerlweis Buchstabe für Buchstabe aus der Suppe klauben und du eigentlich echt dringend wohin musst. Dieser wichtige Teil der Wortbedeutung geht bei "Stück für Stück" verloren und deswegen steht oben auch zizerlweis.
4. Juli 2015
26. Juni 2015
Themenwechsel
Normalerweise kündige ich Themenwechsel ja nicht extra an, aber irgendwie find ichs grade angebracht.
Ich werde die Kleiderschrank-Reihe wieder ein bissl unterbrechen, weil mir sonst die Puste ausgeht. Ich hab grad keine globalen Ideen wegen der Umsetzung (v.a. wie man verschiedene Stile mit verschiedenen Archetypen umsetzt und so). Vielleicht ist noch ein weiteres Erklärposting für Kibbe notwendig, vielleicht auch nicht, mal abwarten. Ich weiß auch fürs nächste Archetypensystem (das mit den frei mischbaren Essences) einfach noch nicht, wie ich das angeh - oder was ich überhaupt drüber denk. Kibbe muss jetzt bei denen, die interessiert sind, eh erst mal sickern und Fragen werden weiterhin in den Kommentaren beantwortet. Gern helf ich auch per Email ein bissi.
Aber die nächste Zeit hab ich erstmal wieder Lust auf Sachen, die direkt mit Minimalismus zu tun haben :)
Schließlich lautet das 2015er Motto ja: Musenkuss.
Bussi,
das Fehlerchen :)
Ich werde die Kleiderschrank-Reihe wieder ein bissl unterbrechen, weil mir sonst die Puste ausgeht. Ich hab grad keine globalen Ideen wegen der Umsetzung (v.a. wie man verschiedene Stile mit verschiedenen Archetypen umsetzt und so). Vielleicht ist noch ein weiteres Erklärposting für Kibbe notwendig, vielleicht auch nicht, mal abwarten. Ich weiß auch fürs nächste Archetypensystem (das mit den frei mischbaren Essences) einfach noch nicht, wie ich das angeh - oder was ich überhaupt drüber denk. Kibbe muss jetzt bei denen, die interessiert sind, eh erst mal sickern und Fragen werden weiterhin in den Kommentaren beantwortet. Gern helf ich auch per Email ein bissi.
Aber die nächste Zeit hab ich erstmal wieder Lust auf Sachen, die direkt mit Minimalismus zu tun haben :)
Schließlich lautet das 2015er Motto ja: Musenkuss.
Bussi,
das Fehlerchen :)
22. Juni 2015
Archetypen: System A - Kibbe (2) Typ rausfinden
1) Mach den Test
Für den Einstieg bietet sich der Test aus dem Forum an (die ersten beiden Links). Er ist gut bebildert und zeigt dir auch gleich, worauf es beim Typisieren ankommt, welche Körpereigenschaften relevant für die Einschätzung sind. Schnapp dir für den Test wen Zweiten, weil die Selbsteinschätzung ja oft schwierig ist.Zusätzlich zur gefühlsmäßigen Auswertung am Ende vom Test, kannst du auch diese alternative Auswertung machen.
Wichtig: Dieses Testergebnis ist ein erster Anhaltspunkt und muss noch nicht stimmen! Du musst das erst durch systematisches Klamottentesten verifizieren und nicht selten kommt man dann doch auf einen bissl anderen Typen.
Wenn du dann also dein Ergebnis ausprobierst, probier auch diese ähnlichen Kibbetypen mit:
Nachbartypen
Dramatic → SD, DC, FG
Soft Dramatic → D, TR
Flamboyant Natural → SN, N, FG
Natural → FN, SN, D, FG
Soft Natural → FN, N, R, TR, SG
Flamboyant Gamine → DC, G, SG, D
Gamine → SG, FG, C, DC
Soft Gamine → FG, G, R, TR, SN
Dramatic Classic → C, SC, D, FG
Classic → DC, SC, G
Soft Classic → DC, C, SG, R
Theatrical Romantic → R, SD, SN, SG
Romantic → TR, SG, SN, SC
2) Bisherige Erfahrungen
Was sagt dein persönlicher Erfahrungsschatz? In welchen Sachen hast du dich gut oder schlecht gefühlt? Wo gabs viele Komplimente?Versuch, eine möglichst detaillierte Liste zu machen.
Was sind deine bisher besten Kleidungsstücke? Beschreib sie möglichst genau: Welche Linien siehst du? Welche Schnitte? Welches Muster? Welche Formen? Wenn du Muster beschreibst, sei möglichst detailliert (Größe, Form, Regelmäßigkeit, Farben, Farbkontrast etc.).
Was sind deine Anti-Sachen? Worin hast du dich, vielleicht wider Erwarten, gar nicht wohl gefühlt?
Zwiespalt-Sachen: Was findest du an dir gut, andere an dir aber nicht so? Oder was finden andere an dir gut, du aber scheußlich an dir?
Kannst du dadurch anhand der Empfehlungslisten (s.u.) bestimmte Archetypen schon eher ausschließen, andere dafür in die enge Auswahl nehmen?
3) Vergleiche dich mit anderen
Unterhaltsam und hilfreich kann es sein, sich selbst mal im Kontext der (verifizierten) Kibbetypen zu sehen. Es gibt schon fertige Collagen, in die du einfach dein eigenes Portraitbild (am Besten in Schwarz/Weiß, Farben können von den Linien ablenken) dazu-photoshopst. Zusätzlich, oder alternativ kannst du auch auf der einen Bildschirmhälfte ein aussagekräftiges Bild von dir aufmachen und auf der anderen Bildschirmhälfte die Collagen oder meine pinterest-Sammlungen und dich dann so direkt vergleichen.Auch wenn du Gruppenfotos mit dir und anderen Frauen drauf daheim hast, kann das hilfreich sein. Welche Unterschiede fallen dir auf? Bist du größer/kleiner oder wirkst du größer/kleiner? Bist du runder, eckiger, weicher, muskulöser etc. als die anderen?
Der Vergleich zeigt nur eine Tendenz an. Selten findet man mit ein bissl Glück ein Promi-Lookalike, was aber auch nix heißen muss. Ich pass bei den Promi-Collagen zu den meisten yin-Typen (R, TR, SN, SG, SC) und wirk fremd bei den ganzen yang-Typen (D, SD, FN, FG, DC). Die größte Ähnlichkeit ist bei mir aber schon bei R und TR da.
4) Verifiziere dein Ergebnis
Ohne dass du konkret die jeweiligen Kleidungsstücke ausprobiert hast, kannst du nicht wissen, ob du wirklich dieser Typ oder ein bissl ein anderer bist.Du findest hier die Empfehlungslisten für die jeweiligen Typen. Es wäre klug, wenn du dich hinsetzt und dir die für dich relevanten übersetzt, auch wenn dein Englisch gut ist. Sehr hilfreich hab ich auch dieses Dokument gefunden (hier der 3. Link), das einen die Recs direkt nebeneinander vergleichen lässt.
Der Idealvorgang ist, dass du dich genau in die (übersetzten) Recs (Empfehlungen) einliest und versuchst, dich als vollständigen Archetyp XY zu verkleiden. Von Frisur bis Schuhe. Fotografieren und dann am PC in Ruhe vergleichen. Das ist durchaus ein bissi ein Aufwand, aber sehr effizient.
Alles andere dauert halt länger und kann auch zu Fehleinschätzungen führen. Aber ist natürlich auch möglich. Du kannst dir zum Beispiel 1-2 Outfits zusammenstellen, die den jeweiligen vermuteten Archetypen entsprechen (lies dir v.a. die Recs durch und schau nicht auf pinterest!) und mal ein paar Wochen immer wieder anziehen und schauen, was passiert. Du kannst Themenschwerpunkte wählen und die Recs so aufgeteilt nach und nach ausprobieren. Die meiner Meinung nach wichtigsten bzw. aussagekräftigsten Elemente sind Taillenbetonung (keine, leicht, stark?), Position der „Taille“/Gürtel (von Babydoll bis Hüfte), beste Position für Schmuck (Gesichtsnähe, übern ganzen Körper verteilt, auf Bauchhöhe?), Detailmenge (viel Klimmbimm, ein Statementteil, so wenig wie möglich?), Saumlänge (knielang, bodenlang oder egal?). Du kannst auch die Anti-Sachen testen, die du in den Recs jeweils findest.
Es bleibt aber ein Prozess, in dem du sehr viel lernst und dein Typ muss nicht von heut auf morgen feststehen. Bleib offen.
Dinge, die du bedenken musst
- Fotos machen: Kannst du vorm Spiegel, mit Selbstauslöser oder einer geduldigen Person. Wichtig ist, dass die Kamera auf deiner Schulterhöhe positioniert ist, weil sonst deine Proportionen verschoben werden. Nimm auch deine Brille ab – ich hab das oft nicht gemacht und ärger mich jetzt sehr. Selbst wenn eine Brillenform super passt, Brillen stören beim Beurteilen ganz ungemein. Es hilft, wenn du die Fotos dann zum Beurteilen auch in Schwarz/Weiß-Version photoshopst, Farben können sehr ablenken.
- Kibbe hat sein Buch "Metamorphosis" in den 80ern geschrieben und so musst du die Recs auch lesen. Heute trägt ja kaum wer Schulterpolster und die Stoffe haben sich enorm verbessert, sodass es da dank Stretch viel mehr Spielraum gibt. Was er außerdem über Charakter/Persönlichkeit schreibt, bezieht sich auf die Filmrolle!
- Wir sind derzeit umgeben von Natural-Klamotten. Modeblogs, Pinterest, alles voll mit Natural. Es ist teilweise so schlimm in manchen Geschäften, dass ich als TR echt heulen könnt. Unser Auge ist komplett auf Natural eingestellt. Wir können daher auch unter Umständen nicht so gut sehen, wenn uns Naturalzeugs eigentlich gar nicht steht. Oder wir halten manche Naturalsachen vielleicht für Zeug für unseren nicht-Natural-Archetypen.
- Grundsätzlich haben wir natürlich unsere Intuition und meist schon so ein Gefühl dafür, was uns ca. steht. Aber da wird so viel reingepfuscht. Es gibt auch den neuropsychologischen Effekt, dass uns gefällt, was wir oft sehen (uns schmecken auch Sachen, die wir oft essen. Nicht umgekehrt!). Nur weil dir also etwas gefällt, muss es nicht sein, dass das auch dein Archetyp ist. (Was nicht heißt, dass du den Stil nicht trotzdem, an deinen Körper angepasst, tragen kannst)
- Nicht alle Kleidungsstücke kann man immer exakt einem Typen zuordnen. Letztes Jahr zum Beispiel waren sehr viele FG-Sachen in, wo die Schnitte und Muster gepasst haben, aber leider die Stoffe oft viel zu weich und schlabbrig waren. Wenn du also noch auf der Suche nach deinem Typ bist und Sachen probierst, müssen erstmal wirklich alle Eigenschaften abgehakt werden können.
Das mit pinterest...
...ist bei mir eine Hassliebe, wie du weißt. Einerseits das Klischeezeugs, die viele Abendmode. Aber dann halt schon auch hilfreich. Wenn schon pinterest, dann schau dir folgende Boards von Best Dressed an: "commentary booth", "body types", "shopping for your season" und "know your best hair color" - die zeigen gute und Antibeispiele. Allerdings weicht das System von Best Dressed leicht von Kibbe ab (basiert nur drauf), sodass ich das nur zum Verstehen des Prinzips, aber nicht für die konkreten Klamottenbeispiele nehmen würde. Bei anderen Boards wär ich prinzipiell vorsichtig, viele davon sind Boards von Leuten, die selber im Lernprozess drin sind.
Außerdem hat sich auch Vanessa von Stylesyntax überlegt, wie man seinen Kibbetypen am besten findet.
Welche Fragen hast du? Wo bräuchtest du mehr Infos oder Hilfestellung? Wo sind deine Knoten im Kopf?
Wenn du einen Hinweis von mir brauchst, schick mir gern ein, zwei aussagekräftige Fotos von dir (Ganzkörper, normale Indoorkleidung, keine Brille, aus Schulterhöhe fotografiert) per Email, (siehe oben bei Kontakt) dann geb ich dir eine erste spontane Einschätzung. (Privatsphäre und Datenschutz rocken, also keine Sorge :) ).
Dieses Posting ist Teil meines Kleiderschrankprojekts. Das Einstiegsposting zu den Archetypen findest du hier.
19. Juni 2015
Archetypen - System A: Kibbe (1) Einleitung
Ich hab jetzt wirklich lang herumüberlegt, mit welchem System ich anfangen soll. Soll ich mit Kitchener/Northrup anfangen, weil ja jetzt viele schon bei TIB herumgeschaut haben? Und weil es das ursprünglichere System ist?
Kibbe ist aber (in meinen Augen) sehr viel logischer, hat eindeutige Checklisten, ist im Netz weiter verbreitet, es gibt sogar ein Buch und es gibt nur 13 Typen, anstatt die schier unendlichen Mischtypen vom Kitchenersystem.
Diese überschäumende Vielfalt ist meiner Meinung nach gar nicht notwendig, (Weniger ist mehr, oder?) Kibbe funktioniert mit seinen 13 Typen tadellos und ich finde, das System bietet ironischerweise viel mehr Spielraum für Individualität, weil es mit weniger Typen ja entsprechend größer gefasst ist.
Ich würde mit Kibbe beginnen. Erst wenn du Finetuning möchtest oder mehr Inspiration, oder (seltener Fall!) bei Kibbe kein Platzerl findest, würd ich mal zu Kitchener rüberschauen.
Sehr wichtig zu wissen ist: Kibbe ist primär ein Linientypensystem. Kitchener/Northrup/McJimsey (kommt im Anschluss) hingegen scheint mir viel stärker auf Essences zu gehen – Filmrollen. Ich hoffe, dir ist im Stil-Posting der Unterschied klar geworden und wenn ich dann auch auf Kitchener eingeh, wird er sicher noch verständlicher.
Kibbe fokussiert sich also auf Linien, das heißt, dein Farbtyp und deine Filmrolle (=Essence) sind komplett egal. Wir sind wieder bei den Basiskonzepten Linie und Yin/Yang! Vielleicht lies diese beiden Postings jetzt nochmal kurz durch zur Erinnerung. Und vergiss vielleicht erstmal den Truth-is-Beauty-Blog, den darfst du beim Kitchener-Posting dann wieder anschauen.
Dramatic (D)
Soft Dramatic (SD) – yin Dramatic
Flamboyant Natural (FN) – yang Natural
Natural (N)
Soft Natural (SN) – yin Natural
Flamboyant Gamine (FG) – yang Gamine
Gamine (G)
Soft Gamine (SG) – yin Gamine
Dramatic Classic (DC) – yang Classic
Classic (C)
Soft Classic (SC) – yin Classic
Theatrical Romantic (TR) – yang Romantic
Romantic (R)
Nicht missverstehen: Diese Liste ist nicht exakt von Yang nach Yin geordnet! Man kann da nicht mehr so leicht eine Liste machen, es ist eher ein Netz. Ach, ich werd da noch eine Schmierpapierillu nachreichen.
Dramatics sind groß, säulenartig und haben scharf geschnittene und/oder markante Gesichtszüge. Entsprechend gibt Kleidung diese Säulenhaftigkeit und Edgyness wieder.
Naturals sind eher groß, haben eine T-Silhouette (starke Schultern) und freundliche, natürliche Gesichtszüge. Die Kleidung ist relaxed, locker und lässig.
Gamines sind wilde Mischungen aus Yin- und Yang-Linien und haben einen kompakten Körperbau. Auch ihre Kleidung besteht aus wilden Mixen und kompakten Schnitten.
Classics sind genauso wie ihre Kleidung symmetrisch und elegant understated.
Romantics sind eher kleiner, kurvig und weich. Ihre Kleidung gibt das mit vielen runden Linien und weichen Stoffen wieder.
Die Grundtypen kippen entweder in den Romantic (yin) oder in den Dramatic (yang) rein. (Die wenigsten Menschen finden sich in N, G oder C wieder)
Bei der yang-Version (Dramatic-Einfluss: Flamboyant/Theatrical/Dramatic) passiert immer das:
Linien im Körper werden eine Spur yangier: leicht schärfer geschnittene Gesichtszüge, breitere Schultern oder säulenartigerer Körperbau, Knochenbau mit mehr Substanz oder schärfer geschnitten, geradere Taille, größer oder wirkt größer.
Muster werden eine Spur größer und eckiger, Stoffe eine Spur steifer, Schnitte geradliniger (Taillenbetonung wird unwichtiger), Linien schärfer (eckiger, spitzer), Kontraste stärker.
Ein Romantic-Einfluss (yin-Version/“Soft“) macht auch immer dasselbe:
Linien im Körper werden eine Spur weicher: weichere, runder geschnittene Gesichtszüge, weicheres „Fleisch“, kurviger (= schmälere Taille, runderes Becken), zierlicherer (einzelne Knochen) und/oder breiterer Knochenbau (Silhouette), kleiner oder wirkt kleiner.
Muster werden eine Spur kleiner und runder, Stoffe weicher, Schnitte kurviger und runder (Taillenbetonung wird wichtiger), Linien sanfter, Kontraste schwächer.
Natürlich macht es einen Unterschied, wie yin oder yang der Basistyp ist, von wo man ausgeht. Ein Theatrical Romantic ist ein Romantic, der eine Prise Dramatic abbekommen hat, aber deswegen wird die Taillenbetonung nicht unwichtig (ganz im Gegenteil!), dafür ist er noch viel zu yin. Ein Soft Dramatic hat ein bisschen Romantic abbekommen, aber kann sichs aussuchen, ob Taillenbetonung oder nicht.
TiB-Leser werden sich fragen: Wo sind Ingenue und Ethereal hin?
Ich persönlich bin ja zwiegespalten. Rachel von TiB ist ja sehr begeistert vom Kitchenersystem (das 7er System mit der freien Mischbarkeit) und ich verstehe, warum sie das ist. Ich verstehe aber auch die Gründe, warum die beiden aus dem Kibbesystem rausgeflogen sind. Ingenue ist so eine Sache. Meine Ingenue-Portion macht letztlich doch überhaupt keinen Unterschied bei meinem Linientypen (Theatrical Romantic). Oft verwächst sich Ingenue außerdem zwischen 20 und 30 Richtung Romantic und ursprünglich wurde Ingenue sowieso eher als Romantic-Version für junge Mädchen gehandhabt. Auch Ethereal ist umstritten (hier in den Kommentaren).
Im nächsten Teil zeig ich dir, wie du deinen Typ rausfinden kannst.
Inhaltsverzeichnis zu Kibbe
(1) Einleitung
(2) Typ rausfinden
(3) Umsetzung
Kibbe ist aber (in meinen Augen) sehr viel logischer, hat eindeutige Checklisten, ist im Netz weiter verbreitet, es gibt sogar ein Buch und es gibt nur 13 Typen, anstatt die schier unendlichen Mischtypen vom Kitchenersystem.
Diese überschäumende Vielfalt ist meiner Meinung nach gar nicht notwendig, (Weniger ist mehr, oder?) Kibbe funktioniert mit seinen 13 Typen tadellos und ich finde, das System bietet ironischerweise viel mehr Spielraum für Individualität, weil es mit weniger Typen ja entsprechend größer gefasst ist.
Ich würde mit Kibbe beginnen. Erst wenn du Finetuning möchtest oder mehr Inspiration, oder (seltener Fall!) bei Kibbe kein Platzerl findest, würd ich mal zu Kitchener rüberschauen.
Sehr wichtig zu wissen ist: Kibbe ist primär ein Linientypensystem. Kitchener/Northrup/McJimsey (kommt im Anschluss) hingegen scheint mir viel stärker auf Essences zu gehen – Filmrollen. Ich hoffe, dir ist im Stil-Posting der Unterschied klar geworden und wenn ich dann auch auf Kitchener eingeh, wird er sicher noch verständlicher.
Kibbe fokussiert sich also auf Linien, das heißt, dein Farbtyp und deine Filmrolle (=Essence) sind komplett egal. Wir sind wieder bei den Basiskonzepten Linie und Yin/Yang! Vielleicht lies diese beiden Postings jetzt nochmal kurz durch zur Erinnerung. Und vergiss vielleicht erstmal den Truth-is-Beauty-Blog, den darfst du beim Kitchener-Posting dann wieder anschauen.
Die Kibbetypen
Im Kibbesystem gibt es die 5 Grundarchetypen (von Yang nach Yin) Dramatic, Natural, Gamine, Classic und Romantic. Jeden dieser Typen gibt es außerdem noch in einer Yin- und einer Yang-Version (außer Dramatic und Romantic, weil die jeweils schon am Ende der Skala stehen). David Kibbe hat durchaus seine Schrullen, deswegen heißen seine Typen im Endeffekt nicht einfach yang Natural und yin Natural etc., sondern:Dramatic (D)
Soft Dramatic (SD) – yin Dramatic
Flamboyant Natural (FN) – yang Natural
Natural (N)
Soft Natural (SN) – yin Natural
Flamboyant Gamine (FG) – yang Gamine
Gamine (G)
Soft Gamine (SG) – yin Gamine
Dramatic Classic (DC) – yang Classic
Classic (C)
Soft Classic (SC) – yin Classic
Theatrical Romantic (TR) – yang Romantic
Romantic (R)
Nicht missverstehen: Diese Liste ist nicht exakt von Yang nach Yin geordnet! Man kann da nicht mehr so leicht eine Liste machen, es ist eher ein Netz. Ach, ich werd da noch eine Schmierpapierillu nachreichen.
Wie schauen diese Typen aus?
Die Grundtypen haben alle bestimmte Körpereigenschaften, woraus sich Empfehlungen ableiten lassen.Dramatics sind groß, säulenartig und haben scharf geschnittene und/oder markante Gesichtszüge. Entsprechend gibt Kleidung diese Säulenhaftigkeit und Edgyness wieder.
Naturals sind eher groß, haben eine T-Silhouette (starke Schultern) und freundliche, natürliche Gesichtszüge. Die Kleidung ist relaxed, locker und lässig.
Gamines sind wilde Mischungen aus Yin- und Yang-Linien und haben einen kompakten Körperbau. Auch ihre Kleidung besteht aus wilden Mixen und kompakten Schnitten.
Classics sind genauso wie ihre Kleidung symmetrisch und elegant understated.
Romantics sind eher kleiner, kurvig und weich. Ihre Kleidung gibt das mit vielen runden Linien und weichen Stoffen wieder.
Die Grundtypen kippen entweder in den Romantic (yin) oder in den Dramatic (yang) rein. (Die wenigsten Menschen finden sich in N, G oder C wieder)
Bei der yang-Version (Dramatic-Einfluss: Flamboyant/Theatrical/Dramatic) passiert immer das:
Linien im Körper werden eine Spur yangier: leicht schärfer geschnittene Gesichtszüge, breitere Schultern oder säulenartigerer Körperbau, Knochenbau mit mehr Substanz oder schärfer geschnitten, geradere Taille, größer oder wirkt größer.
Muster werden eine Spur größer und eckiger, Stoffe eine Spur steifer, Schnitte geradliniger (Taillenbetonung wird unwichtiger), Linien schärfer (eckiger, spitzer), Kontraste stärker.
Ein Romantic-Einfluss (yin-Version/“Soft“) macht auch immer dasselbe:
Linien im Körper werden eine Spur weicher: weichere, runder geschnittene Gesichtszüge, weicheres „Fleisch“, kurviger (= schmälere Taille, runderes Becken), zierlicherer (einzelne Knochen) und/oder breiterer Knochenbau (Silhouette), kleiner oder wirkt kleiner.
Muster werden eine Spur kleiner und runder, Stoffe weicher, Schnitte kurviger und runder (Taillenbetonung wird wichtiger), Linien sanfter, Kontraste schwächer.
Natürlich macht es einen Unterschied, wie yin oder yang der Basistyp ist, von wo man ausgeht. Ein Theatrical Romantic ist ein Romantic, der eine Prise Dramatic abbekommen hat, aber deswegen wird die Taillenbetonung nicht unwichtig (ganz im Gegenteil!), dafür ist er noch viel zu yin. Ein Soft Dramatic hat ein bisschen Romantic abbekommen, aber kann sichs aussuchen, ob Taillenbetonung oder nicht.
TiB-Leser werden sich fragen: Wo sind Ingenue und Ethereal hin?
Ich persönlich bin ja zwiegespalten. Rachel von TiB ist ja sehr begeistert vom Kitchenersystem (das 7er System mit der freien Mischbarkeit) und ich verstehe, warum sie das ist. Ich verstehe aber auch die Gründe, warum die beiden aus dem Kibbesystem rausgeflogen sind. Ingenue ist so eine Sache. Meine Ingenue-Portion macht letztlich doch überhaupt keinen Unterschied bei meinem Linientypen (Theatrical Romantic). Oft verwächst sich Ingenue außerdem zwischen 20 und 30 Richtung Romantic und ursprünglich wurde Ingenue sowieso eher als Romantic-Version für junge Mädchen gehandhabt. Auch Ethereal ist umstritten (hier in den Kommentaren).
Im nächsten Teil zeig ich dir, wie du deinen Typ rausfinden kannst.
Inhaltsverzeichnis zu Kibbe
(1) Einleitung
(2) Typ rausfinden
(3) Umsetzung
10. Juni 2015
Archetypen: Konzept D – Stil
Es ist wichtig, dass man Essence und Linie nicht mit Stil verwechselt.
Stile werden je nach Essence und Linie anders umgesetzt.
Wenn ich als nächstes zu den konkreten Archetypen übergehe und du bestimmt fleißig pinterest anwerfen wirst, bedenke dass die Beispiele im Netz nur dem Klischeestil entsprechen. Das demotiviert anfangs vielleicht. Aber -
Es ist fast jeder Stil mit fast jedem Archetypen möglich!
Man muss manchmal nur ein bisschen tricksen und um die Ecke denken. Manchmal auch eine andere Abzweigung nehmen. Meist aber in größeren Kategorien denken und sich unter Umständen von zu konkreten Wunsch-Einzelteilen losreißen. Oft müssen nur Kleinigkeiten (Stoff, Farbe, Musterform etc.) verändert werden, um es perfekt für den eigenen Körper zu machen. Ich helf da auch echt gern mit dem Brainstorming!
Ich hab für meine Bilderbeispiele Steampunk gewählt. Mit mehr Zeit hätt ich sicher bessere Bilder gefunden, aber ich finde, sie geben eine recht große Bandbreite an Möglichkeiten der Umsetzung innerhalb eines Stils wieder.
Kannst du schon ein bisschen die unterschiedlichen Linien und Essences erkennen? Hier ist alles mögliche vertreten, von rund bis eckig, von yin nach yang und verschiedene Essences. Und trotzdem ist jedes Outfit eindeutig Steampunk.
Leider gibt es aber auch gewisse Grenzen. Auch wenn man Stile wie Steampunk, French Chic, Ethno oder Minimalismus natürlich meist auf jeden Archetyp ummünzen kann, es kann sein, dass deine Wunschausprägung nicht dabei ist. Ich hab, noch im geheimen Bereich, auf pinterest versucht, alle Archetypen in einem möglichst minimalistischen Stil darzustellen, aber je mehr ich auf die Yin-Seite gekommen bin, desto schwieriger wurde es. Yinny Sachen sind einfach sehr kleinteilig und schnörkselig. Vor allem Romantic schlicht und eher schnörkellos darzustellen wirkt so seltsam. Mal schauen, ob ich das doch noch veröffentliche... Ich bin ja selbst ein Romantic (jaaa, ich weiß ich greife vor, aber ihr habts eh schon alle auf pinterest und TIB geschaut) und auch wenn ich mich als Minimalistin verstehe, mein Stil ist es nicht. Der ist schnörkselig und mit recht vielen Details eigentlich. Ich regel das eher über Kleidungsstückzahlen. Auch Gamine braucht eine höhere Detaildichte. Man muss da eher innerhalb seines Typs denken. "Minimalistisch, für einen Romantic." etc.
Du kannst natürlich trotzdem alles anziehen, was du willst. Aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass du nach der Auseinandersetzung mit Archetypen sowohl Kleidung, als auch dich selbst, mit anderen Augen siehst.
Aber es kann natürlich trotzdem sein, dass der Weg über die Archetypen nicht deiner ist. Ich finde sie zwar genial, aber das musst du nicht auch so sehen. Viele Wege führen zum guten eigenen Stil, und die Meinungen dazu, was guten Stil ausmacht, sind ja durchaus mannigfalt. Pick dir raus, was dich inspiriert und was dir hilft. Ignorier den Rest.
Ich komme endlich zum Punkt: Linien, Essence und Stil sind drei verschiedene Konzepte, die gerne verwechselt werden.
Linien sind die Basis. Was fällt einem als erstes ins Auge? Meine Körpergröße, mein Knochenbau oder meine Kurven? Wie ist die Form von Schultern, Becken, Kiefer? Bin ich (egal was ich tu) eher weich oder muskulös? Wie sind die Linien in den Kleidungsstücken – Grad der Tailierung, Schnitte, Musterformen etc.? Linien sind sehr konkret. Zu einem gewissen Grad (ab)messbar.
Essence (oder Vibe) ist die Filmrolle, sie ist abstrakter und nicht immer konkreten Körpereigenschaften wie Knochenbau oder Lippenform zuzuordnen. Zwei gleiche Linientypen können verschiedene Essences haben – Diva und Kriegerin zum Beispiel.
Stil ist eine Sammlung bestimmter Elemente wie Muster, Materialien, Schnitte und Farbwirkungen und globaler gefasst. Jeder Linientyp und jede Essence setzt den selben Stil unterschiedlich um. Es ist sehr viel möglich, aber es gibt auch Grenzen.
Den Begriff Archetyp verwende ich als Überbegriff für Linientypen und Essences. Nicht für Stiltypen.
Linien, Essences und Stile hängen miteinander durchaus eng zusammen, können aber auch unabhängig voneinander angewendet werden. Je nachdem, was einem halt liegt oder weiterbringt.
Auch Vanessa von stylesyntax hat sich damit auseinandergesetzt.
Ein bisschen muss man leider im Netz aufpassen. Nicht alle verwenden Linientyp und Essence getrennt, es ist meist viel schwammiger als ich es dargestellt hab, auch wegen den Überschneidungen und Zusammenhängen. Vor allem Neulinge sehen Stile anfangs zu eng mit bestimmten Archetypen verknüpft bzw. umgekehrt, obwohl eigentlich sooo viel möglich ist. Pinterest ist da besonders anfällig, auch weil das verfügbare Bildmaterial viel zu eng fasst. Klar werde auch ich auf Pinterestboards verweisen, aber immer nur mit fettem fettem Disclaimer.
Das ist ziemlich verwirrend an der ganzen Sache, denn es existieren mehrere Systeme parallel (Stilberater haben meist ihr eigenes, das sich leicht von den anderen unterscheidet) und Begriffe werden mal so und mal so verwendet. Es ist nun mal keine richtige Wissenschaft. Ich hoffe aber, dass dir durch meine Blogreihe einiges soweit klar wird, dass du dich ohne zu großen Knoten im Hirn durch die Onlineressourcen lesen kannst. Da kommt natürlich außer den in den Postings verlinkten Sachen noch eine kommentierte Linkliste.
Es werden dir auch viele Archetypennamen im Netz unterkommen, die dann aber nur den Stil allein beschreiben. Gamine zum Beispiel existiert sowohl als Hardware-Archetyp (der als konkreten Stil nicht unbedingt Bubikrägen und gestreifte T-Shirts anziehen muss), als auch reiner Software-Stiltyp, der natürlich von einer Hardware-Gamine auch umgesetzt werden kann (evtl. aber leicht verändert werden muss). Diese Schwammigkeit ist einer der Gründe, warum Archetypen oft sehr klischeemäßig dargestellt werden.
Ja ich weiiiß, es ist verwirrend. Vielleicht bin ich auch keine soo gute Erklärfee. Aber ich bemüh mich. Und das Thema Klischees und Stile und Archetypen und wie das zusammenhängt usw. wird noch oft genug auftauchen und hoffentlich immer klarer.
Aber als nächstes gehts eh schon eeeendlich an die konkreten Archetypen und Systeme. Ich denk, da wirds dann gleich viel klarer. Mit diesem abstrakteren Konzeptblock vorher wollte ich vermeiden, dass du zu sehr in Klischee-Fallen tappst.
Stile werden je nach Essence und Linie anders umgesetzt.
Wenn ich als nächstes zu den konkreten Archetypen übergehe und du bestimmt fleißig pinterest anwerfen wirst, bedenke dass die Beispiele im Netz nur dem Klischeestil entsprechen. Das demotiviert anfangs vielleicht. Aber -
Es ist fast jeder Stil mit fast jedem Archetypen möglich!
Man muss manchmal nur ein bisschen tricksen und um die Ecke denken. Manchmal auch eine andere Abzweigung nehmen. Meist aber in größeren Kategorien denken und sich unter Umständen von zu konkreten Wunsch-Einzelteilen losreißen. Oft müssen nur Kleinigkeiten (Stoff, Farbe, Musterform etc.) verändert werden, um es perfekt für den eigenen Körper zu machen. Ich helf da auch echt gern mit dem Brainstorming!
Ich hab für meine Bilderbeispiele Steampunk gewählt. Mit mehr Zeit hätt ich sicher bessere Bilder gefunden, aber ich finde, sie geben eine recht große Bandbreite an Möglichkeiten der Umsetzung innerhalb eines Stils wieder.
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| Quellen: eins zwei drei vier fünf sechs sieben acht neun |
Leider gibt es aber auch gewisse Grenzen. Auch wenn man Stile wie Steampunk, French Chic, Ethno oder Minimalismus natürlich meist auf jeden Archetyp ummünzen kann, es kann sein, dass deine Wunschausprägung nicht dabei ist. Ich hab, noch im geheimen Bereich, auf pinterest versucht, alle Archetypen in einem möglichst minimalistischen Stil darzustellen, aber je mehr ich auf die Yin-Seite gekommen bin, desto schwieriger wurde es. Yinny Sachen sind einfach sehr kleinteilig und schnörkselig. Vor allem Romantic schlicht und eher schnörkellos darzustellen wirkt so seltsam. Mal schauen, ob ich das doch noch veröffentliche... Ich bin ja selbst ein Romantic (jaaa, ich weiß ich greife vor, aber ihr habts eh schon alle auf pinterest und TIB geschaut) und auch wenn ich mich als Minimalistin verstehe, mein Stil ist es nicht. Der ist schnörkselig und mit recht vielen Details eigentlich. Ich regel das eher über Kleidungsstückzahlen. Auch Gamine braucht eine höhere Detaildichte. Man muss da eher innerhalb seines Typs denken. "Minimalistisch, für einen Romantic." etc.
Du kannst natürlich trotzdem alles anziehen, was du willst. Aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass du nach der Auseinandersetzung mit Archetypen sowohl Kleidung, als auch dich selbst, mit anderen Augen siehst.
Aber es kann natürlich trotzdem sein, dass der Weg über die Archetypen nicht deiner ist. Ich finde sie zwar genial, aber das musst du nicht auch so sehen. Viele Wege führen zum guten eigenen Stil, und die Meinungen dazu, was guten Stil ausmacht, sind ja durchaus mannigfalt. Pick dir raus, was dich inspiriert und was dir hilft. Ignorier den Rest.
Ich komme endlich zum Punkt: Linien, Essence und Stil sind drei verschiedene Konzepte, die gerne verwechselt werden.
Linien sind die Basis. Was fällt einem als erstes ins Auge? Meine Körpergröße, mein Knochenbau oder meine Kurven? Wie ist die Form von Schultern, Becken, Kiefer? Bin ich (egal was ich tu) eher weich oder muskulös? Wie sind die Linien in den Kleidungsstücken – Grad der Tailierung, Schnitte, Musterformen etc.? Linien sind sehr konkret. Zu einem gewissen Grad (ab)messbar.
Essence (oder Vibe) ist die Filmrolle, sie ist abstrakter und nicht immer konkreten Körpereigenschaften wie Knochenbau oder Lippenform zuzuordnen. Zwei gleiche Linientypen können verschiedene Essences haben – Diva und Kriegerin zum Beispiel.
Stil ist eine Sammlung bestimmter Elemente wie Muster, Materialien, Schnitte und Farbwirkungen und globaler gefasst. Jeder Linientyp und jede Essence setzt den selben Stil unterschiedlich um. Es ist sehr viel möglich, aber es gibt auch Grenzen.
Den Begriff Archetyp verwende ich als Überbegriff für Linientypen und Essences. Nicht für Stiltypen.
Auch Vanessa von stylesyntax hat sich damit auseinandergesetzt.
Ein bisschen muss man leider im Netz aufpassen. Nicht alle verwenden Linientyp und Essence getrennt, es ist meist viel schwammiger als ich es dargestellt hab, auch wegen den Überschneidungen und Zusammenhängen. Vor allem Neulinge sehen Stile anfangs zu eng mit bestimmten Archetypen verknüpft bzw. umgekehrt, obwohl eigentlich sooo viel möglich ist. Pinterest ist da besonders anfällig, auch weil das verfügbare Bildmaterial viel zu eng fasst. Klar werde auch ich auf Pinterestboards verweisen, aber immer nur mit fettem fettem Disclaimer.
Das ist ziemlich verwirrend an der ganzen Sache, denn es existieren mehrere Systeme parallel (Stilberater haben meist ihr eigenes, das sich leicht von den anderen unterscheidet) und Begriffe werden mal so und mal so verwendet. Es ist nun mal keine richtige Wissenschaft. Ich hoffe aber, dass dir durch meine Blogreihe einiges soweit klar wird, dass du dich ohne zu großen Knoten im Hirn durch die Onlineressourcen lesen kannst. Da kommt natürlich außer den in den Postings verlinkten Sachen noch eine kommentierte Linkliste.
Es werden dir auch viele Archetypennamen im Netz unterkommen, die dann aber nur den Stil allein beschreiben. Gamine zum Beispiel existiert sowohl als Hardware-Archetyp (der als konkreten Stil nicht unbedingt Bubikrägen und gestreifte T-Shirts anziehen muss), als auch reiner Software-Stiltyp, der natürlich von einer Hardware-Gamine auch umgesetzt werden kann (evtl. aber leicht verändert werden muss). Diese Schwammigkeit ist einer der Gründe, warum Archetypen oft sehr klischeemäßig dargestellt werden.
Ja ich weiiiß, es ist verwirrend. Vielleicht bin ich auch keine soo gute Erklärfee. Aber ich bemüh mich. Und das Thema Klischees und Stile und Archetypen und wie das zusammenhängt usw. wird noch oft genug auftauchen und hoffentlich immer klarer.
Aber als nächstes gehts eh schon eeeendlich an die konkreten Archetypen und Systeme. Ich denk, da wirds dann gleich viel klarer. Mit diesem abstrakteren Konzeptblock vorher wollte ich vermeiden, dass du zu sehr in Klischee-Fallen tappst.
5. Juni 2015
Archetypen: Konzept C – Filmrollen und Essence
Schon mal im Zug gesessen und gedanklich Filmrollen vergeben?
Es hat ja einen Grund, warum Cate Blanchett die Elbenkönigin spielt, Amanda Seyfried die unschuldige romantische Süße in Mamma Mia, Rooney Mara den toughen Nerd mit grausamer Vergangenheit, Christina Hendricks die sexy Verführerin, Tilda Swinton einen Vampir.
Weil sie so ausschauen. Weil sie optisch die Rolle glaubwürdig spielen können. Müssten sie eine komplett gegensätzliche Rolle spielen (Tilda Swinton in einer leichten romantischen Komödie die naive süße Titelheldin), müsste man vermutlich viel Erklärskript dazuschreiben, sofern man überhaupt auf die Idee käme. (Allerdings werden im Kino aus verschiedensten Gründen nicht immer die Rollen an die optisch glaubwürdigsten Personen vergeben und sowohl Schauspieler als auch Publikum wollen ja auch mal eine geistige Herausforderung. Und das ist gut so.)
Es ist dabei vollkommen egal, wie man innerlich, charakterlich ist. Marilyn Monroe hat süß-sexy ausgesehen, also hat man sie auch so vermarktet. In Wirklichkeit war sie schüchtern, introvertiert und leicht autistisch. Die Archetypen sind wirklich ganz allein „Hardware“. Was nicht heißt, dass man sie nicht dem eigenen Charakter und Geschmack (die „Software“) gemäß umsetzen kann. Auch die Filmrollen sind zum Lernen des Prinzips erst mal sehr stereotyp.
Essences sind abstrakter und intuitiver als Linien, aber gleichzeitig trotzdem greifbarer – weil man im Alltag schon oft auf Essences geachtet hat. Vielleicht sogar unbewusst den Charakter einer Person davon abgeleitet (ist nicht super, aber zu einem gewissen Grad leider nicht vermeidbar). Es gibt einfach Menschen, die schauen tough, und welche, die schauen nett aus. Oder niedlich, sexy oder locker. Ganz egal, wie sie wirklich sind.
Spiel doch mal Casting: Caste deine Freunde, Familie, Leute in der Ubahn und lass dich casten. Welche Rollen würdest du oder andere optisch mit Bravour meistern? Hast du vielleicht sogar schon selbst Theater gespielt – welche Rollen hast du da meist bekommen?
Wenn dir keine treffenden Bezeichnungen einfallen, mit welchen Adjektiven würdest du die Rolle beschreiben? Mal dir aus, wie das Kostüm aussehen würde. Und wie wäre das Bühnenbild gestaltet? In welches Setting würde man dich packen? Futuristisch, historisch (welche Epoche?), urban, ländlich, luxuriös, einfach, realistisch, fantasy...
Die Film- oder Theaterrolle, die man bekommen würde, kann man auch Essence nennen.
Wie würdest du die Filmrollen im Bild beschreiben? Kennst du Leute, die glaubwürdig reinschlüpfen könnten? Natürlich ist das Bild bei Weitem nicht vollständig oder archetypenmäßig ausgewogen.
Wie das mit Yin und Yang zusammenhängt?
Nun, würde man Marlene Dietrich (extrem yang) mit einem schwingenden Blümchenkleid in eine romantische Komödie verfrachten? Yang-Frauen bekommen eher die toughen, traditionell maskulinen Rollen. Vampire, Cowgirls, Surfergirls, Frauen in Machtpositionen (Königinnen, Kriegerinnen, Managerinnen) etc.
Yin-Frauen dagegen eher die romantischeren, traditionell femininen Rollen: sexy Verführerinnen, romantische Träumeleins, Prinzessinnen, Unschuld vom Lande etc.
Und selbst wenn sie „typfremde“ Rollen spielen, leuchtet der Archetyp immer noch durch. Man kann durchaus Kat Dennings eine coole Göre spielen lassen, aber die Wirkung ist immer noch sexy und klassisch feminin. Man kann ihr ja nicht einfach die kurvigen Knochen abhacken oder Audrey Hepburn die großen Rehaugen verbinden oder Diane Kruger ungewöhnliche Gesichtszüge draufoperieren. (Operieren, und Personal Trainer, ist bei den Promis leider eh das Stichwort, weswegen man oft in die Irre geführt wird beim Typisieren.)
Sich selbst einschätzen ist immer sehr schwer, auch wenn man sich auf Fotos distanzierter betrachten kann. Frag also lieber andere Leute (aber erinnere sie daran, dass Filmrollen ja nix mit dem eigenen Charakter zu tun haben!).
Ich hab auch herumgefragt. Rollen waren zwar keine dabei, aber auch mit Adjektiven kann man arbeiten. Mein Aussehen wird meistens so beschrieben: lieb, niedlich, unschuldig, hinterhältig, sarkastisch, mediterran. (Ja, gleichzeitig unschuldig und hinterhältig. Da hat wohl wer Angst um seine Kekse.) Für meinen Stil kann mich das in der Art inspirieren, dass ich feminine, aber eher mädchenhaftere Schnitte (eher um die 20 statt Mitte 30) wähle und mein leicht mediterranes Kolorit mit Ethnosachen unterstreiche. Jemand, dem man eine Rolle als Surfermädchen geben würde, wirkt in lässigen Jeans und Flipflops besonders passend, oder? Wer in eine Vampirrolle gesteckt würde, hat sicher Spaß dran, einen etwas düsteren, edgy Stil zu entwickeln.
Eben das äußere Erscheinungsbild in der Hülle reproduzieren.
Filmrollen (oder Beschreibungen) sind nicht immer klar Archetypen zuzuordnen, bieten aber oft einen guten Hinweis. Sie können einem auch für das weitere Finetuning Inspiration bieten. Sie sind vor allem eine Spielerei, die einem das Auge und das Bauchgefühl schärft und helfen zu verstehen, was gemeint ist, wenn im Netz von Vibe oder Essence die Rede ist.
Sehr oft werden Archetypen mit Charaktereigenschaften versehen. Was nie wirklich dazugesagt wird, ist dass es sich dabei um Filmrollen handelt. Wie die Personen wirken, nicht wie sie wirklich sind (auch wenn es manchmal sogar zutrifft). Archetypen bleiben auf der Oberfläche, sie haben prinzipiell nichts mit deiner Persönlichkeit zu tun.
Und welche Rolle würdest du spielen? Wie wird dein Aussehen beschrieben?
Es hat ja einen Grund, warum Cate Blanchett die Elbenkönigin spielt, Amanda Seyfried die unschuldige romantische Süße in Mamma Mia, Rooney Mara den toughen Nerd mit grausamer Vergangenheit, Christina Hendricks die sexy Verführerin, Tilda Swinton einen Vampir.
Weil sie so ausschauen. Weil sie optisch die Rolle glaubwürdig spielen können. Müssten sie eine komplett gegensätzliche Rolle spielen (Tilda Swinton in einer leichten romantischen Komödie die naive süße Titelheldin), müsste man vermutlich viel Erklärskript dazuschreiben, sofern man überhaupt auf die Idee käme. (Allerdings werden im Kino aus verschiedensten Gründen nicht immer die Rollen an die optisch glaubwürdigsten Personen vergeben und sowohl Schauspieler als auch Publikum wollen ja auch mal eine geistige Herausforderung. Und das ist gut so.)
Es ist dabei vollkommen egal, wie man innerlich, charakterlich ist. Marilyn Monroe hat süß-sexy ausgesehen, also hat man sie auch so vermarktet. In Wirklichkeit war sie schüchtern, introvertiert und leicht autistisch. Die Archetypen sind wirklich ganz allein „Hardware“. Was nicht heißt, dass man sie nicht dem eigenen Charakter und Geschmack (die „Software“) gemäß umsetzen kann. Auch die Filmrollen sind zum Lernen des Prinzips erst mal sehr stereotyp.
Essences sind abstrakter und intuitiver als Linien, aber gleichzeitig trotzdem greifbarer – weil man im Alltag schon oft auf Essences geachtet hat. Vielleicht sogar unbewusst den Charakter einer Person davon abgeleitet (ist nicht super, aber zu einem gewissen Grad leider nicht vermeidbar). Es gibt einfach Menschen, die schauen tough, und welche, die schauen nett aus. Oder niedlich, sexy oder locker. Ganz egal, wie sie wirklich sind.
Spiel doch mal Casting: Caste deine Freunde, Familie, Leute in der Ubahn und lass dich casten. Welche Rollen würdest du oder andere optisch mit Bravour meistern? Hast du vielleicht sogar schon selbst Theater gespielt – welche Rollen hast du da meist bekommen?
Wenn dir keine treffenden Bezeichnungen einfallen, mit welchen Adjektiven würdest du die Rolle beschreiben? Mal dir aus, wie das Kostüm aussehen würde. Und wie wäre das Bühnenbild gestaltet? In welches Setting würde man dich packen? Futuristisch, historisch (welche Epoche?), urban, ländlich, luxuriös, einfach, realistisch, fantasy...
Die Film- oder Theaterrolle, die man bekommen würde, kann man auch Essence nennen.
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| Filmrollen-Beispiele, recht wahllos durcheinandergewürfelt und bei Weitem nicht vollständig |
Wie würdest du die Filmrollen im Bild beschreiben? Kennst du Leute, die glaubwürdig reinschlüpfen könnten? Natürlich ist das Bild bei Weitem nicht vollständig oder archetypenmäßig ausgewogen.
Wie das mit Yin und Yang zusammenhängt?
Nun, würde man Marlene Dietrich (extrem yang) mit einem schwingenden Blümchenkleid in eine romantische Komödie verfrachten? Yang-Frauen bekommen eher die toughen, traditionell maskulinen Rollen. Vampire, Cowgirls, Surfergirls, Frauen in Machtpositionen (Königinnen, Kriegerinnen, Managerinnen) etc.
Yin-Frauen dagegen eher die romantischeren, traditionell femininen Rollen: sexy Verführerinnen, romantische Träumeleins, Prinzessinnen, Unschuld vom Lande etc.
Und selbst wenn sie „typfremde“ Rollen spielen, leuchtet der Archetyp immer noch durch. Man kann durchaus Kat Dennings eine coole Göre spielen lassen, aber die Wirkung ist immer noch sexy und klassisch feminin. Man kann ihr ja nicht einfach die kurvigen Knochen abhacken oder Audrey Hepburn die großen Rehaugen verbinden oder Diane Kruger ungewöhnliche Gesichtszüge draufoperieren. (Operieren, und Personal Trainer, ist bei den Promis leider eh das Stichwort, weswegen man oft in die Irre geführt wird beim Typisieren.)
Sich selbst einschätzen ist immer sehr schwer, auch wenn man sich auf Fotos distanzierter betrachten kann. Frag also lieber andere Leute (aber erinnere sie daran, dass Filmrollen ja nix mit dem eigenen Charakter zu tun haben!).
Ich hab auch herumgefragt. Rollen waren zwar keine dabei, aber auch mit Adjektiven kann man arbeiten. Mein Aussehen wird meistens so beschrieben: lieb, niedlich, unschuldig, hinterhältig, sarkastisch, mediterran. (Ja, gleichzeitig unschuldig und hinterhältig. Da hat wohl wer Angst um seine Kekse.) Für meinen Stil kann mich das in der Art inspirieren, dass ich feminine, aber eher mädchenhaftere Schnitte (eher um die 20 statt Mitte 30) wähle und mein leicht mediterranes Kolorit mit Ethnosachen unterstreiche. Jemand, dem man eine Rolle als Surfermädchen geben würde, wirkt in lässigen Jeans und Flipflops besonders passend, oder? Wer in eine Vampirrolle gesteckt würde, hat sicher Spaß dran, einen etwas düsteren, edgy Stil zu entwickeln.
Eben das äußere Erscheinungsbild in der Hülle reproduzieren.
Filmrollen (oder Beschreibungen) sind nicht immer klar Archetypen zuzuordnen, bieten aber oft einen guten Hinweis. Sie können einem auch für das weitere Finetuning Inspiration bieten. Sie sind vor allem eine Spielerei, die einem das Auge und das Bauchgefühl schärft und helfen zu verstehen, was gemeint ist, wenn im Netz von Vibe oder Essence die Rede ist.
Sehr oft werden Archetypen mit Charaktereigenschaften versehen. Was nie wirklich dazugesagt wird, ist dass es sich dabei um Filmrollen handelt. Wie die Personen wirken, nicht wie sie wirklich sind (auch wenn es manchmal sogar zutrifft). Archetypen bleiben auf der Oberfläche, sie haben prinzipiell nichts mit deiner Persönlichkeit zu tun.
Und welche Rolle würdest du spielen? Wie wird dein Aussehen beschrieben?
Bilderquellen: Anjelica Huston, Gwyneth Paltrow, Björk, Michelle Dockery, Tilda Swinton, Christina Hendricks, Surfermädchen,
31. Mai 2015
Archetypen: Konzept B - Yin und Yang
Ein Konzept, das sich durchgesetzt hat, um Menschen, Linien, Schnitte, Muster, Details zu beschreiben ist das von Yin und Yang. Es ist diese Skala, von der ich im letzten Posting gesprochen hab.
Es ist ein breiteres Konzept als Linien in den Körper zu malen, baut aber u.a. auf diesem Prinzip auf. Eckige, gerade Linien sind Yang und runde, gerundete Linien Yin. Man könnte auch männlich (yang) und weiblich (yin) dazu sagen – das zweite und eigentlich offensichtlichere Prinzip ist das durchschnittliche Erscheinungsbild von Männern und Frauen.
Der Mensch ist eine Tierart, bei dem sich Männchen und Weibchen nur sehr gering voneinander unterscheiden, und sogar diese Unterschiede sind nur Durchschnittwerte. Aber sie beeinflussen stark unser Bild von "männlich" und "weiblich" (auch das restliche Blogposting, wo das Bild oben her ist, ist interessant!).
Wie ich im letzten Posting eine stilisierte „runde“ und „eckige“ Frau gezeichnet hab, werden oft Frauen und Männer in Comics, Illustrationen u.ä. gezeichnet: Je femininer eine Person, desto rundere Linien, je maskuliner desto eckigere. Im echten Leben ist weiblich und männlich nicht so eindeutig, wie auch die Bloggerin im Link erklärt hat. Auch im echten Leben ist „Mann“ und „Frau“ in Wahrheit eine Skala. Woran wird denn männlich und weiblich festgelegt? Am Phänotyp? An Linien? An Hormonen? Am Verhalten? Sich mit Archetypen zu beschäftigen kann durchaus in die Genderforschung reinkippen. Ich persönlich mag ja die Begriffe yin und yang, weil sie breiter greifen.
Die Tabelle unten gibt dir ein Überblick über die beiden Extreme, damit du ins Gefühl bekommst, was im Detail mit yin und yang gemeint ist.
Jeder Mensch (Männer und Frauen!) steht irgendwo auf der Skala zwischen diesen Extremen, vermutlich gibt es kaum jemanden, der 100% yin oder 100% yang ist. Es kann sein, dass man (teilweise) eine Mischung aus den Extremen ist, und/oder dass man (teilweise) wirklich exakt zwischen den Extremen steht.
Zum Beispiel: Eine Mischung aus Extremen ist, wenn ich in einen Kreis ein Quadrat male: Beide Linieneigenschaften („100% rund/gekrümmt“, „100% eckig/gerade“) bleiben. Irgendwo zwischen den Extremen steht eine gekrümmte Linie. Sie ist nicht linealgerade (yang), aber auch noch kein Kreis (yin).
Eine Mischung aus Extremen kann zum Beispiel sein, dass eine Frau einen Körper hat, der wirkt als wäre ein Dreieck (Schultern und Brustkorb) auf einen Kreis (Hüften/Becken) gesteckt. Sowohl das jeweilige Extrem (siehe Tabelle), als auch die Mischung aus Extremen sind ja auch für Anfänger leicht erkennbar. Wenn man irgendwo dazwischen steht, sind Linien für Neulinge schwieriger zu erkennen. Was tut man denn mit Hüften, die nicht offensichtlich eckig oder kugelig sind, Augen die weder kugelrund noch sehr schmal sind, wenn man durchschnittlich groß ist/wirkt etc.? Da wird das dann doch erst durch die konkreten Archetypen klarer, also Geduld.
Es ist auch an Frauen einfacher als an Männern. Ich denke aber, das liegt daran, dass Stil und Kleidung für Frauen ein viel verbreiteteres Thema ist, Frauen eher begutachtet (und äußerlich bewertet) werden und es daher noch viel zu wenig Inhalt zu Männerarchetypen gibt. Man vergleiche auch die Größe der Herren- und jene der Damenabteilung in Geschäften. Die Tabelle oben müsste man ein bisschen abwandeln, weil Männer im Durchschnitt(!) mehr yang sind als Frauen. Aber das Prinzip gilt für sie genauso. (Brauchst du Anschauungsmaterial? Sehr Yin und sehr Yang)
Und was für Gwand und Klamotten sind jetzt bitte yin und yang?
Yang sind gerade, lange Linien, großteilige Muster, gerade Schnitte, starke Kontraste, starke Farben.
Yin sind gerundete Linien, kleinteilige Muster, taillierte Schnitte, geringe Kontraste, sanfte Farben.
Ich finde es besser, von yin und yang zu reden, anstatt von weiblich und männlich, auch wenn viele diese Assoziationen haben, oder yin und yang sogar für sinnlose Euphemismen halten (wie Rachel vom TiB-Blog). Denn Blumenmuster zB gelten gemeinhin als feminin, es gibt sie jedoch in der yin-Version (Millefleurs zB) und in der yang-Version (sehr große, etwas abstrakte Blumen). Ein säulenartiges Maxikleid mit abstraktem Blumenprint hat genauso den Stempel „weiblich“ drauf wie ein Millefleurs-Rüschenkleid.
Du siehst in der Tabelle, dass das Thema Archetypen durchaus auch mit den Farbtypen zu tun hat. Wer sich mit denen ein bisschen beschäftigt hat, wird sicher schon bemerkt haben, dass den meisten Leuten nicht exakt jede Farbe aus ihrer Palette wirklich am besten steht, sondern dass sie sich am Wohlsten in einem bestimmten Eckerl fühlen. Das hängt neben Geschmack und Persönlichkeit auch ganz stark mit dem Archetypen bzw. Yin/Yang zusammen! Menschen, die recht yang sind, wirken meist am Besten in den dünkelsten, kräftigsten, knalligsten Farben in ihrer Palette und können starke Kontraste gut tragen (natürlich immer noch jene innerhalb ihrer Palette). Yinny Menschen dagegen stehen meistens die sanfteren, helleren, weicheren Farben, kombinieren Farben lieber mit niedrigem Kontrast.
Meine Freundin N, deren Schultern ich für das letzte Posting ausgeborgt hab, und ich haben zum Beispiel den selben Farbtyp (True Winter). Wir haben sogar eine sehr ähnliche Hautfarbe, Haarfarbe, Augenfarbe (was ja auch nicht unbedingt sein muss, nur weil einem die selben Farben stehen). Aber in der True-Winter-Palette sind wir bei ganz verschiedenen Farbgruppen daheim – sie bei den dünkelsten, ernstesten, mattesten und simpelsten Farben, ich dagegen bei den strahlenden intensiven Edelsteinfarben.
Das ist jetzt alles natürlich noch recht abstrakt, ich wollte hier erst mal nur das Konzept erklären. Hoffentlich wird dir das alles von Posting zu Posting klarer! Es ist zugegeben ein eher komplexes System, das eher den Einsatz von Bauchgefühl statt Maßbändern verlangt, was nicht jedem von Anfang an liegt. Aber das wird schon! Ich finde Archetypen einfach genial, mir hat noch nie etwas dermaßen geholfen.
Aber selbst wenn du auch am Ende der Reihe noch den totalen Knoten im Kopf hast oder die Archetypen wirklich blöd findest, bekommst du sicher trotzdem Ideen und Inspiration, die dich weiterbringen.
Und bitte mich auch ganz dringend mit allen Fragen löchern, die du hast!
Wo meinst du, stehst du? Eher bei yin oder eher bei yang?
Es ist ein breiteres Konzept als Linien in den Körper zu malen, baut aber u.a. auf diesem Prinzip auf. Eckige, gerade Linien sind Yang und runde, gerundete Linien Yin. Man könnte auch männlich (yang) und weiblich (yin) dazu sagen – das zweite und eigentlich offensichtlichere Prinzip ist das durchschnittliche Erscheinungsbild von Männern und Frauen.
| Durchschnittliches Erscheinungsbild von Männern und Frauen. Quelle: Truth is Beauty |
Der Mensch ist eine Tierart, bei dem sich Männchen und Weibchen nur sehr gering voneinander unterscheiden, und sogar diese Unterschiede sind nur Durchschnittwerte. Aber sie beeinflussen stark unser Bild von "männlich" und "weiblich" (auch das restliche Blogposting, wo das Bild oben her ist, ist interessant!).
Wie ich im letzten Posting eine stilisierte „runde“ und „eckige“ Frau gezeichnet hab, werden oft Frauen und Männer in Comics, Illustrationen u.ä. gezeichnet: Je femininer eine Person, desto rundere Linien, je maskuliner desto eckigere. Im echten Leben ist weiblich und männlich nicht so eindeutig, wie auch die Bloggerin im Link erklärt hat. Auch im echten Leben ist „Mann“ und „Frau“ in Wahrheit eine Skala. Woran wird denn männlich und weiblich festgelegt? Am Phänotyp? An Linien? An Hormonen? Am Verhalten? Sich mit Archetypen zu beschäftigen kann durchaus in die Genderforschung reinkippen. Ich persönlich mag ja die Begriffe yin und yang, weil sie breiter greifen.
Die Tabelle unten gibt dir ein Überblick über die beiden Extreme, damit du ins Gefühl bekommst, was im Detail mit yin und yang gemeint ist.
| YIN | YANG | |
Genereller Eindruck
|
||
| Knochenbau | kompakt, zierlich, kurvig, zarte Knochen, weich, sanft, rund | lang, schmal, kräftig, gerade, breite Knochen, stark, eckig |
| „Fleisch“ | weich, kurvig, üppig, fleshy | straff, gerade, muskulös |
| Kolorit | sanft, wenig Kontrast zwischen Haut/Haare (zB Sommer, Herbst) | Extrem: sehr hell, sehr dunkel, feurig, lebhaft, hoher Kontrast zwischen Haut/Haare, zB Winter, Frühling |
| Zunahmemuster | Busen, Bauch, Gesicht; alles wird noch weicher/kurviger. Wirkt dicker als die Waage zeigt | Hüfte, Oberschenkel; die geraden Linien bleiben. Wirkt schlanker als die Waage zeigt |
Kopf
|
||
| Gesichtsform | rund, oval, herzförmig, birnenförmig | quadratisch, rechteckig, diamantförmig, dreieckig |
| Kieferlinie | weich, fließend, geschwungen | markant, scharf umrissen, gerade |
| Kinn | weich, sanft | spitz, markant, scharf umrissen |
| Wangenknochen | weiche Linien, wenig oder nicht ausgeprägt | markant, ausgeprägt, wie gemeißelt |
| Wangen | weich, „fleischig“, voll | straff, dünn |
| Stirn | im Profil gewölbt | im Profil gerade |
| Nase | weich, klein, ein bisschen breit, abgerundet | sich verjüngend, schmal, lang, markant, groß |
| Augen | groß, rund, Mandelaugen | schmal, klein |
| Lippen | voll, weicher geschwungener Lippenbogen | schmal, lang, eckiger oder kaum ausgeprägter Lippenbogen |
| Augenbrauen | Bogenförmig, sanft geschwungen | gerade, markant, kräftig, dicht |
Körper
|
||
| Körpergröße | klein (oder wirkt klein) | groß (oder wirkt groß) |
| „Obsttyp“ | Stundenglas, Birne | Säule, Y |
| Schultern | schmal, rund, abgeschrägt | gerade, kantig, breit |
| Brustansatz | hoch angesetzt (kurzes Decolleté) | niedrig angesetzt (langes Decolleté) |
| Taille | schmal (im Vergleich zu Hüfte und Rippenbogen), deutlich sichtbar | Weit und gerade (im Vergleich zu Rippenbogen und Hüfte) |
| Torso/Oberkörper | kurz | lang |
| Becken, Hüften | breit, gerundet, Hüftknochen hoch angesetzt | schmal, gerade, quadratisch, Hüftknochen niedrig angesetzt |
| Beine | kurz, rundlich, kurvige Waden | Lang, schmal, gerade Waden |
| Arme | kurz, leicht gerundet, weich, „fleischig“ | lang, gerade, schlank, muskulös |
| Hände und Füße | klein, kurz, weich, gerundet | lang, schmal, knochig |
Jeder Mensch (Männer und Frauen!) steht irgendwo auf der Skala zwischen diesen Extremen, vermutlich gibt es kaum jemanden, der 100% yin oder 100% yang ist. Es kann sein, dass man (teilweise) eine Mischung aus den Extremen ist, und/oder dass man (teilweise) wirklich exakt zwischen den Extremen steht.
Zum Beispiel: Eine Mischung aus Extremen ist, wenn ich in einen Kreis ein Quadrat male: Beide Linieneigenschaften („100% rund/gekrümmt“, „100% eckig/gerade“) bleiben. Irgendwo zwischen den Extremen steht eine gekrümmte Linie. Sie ist nicht linealgerade (yang), aber auch noch kein Kreis (yin).
Eine Mischung aus Extremen kann zum Beispiel sein, dass eine Frau einen Körper hat, der wirkt als wäre ein Dreieck (Schultern und Brustkorb) auf einen Kreis (Hüften/Becken) gesteckt. Sowohl das jeweilige Extrem (siehe Tabelle), als auch die Mischung aus Extremen sind ja auch für Anfänger leicht erkennbar. Wenn man irgendwo dazwischen steht, sind Linien für Neulinge schwieriger zu erkennen. Was tut man denn mit Hüften, die nicht offensichtlich eckig oder kugelig sind, Augen die weder kugelrund noch sehr schmal sind, wenn man durchschnittlich groß ist/wirkt etc.? Da wird das dann doch erst durch die konkreten Archetypen klarer, also Geduld.
Es ist auch an Frauen einfacher als an Männern. Ich denke aber, das liegt daran, dass Stil und Kleidung für Frauen ein viel verbreiteteres Thema ist, Frauen eher begutachtet (und äußerlich bewertet) werden und es daher noch viel zu wenig Inhalt zu Männerarchetypen gibt. Man vergleiche auch die Größe der Herren- und jene der Damenabteilung in Geschäften. Die Tabelle oben müsste man ein bisschen abwandeln, weil Männer im Durchschnitt(!) mehr yang sind als Frauen. Aber das Prinzip gilt für sie genauso. (Brauchst du Anschauungsmaterial? Sehr Yin und sehr Yang)
Und was für Gwand und Klamotten sind jetzt bitte yin und yang?
Yang sind gerade, lange Linien, großteilige Muster, gerade Schnitte, starke Kontraste, starke Farben.
Yin sind gerundete Linien, kleinteilige Muster, taillierte Schnitte, geringe Kontraste, sanfte Farben.
Ich finde es besser, von yin und yang zu reden, anstatt von weiblich und männlich, auch wenn viele diese Assoziationen haben, oder yin und yang sogar für sinnlose Euphemismen halten (wie Rachel vom TiB-Blog). Denn Blumenmuster zB gelten gemeinhin als feminin, es gibt sie jedoch in der yin-Version (Millefleurs zB) und in der yang-Version (sehr große, etwas abstrakte Blumen). Ein säulenartiges Maxikleid mit abstraktem Blumenprint hat genauso den Stempel „weiblich“ drauf wie ein Millefleurs-Rüschenkleid.
Du siehst in der Tabelle, dass das Thema Archetypen durchaus auch mit den Farbtypen zu tun hat. Wer sich mit denen ein bisschen beschäftigt hat, wird sicher schon bemerkt haben, dass den meisten Leuten nicht exakt jede Farbe aus ihrer Palette wirklich am besten steht, sondern dass sie sich am Wohlsten in einem bestimmten Eckerl fühlen. Das hängt neben Geschmack und Persönlichkeit auch ganz stark mit dem Archetypen bzw. Yin/Yang zusammen! Menschen, die recht yang sind, wirken meist am Besten in den dünkelsten, kräftigsten, knalligsten Farben in ihrer Palette und können starke Kontraste gut tragen (natürlich immer noch jene innerhalb ihrer Palette). Yinny Menschen dagegen stehen meistens die sanfteren, helleren, weicheren Farben, kombinieren Farben lieber mit niedrigem Kontrast.
Meine Freundin N, deren Schultern ich für das letzte Posting ausgeborgt hab, und ich haben zum Beispiel den selben Farbtyp (True Winter). Wir haben sogar eine sehr ähnliche Hautfarbe, Haarfarbe, Augenfarbe (was ja auch nicht unbedingt sein muss, nur weil einem die selben Farben stehen). Aber in der True-Winter-Palette sind wir bei ganz verschiedenen Farbgruppen daheim – sie bei den dünkelsten, ernstesten, mattesten und simpelsten Farben, ich dagegen bei den strahlenden intensiven Edelsteinfarben.
Das ist jetzt alles natürlich noch recht abstrakt, ich wollte hier erst mal nur das Konzept erklären. Hoffentlich wird dir das alles von Posting zu Posting klarer! Es ist zugegeben ein eher komplexes System, das eher den Einsatz von Bauchgefühl statt Maßbändern verlangt, was nicht jedem von Anfang an liegt. Aber das wird schon! Ich finde Archetypen einfach genial, mir hat noch nie etwas dermaßen geholfen.
Aber selbst wenn du auch am Ende der Reihe noch den totalen Knoten im Kopf hast oder die Archetypen wirklich blöd findest, bekommst du sicher trotzdem Ideen und Inspiration, die dich weiterbringen.
Und bitte mich auch ganz dringend mit allen Fragen löchern, die du hast!
Wo meinst du, stehst du? Eher bei yin oder eher bei yang?
15. April 2015
Archetypen: Konzept A - Linien
Bevor wir uns aber auf das lustige Thema Filmrollen stürzen, wollte ich als erstes noch ein sehr grundlegendes Konzept erklären, die Linien.
Das Prinzip bei den Linien ähnelt jenem der Farbtypen: wiederhole in deiner Kleidung die Farben/Linien, die in deinem Körper vorkommen.
Was genau sind jetzt die Linien, auf die man achtet?
Links ein stilisiertes Beispiel für eine Frau, die in ihrem Körper sehr runde Formen hat. Rechts eine Frau mit ganz eckigen Formen. Es gibt auch noch Dreiecke und Ovale und S-Kurven und Zickizacki und Mischungen und Mitteldinger und weiß der Teufel was noch. Ja, es geht hier um Eindrücke - wie würde man einen Menschen in eine 2D-Comic-Figur übersetzen? Oder karikieren? Du als Hauptfigur in einem Adventure - wirst du eher mit dem Kurvenlineal oder dem Geodreieck gezeichnet? Oder beiden?
Was kann nun alles rund oder eckig sein? Besonders auffällig sind natürlich Schultern, Hüften, Kiefer/Kinn und Lippenbögen. Auch die Körperhöhe und Silhouette zählt zu den Linien. Aber man könnte wenn man wollte noch viel mehr Linien sehen, Nasenflügel, Augenbrauen, Fingerkuppen und wie die Zehen stehen und so. Die sind nicht an oberste Stelle relevant, aber gehören zum Gesamtbild natürlich mit dazu.
(Das alles kommt noch viel genauer, jetzt gehts nur ums Prinzip!)
Auf die Schnelle fallen mir auch zwei Beispiele ein:
Hier ist Rooney Mara, ziemlich eckige Dame. Wirkt super in eckigen, edgy Sachen. Ich weiß nicht, wer sie hier bitte in lauter rundes Zeug (in diesem Fall die Locken) gepackt hat. Man erkennt sie kaum wieder. WTF?
Kate Winslet dagegen ergibt in Locken (und Schnörkselrankenspitze) absolut Sinn. In Divergent haben sie sie in ganz cleane gerade Linien gepackt (Kleidung, Frisur), ich hätte sie fast nicht wiedererkannt.
Das Prinzip bei den Linien ähnelt jenem der Farbtypen: wiederhole in deiner Kleidung die Farben/Linien, die in deinem Körper vorkommen.
Was genau sind jetzt die Linien, auf die man achtet?
Linien im Körper - welche Comicfigur wärst du?
Wir haben hier ja Kaffeehausstimmung, und so hätte ich dir das auch auf einer Serviette erklärt:![]() |
| Blog-Award krieg ich für meine Schmierpapier-Illu sicher keinen haha! (Falls es nicht klar ist: das sind stilisierte Körperformen von Schultern, Rumpf, Hüften) |
Links ein stilisiertes Beispiel für eine Frau, die in ihrem Körper sehr runde Formen hat. Rechts eine Frau mit ganz eckigen Formen. Es gibt auch noch Dreiecke und Ovale und S-Kurven und Zickizacki und Mischungen und Mitteldinger und weiß der Teufel was noch. Ja, es geht hier um Eindrücke - wie würde man einen Menschen in eine 2D-Comic-Figur übersetzen? Oder karikieren? Du als Hauptfigur in einem Adventure - wirst du eher mit dem Kurvenlineal oder dem Geodreieck gezeichnet? Oder beiden?
Was kann nun alles rund oder eckig sein? Besonders auffällig sind natürlich Schultern, Hüften, Kiefer/Kinn und Lippenbögen. Auch die Körperhöhe und Silhouette zählt zu den Linien. Aber man könnte wenn man wollte noch viel mehr Linien sehen, Nasenflügel, Augenbrauen, Fingerkuppen und wie die Zehen stehen und so. Die sind nicht an oberste Stelle relevant, aber gehören zum Gesamtbild natürlich mit dazu.
Linien und Kleidung - Schnörksel vs. Geometrie
Es gilt als harmonisch, wenn man diese Linien in seiner Kleidung wiederholt. Das fängt im Großen an: wer zum Beispiel sehr lang wirkt, wirkt super in Sachen, die zu dieser Länge passen und sie auch betonen (Maxikleider, hui! Sehr viel besser meist als knielange Kleider in diesem Fall). Das klappt auch im Kleineren: wer aus vielen runden Linien besteht, der empfindet meist auch gerundete Muster, Schuhspitzen, Schmuck als am Passendsten.(Das alles kommt noch viel genauer, jetzt gehts nur ums Prinzip!)
Auf die Schnelle fallen mir auch zwei Beispiele ein:
Hier ist Rooney Mara, ziemlich eckige Dame. Wirkt super in eckigen, edgy Sachen. Ich weiß nicht, wer sie hier bitte in lauter rundes Zeug (in diesem Fall die Locken) gepackt hat. Man erkennt sie kaum wieder. WTF?
Kate Winslet dagegen ergibt in Locken (und Schnörkselrankenspitze) absolut Sinn. In Divergent haben sie sie in ganz cleane gerade Linien gepackt (Kleidung, Frisur), ich hätte sie fast nicht wiedererkannt.
Verstehst du ein bisschen, was mit Linien gemeint
ist?
Diese Linien kann man wie gesagt auch am
restlichen Körper sehen. Es gibt zum Beispiel sowohl bei Männern
als auch bei Frauen schnurgerade Schultern, die mit der Wasserwaage
ausgerichtet scheinen und es gibt ganz gerundete Schultern, von denen
Träger so gerne runterrutschen. Es gibt unabhängig vom Geschlecht
Hüften, die wie ein Kreis wirken und welche, die eher ein Quadrat
sind. Runde, quadratische oder rechteckige Handteller. Auch Zehen
können im Halbkreis stehen oder einen schnurgeraden Abschluss haben
(so als ob sie eben für runde oder gerade Schuhspitzen prädestiniert
wären) Lauter solche Sachen.
Selbe Körpergröße, selbe Haarfarbe, selber Farbtyp, selbes Kleid. Und doch ist in diesem Bild links und rechts alles so anders. Links, das bin ich. Schmale gerundete Schultern, weich wirkende Oberarme. Rechts, das ist meine Freundin - was bei mir gerundet ist, ist bei ihr linealgerade. Wie unsere Schlüsselbeine liegen, wirkt bei mir wie eine leichte Kurve, bei ihr wirkts ganz gerade bis fast schon leicht dreieckig. Die Schulterlinie Hals-Schultergelenk ist bei mir geschwungen, bei ihr viel geometrischer. Zick-zack-zick. Sogar ihr Schultergelenk ist genau betrachtet keine Kurve, sondern eckig. Deswegen hab ich hier bei mir einen Kreis und bei ihr ein Quadrat dazugemalt, um das zu demonstrieren. Unsere Oberarme - bei mir folgt die Außenlinie einer leichten Kurve, bei ihr gehts - zack - schnurgerade runter. Witzig auch, dass man sogar in diesem kleinen anonymen Ausschnitt sieht, wie komplett unterschiedlich das selbe Cocktailkleid an uns sitzt. Während man bei mir genau sieht, dass sich da weiter unten eine deutliche Taille verjüngt, gehts bei meiner Freundin fast ganz gerade runter. Das Kleid war für ihren geraden Körper nicht schmeichelhaft.
Auf den ersten Blick bild ich mir auch immer ein, ich würde das Oberteil besser ausfüllen als meine Freundin, dabei sind einfach nur die Linien an meinem Körper passend - ausfüllen tun wir das Oberteil beide nicht :D
![]() |
| Links runde, rechs eckige Linien im Schulterbereich. |
Auf den ersten Blick bild ich mir auch immer ein, ich würde das Oberteil besser ausfüllen als meine Freundin, dabei sind einfach nur die Linien an meinem Körper passend - ausfüllen tun wir das Oberteil beide nicht :D
Das mit den Linien wird bei den
Archetypen nicht zu stark im Detail gesehen. Es wird auch niemand mit
dem Geodreieck abgemessen. Es geht stärker um Eindrücke: Wirkt
dieses Gesicht, diese Schultern, Arme, Hüften etc. im Gesamtbild eher
kantig auf mich oder eher weich und rund? Was fällt mir als erstes auf? Wie sind die Proportionen im Groben? (Langer Körper, kurzer Körper, Taille eng oder gerade, Schultern breit oder schmal etc.) Interessant wird es, wenn
jemand zwar maßbandtechnisch eine stärker ausgeprägte Taille hat, die jedoch
im Vergleich zu den starken Schultern einfach nicht auffällt.
Ich sehe in meinem Gesicht sehr viele
runde Linien. Sowohl mein erster Eindruck ist "rund", als auch die Details. Lippenbögen, Nasenflügel, Ohrläppchen, Unterlippe - alles ziemlich exakte Halbkreise eigentlich. Mein Kiefer ist gerundet und nicht grade scharf geschnitten. Meine Augen sind runde Rehaugen. Meine Zehen stehen im Kreis. Ich bin zu einem überwiegenden Großteil "ähnlich" wie die linke Frau auf der Schmierpapier-Illu, nur wengier üppig und von Natur aus nicht lockig.
Es klappt gut, wenn ich diese
Eigenschaften auf meine Kleidung übertrage: Mir stehen am besten
runde Ausschnitte, Creolen und tropfenförmige Ohrringe und
Schnörkselmuster. „Eckiges“ wie eckig-geometrische Muster oder
eckige Ausschnitte etc. wirken hart und fremd an mir.
Meine Freundin vom oberen Beispiel wirkt super in cleanen Schnitten und geometrischem Understatement. Das gibt ihren symmetrischen, recht ausbalancierten und eher eckigen Körper wieder. Runde Formen wie oben das Kleid sind, wie man auch in diesem Ausschnitt erahnen kann, ziemlich seltsam an ihr.
Meine Freundin vom oberen Beispiel wirkt super in cleanen Schnitten und geometrischem Understatement. Das gibt ihren symmetrischen, recht ausbalancierten und eher eckigen Körper wieder. Runde Formen wie oben das Kleid sind, wie man auch in diesem Ausschnitt erahnen kann, ziemlich seltsam an ihr.
Aber nicht alle Menschen sind so
eindeutig entweder „rund“ oder „eckig“, es ist eher eine
Skala, an der ich zum Beispiel stark (aber nicht 100%) am „runden“
Ende steh oder Rooney Mara stark (aber nicht 100%) am „eckigen“
Ende - kommt noch alles. Also keine Panik, wenn du jetzt grade an dir selbst vielleicht
noch nicht ganz so schlau wirst (und wenn du auch noch nicht ganz kapierst, was ich in der Beschreibung meiner "symmetrischen Freundin" gemeint hab). Das mit den Linien soll ja auch erst
mal das Konzept erklären und dein Auge schulen.
Welche Linien siehst du bei dir selbst?
Hast du jetzt auch Angst, Menschen zu lange anzustarren, weil du
ihnen gedanklich Linien drauf malst? Hast du Fragen?
9. April 2015
Archetypen
Es gibt verschiedene Ansatzpunkte, wie
man seinen Stil findet.
Für manche Menschen ist Kleidung vor
allem Kunst – einige Designer sind sogar so experimentierfreudig,
dass ihre Kleidung und Schuhe gar nicht unbedingt dafür gedacht
sind, sie anzuziehen, sondern reine Kunstgegenstände sind. Die
Frage, was guter Stil ist, orientiert sich hier wohl an ähnlichen
Gesichtspunkten, wie sie auch für bildende Kunst gelten.
Die vermutlich meisten Menschen möchten
durch ihre Kleidung ihr Innerstes darstellen, ihre Werte und ihren
Geschmack. Guter Stil passt dann zu Charakter und Persönlichkeit.
Das ist die „Software“, über die ich schon ansatzweise
geschrieben hab (und über die ich später doch noch mehr bringen
möchte).
Ein weiterer Ansatz sind die
Archetypen. Sie bleiben auf der Oberfläche, was sie aber deswegen
nicht uninteressanter macht. Hier wird versucht, aus Kleidung und
Körper ein harmonisches Bild zu gestalten, indem die Kleidung den
Körper sozusagen imitiert. Es wird äußere Authentizität
angestrebt.
Diese Konzepte lassen sich aber auch
wunderbar verbinden, sodass jeder sich aus allem rauspicken kann, was
er mag.
Was sind Archetypen? Da hab ich jetzt selber nachschauen müssen. In der Philosophie und der Psychologie sind das offenbar bissl verschiedene Dinge. Ich kenn mich leider mit beidem nicht aus. Ich habs so verstanden, dass Archetypen Vorstellungen von bestimmten sozialen Rollen sind, die der Menschheit ureigen ins Hirn gebrannt scheinen. Egal aus welcher Kultur oder Zeit, jeder hat ein ähnliches Bild vor Augen, wenn er die Begriffe Weise Frau, Krieger oder Mutter hört.
Die Archetypen auf den Stil bezogen, liegen stärker auf einer popkulturellen Basis und sind bestimmt auch ziemlich eurozentristisch. Aber wir alle haben ebenfalls ein sehr homogenes Bild vor Augen, wenn wir Begriffe hören wie Girl next Door, Amazone oder Hell's Angels Biker. Ein bisschen sind Archetypen auch wie Filmrollen, oder?
Kleiner Teaser: Hast du dich nicht auch schon mal gefragt, warum manche Schauspieler bestimmte Rollen so besonders glaubwürdig verkörpern oder (bei Literaturverfilmungen zB) unterschiedliche Schauspieler in den selben Rollen nicht nur wegen ihrer unterschiedlichen Interpretation der Rolle ganz anders wirken? Manche Leute sind richtig prädestiniert für bestimmte Rollen - Tilda Swinton als überirdische Vampirfrau, oder Jennifer Aniston als lässig-starkes Girl next Door. Adrien Brody könnte nie eine Kante von Biker spielen, und Monica Belucci wäre als kumpelhafte Hiphopgöre auch nicht so wirklich glaubhaft. Diese Frage nach Filmrollen wird hier dann recht zentral (und hoffentlich unterhaltsam) sein.
Bei den Farbtypen haben wir schon
gesehen, Menschen empfinden es als harmonisch wenn die Kleidung
körpereigene Farben wiederholt. Mensch und Hülle werden zu einer
authentischen Einheit, wodurch wir das Gefühl haben, wir sehen den
Menschen selbst (und nicht seine Kleidung). Wie wir eine Farbe
wahrnehmen, hat mit dem Kontext zu tun, in den wir sie setzen. Die
Farbe Lachs wirkt neben Kürbisorange wie Rosa und neben Fuchsia wie
Orange. Setzen wir unseren Körper in den falschen farblichen
Kontext, wirkt er seltsam: Ein True Summer wirkt gelblich und
kränklich in Rostrot, ein True Winter angestaubt bleich in sanftem
Taubenblau. In den jeweiligen passenden Farben dagegen ergibt alles
Sinn.
Bei Archetypen geht’s um das gleiche,
nur statt Farben sind es nun Linien und Formen und Vibes.
Archetypen sind ein bisschen komplexer
und auch abstrakter als Farbtypen, es gibt leider auch eher wenig
Info im Netz (weswegen ich mich schon so lange dafür drücke, diese
Reihe zu schreiben).
Namen haben die Archetypen im Netz auch
andere: Image Identity, Image types, Style Identity, Archetypes,
Style Archetypes, Essences, Kibbe types (David Kibbe ist ein
Stilberater, der auf Basis der Archetypen arbeitet(e)) sind mir alle
schon mal untergekommen.
Nachtrag: Man muss nur aufpassen, dass sich nicht alle Stiltypen die man im Netz findet auch wirklich auf die "Hardware" beziehen. Die meisten gehen von der "Software" aus: Persönlichkeit, Geschmack, Lebensstil. Das Verwirrende dabei ist leider, dass viele Stiltypennamen gleich verwendet werden.
Nachtrag: Man muss nur aufpassen, dass sich nicht alle Stiltypen die man im Netz findet auch wirklich auf die "Hardware" beziehen. Die meisten gehen von der "Software" aus: Persönlichkeit, Geschmack, Lebensstil. Das Verwirrende dabei ist leider, dass viele Stiltypennamen gleich verwendet werden.
Es gibt vier Konzepte, die man
verstehen muss, um die Archetypen zu verstehen. Die werd ich
natürlich als erstes versuchen zu erklären und auch mit
Anschauungsmaterial versehen.
Dann wird es konkret: es gibt natürlich
StilberaterInnen, die diese Konzepte anwenden und ihre eigenen
Stilsysteme/Archetypensysteme daraus gebastelt haben. Die beiden
verbreitetsten werde ich vorstellen und auch möglichst viel
Anschauungsmaterial verlinken.
Was dann kommt, weiß ich noch nicht –
es kommt ganz auf eure Fragen zu dem Thema an und was mir sonst so am
Weg noch einfällt.Vielleicht auch Ideen, wie man trotzdem Inspiration draus ziehen kann, auch wenn einem das doch eher abstrakte Konstrukt nicht so zusagt. Mal sehn.
Auf jeden Fall gibt’s dann hier in diesem
Einstiegsposting ein Inhaltsverzeichnis.
Die Archetypen gehören zur Blogreihe Operation Kleiderschrank.
Inhaltsverzeichnis
Konzept A: Linien
Konzept B: Yin und Yang
Konzept C: Filmrollen und Essences
Konzept D: Stil
System A: KibbeDie Archetypen gehören zur Blogreihe Operation Kleiderschrank.
Inhaltsverzeichnis
Konzept A: Linien
Konzept B: Yin und Yang
Konzept C: Filmrollen und Essences
Konzept D: Stil
System B: Kitchener
1. April 2015
Obst und Körperproportionen
Heute geht es um Körpertypen, die ich persönlich immer nur "die Obsttypen" nenne. Ich glaube, wir alle kennen sie: Birne, Apfel, Säule, Sanduhr, Dreieck.
Ich brauch da ja nicht viel drüber schreiben, die Obsttypen sind aus diversen Frauenzeitrschriften bekannt, wenn auch nicht in tiefergehenden, praxisnäheren Details -
zu denen möchte ich dir diese vier Quellen empfehlen:
Die Modeflüsterin - Sehr guter deutschsprachiger Blog zum Thema, richtet sich zwar an Frauen jenseits der 35, das heißt ja nicht dass man sich als jüngere nicht auch was mitnehmen könnte.
How to look good - Unter der Rubrik "dress for your shape" habe ich zum ersten Mal eine Anleitung gefunden, die nicht davon ausgeht, dass kleine Frauen automatisch auch eine knabenhafte Figur haben. Es gibt ausführliche pdfs mit Tipps zu den jeweils empfohlenen Kragenformen, Hosenschnitten und Farbwahl.
Trinny and Susannah - über diese beiden Frauen stolpert man oft im Netz. Sie unterscheiden viel feiner zwischen den Körperformen und bringen realistische Alltagsbeispiele. Infos findet man zum Beispiel hier und hier.
Inside Out - Auch hier gibts unter Body - Body Shapes alltagsnahe Bilder und Tipps, über die du wahrscheinlich auch auf pinterest schon gestolpert bist. Auch viele andere Tricks finden sich hier, nicht nur Obsttypen.
Tut mir leid für jegliche Herren, die hier mitlesen (lesen hier überhaupt Männer mit?), aber ich hab nur Infos für Frauen gefunden. Die grundlegenden Prinzipien wie Proportionen, Goldener Schnitt und "Blickpsychologie" sind aber universell und in der Praxis flott umübersetzt.
Es mag vielleicht nicht immer alles funktionieren (bei mir Birne loosen zB die empfohlenen A-Linienröcke voll ab), aber man schult auf alle Fälle seinen Blick.
Es ist auch ein guter Einstieg in das Thema Archetypen, das ich ab nächster Woche präsentiere.
Nachtrag: Anuschka von into-mind hat hier ihre Gedanken zu den Obsttypen aufgeschrieben. Ich wollte das Thema neutral präsentieren, aber finde ihre Sichtweise durchaus berechtigt. Ich bin selber kein Fan von den Obsttypen und würde zB Trinny und Susannah in ganz vielen Punkten/Makeovers massiv widersprechen. Aber wer was hilfreich findet, ist halt individuell. Und wenn man sagt, Körpertypen sind Mist, jeder soll anziehen können, was er/sie will, dann hat das für mich auch den Subtext von "Jedem steht alles" - was halt leider nicht stimmt. Was hier nämlich mitschwingt ist: ... und wenn es dir nicht steht, ist was mit dir verkehrt. Ich hab selber ein paar Dinge aus den Links oben mitnehmen können, auch wenn ich die Archetypen halt einfach wirklich enorm hilfreicher gefunden hab, die sind zwar komplexer, haben aber eine weitaus höhere Zufriedenheitsquote. Letzlich gilt aber: Jeder ist anders, jedem hilft was anderes, jedem sagt was anderes zu.
Die Obsttypen sind Teil meiner Operation Kleiderschrank.
Ich bin eine Petite Pear, und du?
Ich brauch da ja nicht viel drüber schreiben, die Obsttypen sind aus diversen Frauenzeitrschriften bekannt, wenn auch nicht in tiefergehenden, praxisnäheren Details -
zu denen möchte ich dir diese vier Quellen empfehlen:
Die Modeflüsterin - Sehr guter deutschsprachiger Blog zum Thema, richtet sich zwar an Frauen jenseits der 35, das heißt ja nicht dass man sich als jüngere nicht auch was mitnehmen könnte.
How to look good - Unter der Rubrik "dress for your shape" habe ich zum ersten Mal eine Anleitung gefunden, die nicht davon ausgeht, dass kleine Frauen automatisch auch eine knabenhafte Figur haben. Es gibt ausführliche pdfs mit Tipps zu den jeweils empfohlenen Kragenformen, Hosenschnitten und Farbwahl.
Trinny and Susannah - über diese beiden Frauen stolpert man oft im Netz. Sie unterscheiden viel feiner zwischen den Körperformen und bringen realistische Alltagsbeispiele. Infos findet man zum Beispiel hier und hier.
Inside Out - Auch hier gibts unter Body - Body Shapes alltagsnahe Bilder und Tipps, über die du wahrscheinlich auch auf pinterest schon gestolpert bist. Auch viele andere Tricks finden sich hier, nicht nur Obsttypen.
Tut mir leid für jegliche Herren, die hier mitlesen (lesen hier überhaupt Männer mit?), aber ich hab nur Infos für Frauen gefunden. Die grundlegenden Prinzipien wie Proportionen, Goldener Schnitt und "Blickpsychologie" sind aber universell und in der Praxis flott umübersetzt.
Es mag vielleicht nicht immer alles funktionieren (bei mir Birne loosen zB die empfohlenen A-Linienröcke voll ab), aber man schult auf alle Fälle seinen Blick.
Es ist auch ein guter Einstieg in das Thema Archetypen, das ich ab nächster Woche präsentiere.
Nachtrag: Anuschka von into-mind hat hier ihre Gedanken zu den Obsttypen aufgeschrieben. Ich wollte das Thema neutral präsentieren, aber finde ihre Sichtweise durchaus berechtigt. Ich bin selber kein Fan von den Obsttypen und würde zB Trinny und Susannah in ganz vielen Punkten/Makeovers massiv widersprechen. Aber wer was hilfreich findet, ist halt individuell. Und wenn man sagt, Körpertypen sind Mist, jeder soll anziehen können, was er/sie will, dann hat das für mich auch den Subtext von "Jedem steht alles" - was halt leider nicht stimmt. Was hier nämlich mitschwingt ist: ... und wenn es dir nicht steht, ist was mit dir verkehrt. Ich hab selber ein paar Dinge aus den Links oben mitnehmen können, auch wenn ich die Archetypen halt einfach wirklich enorm hilfreicher gefunden hab, die sind zwar komplexer, haben aber eine weitaus höhere Zufriedenheitsquote. Letzlich gilt aber: Jeder ist anders, jedem hilft was anderes, jedem sagt was anderes zu.
Die Obsttypen sind Teil meiner Operation Kleiderschrank.
Ich bin eine Petite Pear, und du?
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